Kinder berichten in Studie: Stress beginnt schon mit der Grundschule

Nach einer Umfrage beginnt der Stress schon in der Grundschule, schon Zweit- und Drittklässler stehen unter hohem Erfolgsdruck. Allerdings haben die Kinder ein sehr gutes Bewusstsein für gesunde Ernährung.
Schon Grundschüler haben Stress - eine Studie hat ergeben, dass Zweit- und Drittklässler unter stressförderndem Leistungsdruck stehen. © dpa, Caroline Seidel

"Vorwehen" der weiterführenden Schule

Immer früher leiden wir unter Stress: Schon ein Drittel der Zweit- und Drittklässler kennt Stress in der Grundschule. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage an knapp 5.000 Kindern zwischen sieben und neun Jahren hervor, die der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) zusammen mit anderen Initiatoren vorstellte. Danach ist die Schule für die Kinder fast bundesweit der meistgenannte Stressfaktor, noch vor "Ärger und Streit" und Auslösern in der Familie. Bereits ein Viertel der Zweit- und Drittklässler fühlt sich oft oder sogar sehr oft gestresst.

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Interessanterweise war Berlin, mit sechsjähriger Grundschule und verbreiteter jahrgangsübergreifender Schulanfangsphase, das einzige Land, in dem Schule nicht der häufigste Stressfaktor für die Kinder war, sondern erst an dritter Stelle hinter "Ärger und Streit" sowie Familie rangierte.

"Bemerkenswert ist, dass Kinder in der dritten Klasse doppelt so häufig den Erfolgsdruck als Stress empfinden wie noch die Zweitklässler", sagte DKSB-Sprecher Friedhelm Güthoff. Dies seien bereits die "Vorwehen" der bevorstehenden Wahl der weiterführenden Schule, kritisierte er.

Kinder haben ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein

Gleichzeitig zeigte die Studie jedoch auch, dass die Sieben- bis Neunjährigen vielen Vorurteilen zum Trotz ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein haben, viele Entspannungsmöglichkeiten kennen – und dass insgesamt fast neun von zehn Kindern angeben, "in der Regel glücklich" zu sein. Fast allen Kindern ist es wichtig gesund zu sein, rund 90 Prozent finden es ziemlich oder sehr wichtig, gesund zu essen. Vier von fünf Kindern geben an, oft oder sehr oft Obst und Gemüse zu essen - deutlich weniger sagen dies über Süßigkeiten (28 Prozent). Bei Getränken liegen Wasser und ungesüßter Tee (62 Prozent) vor Limonade (22 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Kinder wissen auch, wie sie sich am besten entspannen und Druck abbauen können. Zwei Drittel kennen viele Bewegungsspiele und die meisten gehen nach draußen, um sich dort auszutoben (70 Prozent). Zum Vergleich: 40 Prozent entspannen vor dem Computer. Mehr als die Hälfte würden sich zudem gerne häufiger einfach mal ausruhen.

"In diesem Alter ist alles vorhanden, was zur Ausbildung eines gesunden Lebensstils erforderlich ist. Nun sind wir Erwachsene gefordert, diese Impulse zu erhalten und zu verstärken", sagte der Mediziner Prof. Dietrich Grönemeyer. Bekannt und durch andere Studien belegt sei ja, dass sich das Ernährungsverhalten bei vielen Kindern später sehr negativ entwickle. "Hier müssen Eltern, Lehrer und auch Ärzte viel mehr dranbleiben."

Fakt sei, dass sich das Ernährungsverhalten der Kinder zur Pubertät hin ungünstig verändere.

"Das liegt natürlich auch am stundenlangen Sitzen vorm Computer oder am Handy", sagte Grönemeyer. Insbesondere die Eltern müssten dranbleiben. Immerhin kommt fast jedes fünfte befragte Kind morgens mit leerem Magen zur Schule und jedes zehnte bekommt keine warme Mahlzeit am Tag.

Eltern sind Vorbilder auch in Sachen Gesundheitsbewusstsein, betonten die Experten. "Daneben sind vor allem verlässliche Informationen aus der Schule, von Ärzten und aus dem Internet für die Kinder wichtig", stellte Anja Beiskamp vom ProKids-Institut fest. Kinder, die ihr Wissen über Gesundheit vor allem aus Fernsehen, Werbung oder von gleichaltrigen Freunden bezogen, wussten deutlich weniger Bescheid.


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