Landwirtschaftsminister Schmidt will Pelztierzucht verbieten – alles nur eine "Mogelpackung"?

03.12.2015 | 12:27
Vorstoß gegen Zucht soll in zehn Jahren greifen
00:00 | 02:30

Minister will Zucht von Pelztieren in Deutschland verbieten

Vorstoß gegen Zucht soll in zehn Jahren greifen

Die Pelzbranche sieht rot – dem Tierschutz geht der Vorstoß nicht weit genug

Seit Jahren fährt die deutsche Pelzbranche mit rund einer Milliarde Euro stabile Gewinne ein. Und auch weltweit boomt der Markt mit Pelz. Nun will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt der Pelztierhaltung aber an den Kragen: Nerze, Iltisse, Chinchillas, Rot- und Polarfüchse und Co. sollen in Zukunft nicht mehr gehalten werden dürfen. Das klingt erstmal nach einem guten Zug für den Tierschutz, doch die geplante gesetzliche Änderung zielt nur auf die Haltung von Pelztieren ab. Der Handel mit Pelzen wird dadurch aber nicht eingeschränkt. Ist Schmidts Vorstoß also nur eine "Mogelpackung"?

- Anzeige -

In einer Werkstatt bei Leipzig arbeitet die Kürschnerin Carola Hubert. Mit Leidenschaft, wie sie selbst sagt, verarbeitet sie Tierfelle von Jagd- und Nutztieren. Die meisten von ihnen haben im Wald oder auf der Wiese gelebt. Von industrieller Pelztierzucht hält sie nichts: "Weil ich eigentlich nur mit den Tieren arbeite, die gegessen werden oder geschossen werden müssen."

Davon kann anderswo in Deutschland keine Rede sein. Pelz ist dort ein Massenprodukt – Nerze werden zu Tausenden in engen Käfigen eingepfercht. Genau das soll nach Meinung von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt endgültig aufhören. Allerdings erst in zehn Jahren. "Das Gesetz wird mit einer Übergangsfrist umgesetzt werden, weil wir natürlich den Pelztierhaltern in Deutschland die Möglichkeit geben müssen, sich darauf einzustellen."

"Das ist ein Super-GAU für den Tierschutz. Die Pelzzucht wird einfach nach Osten wandern"

Doch die deutsche Pelzbranche sieht rot. Trotz der zehn Jahre langen Übergangszeit gibt es Proteste. Susanne Kolb-Wachtel vom Deutschen Pelzinstitut spricht von einem Berufsverbot für Züchter. Und sorgt sich nach eigenen Angaben zudem ausgerechnet um das Wohl der Tiere. "Das ist ein Super-GAU für den Tierschutz. Denn, wenn wir hier in Deutschland nicht unter strengen gesetzlichen Regeln und Kontrollen züchten, dann wird die Pelztierzucht einfach nach Osten wandern. Und dort gibt es weniger Kontrollen."

Für Tierschützer wie Friedrich Mülln von der SOKO Tierschutz klingt das wie Hohn. Er beobachtet die Branche seit Jahrzehnten und bezweifelt, dass deutsche Züchter besser mit den Tieren umgehen als andere. "Ich habe die Pelzproduktion weltweit gesehen – in Deutschland, Kanada, China und Polen. Ich kann keine Unterschiede feststellen. Die Nerzkäfige sind weltweit standardisiert. Die Tötungsmethoden sind standardisiert. Die Ausrede, wenn wir es nicht machen, wird es woanders schlechter gemacht, zieht also nicht."

Betroffen sind neun Betriebe in Deutschland. Wie viele Tiere dort gehalten werden, ist nicht durch genaue Zahlen belegt. Und wirklich greifen würde das Gesetz – wenn überhaupt – viel zu spät. Eben, weil Minister Schmidt den Züchtern mit der Übergangsfrist eine weitere Schonzeit einräumt. Eine halbherzige Mogelpackung, findet Tierschützer Mülln: "Es gab immer wieder Gesetzesinitiativen und Übergangsfristen, aber geändert hat sich bis heute nichts. Die Tiere sitzen nach wie vor in winzigen Käfigen."

Und auch für die Grünen geht der Vorschlag nicht weit genug. So reagierte die grüne Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch verhalten: "Wir werden genau prüfen, ob Herr Schmidt wirklich ernst macht oder wie so oft haltlose Versprechen macht." Neben dem Verbot der Pelzfarmen müsse nämlich auch die Kennzeichnung verbessert werden, damit Verbraucher wissen, ob das Tier auf ihrem Kopf aus China oder sonst woher stammt.

Mit einem Verbot würde Deutschland immerhin ein Zeichen setzen. Aber nur, wenn es eben nicht nochmal zehn Jahre dauern würde. Und wenn nicht nur die Zucht, sondern auch der Handel mit solchen Pelzen verboten wäre. All das aber ist im Entwurf des Ministers gerade nicht vorgesehen.