Lasagne, Gulasch, Ravioli & Tortelloni - Pferdefleisch-Skandal zieht weitere Kreise

Hinweise auch auf Verarbeitung von Pferdefleisch in Deutschland

Der Pferdefleisch-Skandal nimmt immer größere Dimensionen an: Das Bundesverbraucherschutzministerium bestätigte, dass 179.000 verdächtige Lasagne-Packungen nach Deutschland importiert wurden. Sie sollen entgegen den Angaben auf der Verpackung auch Pferdefleisch enthalten haben. 'Spiegel-Online' berichtete unter Berufung auf EU-Lieferlisten, dass knapp 360.000 Packungen Lasagne und Cannelloni von einem verdächtigen Luxemburger Betrieb an den deutschen Lebensmittelhandel geliefert wurden.

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Pferdefleisch-Skandal, Verbraucher
Mit der Brandenburger Firma Dreistern-Konserven räumte nun auch ein deutscher Betrieb ein, Rindergulasch eigener Herstellung enthalte Spuren von Pferdefleisch. © dpa, Oliver Mehlis

Die aus dem Ausland importierten verdächtigen Fertigprodukte wurden aus den Verkaufsregalen genommen. Sie stammen unter anderem vom französischen Fleischverarbeiter Comigel, der über seine Luxemburger Filiale deutsche Lebensmittelketten beliefert hatte. So hatte Kaiser's Tengelmann am Freitag bekanntgegeben, eine Lasagne von Comigel habe Pferdefleisch enthalten.

Doch auch hierzulande gibt es erstmals Hinweise darauf, dass Hersteller von Fertigprodukten Pferdefleisch verwendet haben. Die Brandenburger Firma Dreistern-Konserven räumte ein, Rindergulasch eigener Herstellung enthalte Spuren von Pferdefleisch. Auf ihrer Internet-Seite teilte die Neuruppiner Firma mit, Pferde-DNA sei in Konserven mit der Bezeichnung 'Rindergulasch 540g Omnimax' nachgewiesen worden. Zu den Ursachen erklärte die Firma: "Die nachgewiesen Spuren von Pferde-DNA können im Rahmen der Fleischverarbeitung bereits durch die Nutzung gemeinsamer Schlachthäuser oder Transportbehälter entstanden sein."

Dreistern hatte sechs Lieferanten. Es handele sich um vier deutsche, ein belgisches und ein niederländisches Unternehmen, teilte das brandenburgische Verbraucherschutzministerium mit. Mittlerweile seien alle produzierten Chargen Rindergulasch zurückgerufen worden.

Verbraucherminister wollen Konsequenzen beraten

Bislang wiesen die Spuren in dem Skandal auf die französische Firma Spanghero, die Pferdefleisch aus Rumänien zu Rinderfleisch umetikettiert und damit Hersteller von Fertigspeisen beliefert haben soll. Spanghero belieferte den ebenfalls französischen Fleischbearbeiter Comigel. Comigel wiederum ist Zulieferer großer deutscher Handelsketten. Sowohl Spanghero wie Comigel bestreiten, die Inhaltsangaben ihrer Produkte wissentlich gefälscht zu haben.

Die Liste der falsch deklarierten Produkte wächst derweil stetig: Aldi Süd hat zwei Fertiggerichte aus den Regalen verbannt. Betroffen sind die 'Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)' und 'Gulasch, 450 g Dose (Sorte Rind)'. Lidl hat die 'Tortelloni Rindfleisch' aus dem Verkauf genommen und bei Kaiser's Tengelmann wurde die 'A&P'-Tiefkühllasagne aus den Regalen geräumt. Zuvor hatten bereits die Metro-Tochter Real und die Supermarktkette Edeka Fertiggerichte mit Pferdefleisch entdeckt, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. Als weitere Handelskette hat Konsum Leipzig eine verdächtige Tiefkühllasagne aussortiert.

Die Verbraucherminister von Bund und Ländern wollen am Montag bei einer Sondersitzung über Konsequenzen aus dem Pferdefleisch-Skandal beraten. "Da der Betrugsfall immer größere Dimensionen annimmt, müssen Länder und Bund im engen Schulterschluss schnell und konsequent handeln", forderten die Vorsitzende der Verbraucherschutzministerkonferenz der Länder, Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich und Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Aigner trat in der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung' für ein nationales Kontrollprogramm ein, das über die von der EU beschlossenen Maßnahmen hinausgehen soll.

Vertreter der EU-Staaten hatten sich darauf geeinigt, bei der Fahndung nach falsch deklariertem Pferdefleisch auf Gentests zu setzen. Außerdem wollen die Staaten nach Rückständen des entzündungshemmenden Medikaments Phenylbutazon suchen, das in Pferdefleisch in Großbritannien entdeckt worden war. Das Mittel ist für den Einsatz bei Tieren, die später verzehrt werden sollen, nicht zugelassen. Nach Angaben des Bundesverbraucherschutzministeriums wurde dieser Stoff bislang in Fertigprodukten in Deutschland nicht nachgewiesen.

Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Renate Künast, verlangte indes in der 'Passauer Neuen Presse', dass verarbeitetes Fleisch gekennzeichnet und die Aufzucht- und Mastbetriebe benannt werden müssen. Unterdessen suchen in Deutschland und anderen europäischen Ländern Kontrolleure weiter nach verdächtigen Lebensmitteln, die Ermittlungen gegen mutmaßliche Betrüger laufen.


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