Leiharbeit bei Zara: Arbeitsbedingungen für langjährige Mitarbeiter immer schlechter

Mitarbeiter-Skandal bei Zara
Mitarbeiter-Skandal bei Zara Werden Mütter durch billige Arbeitskräfte ersetzt? 00:08:45
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Langjährige Mitarbeiter werden aus der Firma gedrängt

Zara betreibt in Deutschland 77 Filialen in 54 Städten. Das Unternehmen gehört zum spanischen Inditex-Konzern, einer der fünf größten Modehändler der Welt. RTL-Reporter Alexander Römer ist nach München zu einer der Filialen gefahren. Mitarbeiter des Bekleidungshändlers Zara haben ihm nämlich erzählt, dass sich die Arbeitsbedingungen in dieser Filiale dramatisch verschlechtert haben sollen. Langjährige Mitarbeiter werden dort angeblich systematisch rausgeschmissen - und durch billige, ungelernte Arbeitskräfte ersetzt, die kaum ein Wort Deutsch sprechen.

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Vermehrt Leiharbeit: Kaum ein Mitarbeiter spricht noch Deutsch

Reporter Alexander Römer gibt sich als Kunde aus, überprüft einen Teil der Vorwürfe vor Ort. Einfache Fragen zu Größen, Produkten oder zum Umtausch kann fast niemand in dieser Zara-Filiale beantworten. Wenn man als Zara-Kunde kein Englisch spricht, ist man hier in München ziemlich verloren. In einer Hamburger Filiale bietet sich den Reportern ein ähnliches Bild.

Diese neuen 'Mitarbeiter' bei Zara können zwar kaum Deutsch, dafür sind sie viel billiger. Sie sind nämlich gar keine echten Zara-Mitarbeiter. Sie kommen von Leiharbeitsfirmen. Das heißt, es gibt Unternehmen, die ihre Mitarbeiter an Zara ausleihen. Diese Leiharbeiter machen dann im Laden zwar dieselbe Arbeit wie Zara-Mitarbeiter, bekommen aber nicht den gleichen Lohn. Auch kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Weil sie eben keinen direkten Arbeitsvertrag mit Zara haben. Und die Leiharbeiter können schnell ausgetauscht werden. Wenn sie krank sind oder nicht schnell genug arbeiten, dann kann man bei der Leiharbeitsfirma einfach einen neuen Leiharbeiter bestellen.

Junge Mütter haben es offenbar besonders schwer

Von den knapp 4.000 deutschen Zara-Mitarbeitern sind etwa  84 Prozent Frauen. Nicht wenige Mütter darunter. Und gerade die haben im Moment besondere Angst um ihren Job. Denn viele haben den Eindruck, dass Zara sie loswerden will.

Zara lässt die jungen Frauen spüren, dass man auf die Bedürfnisse junger Mütter keine Rücksicht nehmen will. In einem Schreiben, auf dem oben ein niedliches Herzchen und das Wort "Babyzeit" prangt, folgt ein 'Tipp', wie man den Job bei Zara und Kinder unter einen Hut bekommen kann: "Vielleicht hast du die Möglichkeit, dir ein Netzwerk aus Freunden, Tagesmutter und Kita zu erstellen. Die passenden Kontakte dazu erhältst du vom zuständigen Jugendamt deiner Stadt.“ Für den Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff ist die Botschaft klar: Kinder sind unerwünscht. Und wenn eine Frau trotzdem unbedingt eins bekommen möchte muss sie sehen, wie sie zurecht kommt.

Diese Meinung teilt man bei Zara nicht. Auf unsere Nachfrage hin erklärt man: "Ihre Behauptung – die vor allem sehr pauschal gehalten ist – dass Mütter, die aus der Elternzeit zurückkehren, Probleme hätten, ist falsch. ...  Nur in einigen Filialen, in denen bereits für viele Angestellte spezielle Arbeitszeitpläne gelten, könnte es schwierig sein, noch mehr Sondervereinbarungen zu finden.“

Mitarbeiterinnen von Zara haben uns Dokumente zugespielt die zeigen, wie das bei Zara manchmal läuft: Eine Mutter kommt nach der Elternzeit zurück. Dann erhält sie eine Einladung zu einem Gespräch. Berufliches Eingliederungsmanagement, kurz BEM. Solche Gespräche sind eigentlich für Mitarbeiter gedacht, die lange krank waren. Da soll besprochen werden, wie man behutsam wieder mit der Arbeit anfangen kann. Bei der Gewerkschaft ver.Di haben sich Mütter gemeldet, denen man in so einem BEM-Gespräch plötzlich neue Arbeitszeiten angeboten hat. Und zwar solche, die mit einer Familie kaum zu vereinbaren sind. Also vor allem Spätschichten.

Vielmehr als an das Verantwortungsgefühl des Unternehmens  zu appellieren, bleibt aber nicht. Denn auch wenn viele so ein Vorgehen als schäbig empfinden – verboten ist es nach aktueller Gesetzeslage nicht.

Leiharbeiter leben unter schlechten Bedingungen

Extra-Reporter Alexander Römer hat bis Ladenschluss gewartet und ist den Leiharbeitern bis zu ihrer Wohnung gefolgt. So konnte er aufdecken, unter welch beschämenden Bedingungen die Zara-Leiharbeiter leben und arbeiten müssen. In einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung leben neun Menschen. Alles Leiharbeiter bei Zara. Die Firma 'additionstime GmbH', die diese Mitarbeiter an Zara verleiht, erklärt dazu:

"Die Wohnungen sind für 10 Personen ausgerichtet und werden in der Regel von neun Personen bewohnt.“

Und für solche Wohnungen wird manchen Mitarbeitern sogar noch Geld abgezogen. Von einem Lohn, der an sich schon kaum zum Leben reicht.