Lena (11) aus Emden wurde erwürgt

Öffentlichkeit bis zum Urteil ausgeschlossen

Zu Beginn des Prozesses um den Mord an der elfjährigen Lena in Emden haben die Ermittler erstmals öffentlich über die Todesursache berichtet. Das elfjährige Mädchen sei erwürgt worden, erklärte die Staatsanwaltschaft beim Verlesen der Anklageschrift am Landgericht Aurich. Die Ermittler in Niedersachsen gehen davon aus, dass der angeklagte 18-Jährige das Mädchen ermordet hat, damit Lena nichts von ihrer Vergewaltigung durch den Täter erzählen konnte.

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Lena Mord Prozess Emden
Der 18-jährige David H. verbirgt vor Gericht sein Gesicht hinter einem Aktenordner. © dpa, Joerg Sarbach

Das Landgericht Aurich hat die Öffentlichkeit bis zur Urteilsverkündung ausgeschlossen. Der Vorsitzende Richter, Werner Brederlow, begründete dies mit den Schutzinteressen sowohl des Angeklagten als auch des Opfers und der Hinterbliebenen von Lena. "Die öffentliche Erörterung könnte seine weitere Entwicklung negativ beeinflussen", sagte Brederlow über den mutmaßlichen Mörder. Der Verteidiger des Angeklagten hatte den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt. Schon ein Teil der Anklageschrift war nichtöffentlich verlesen worden.

Fünf Monate nach dem Mord in einem Emder Parkhaus hatte der Prozess mit einer Schweigeminute begonnen. Der Tod des Mädchens dürfe nicht aus dem Blickfeld geraten, so das Gericht. Der 18-jährige David H. hatte gestanden, die Elfjährige am 24. März umgebracht zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte er das Mädchen zuvor vergewaltigt.

Lena war am späten Nachmittag des Tattages mit einem Freund von zu Hause aufgebrochen, weil sie Enten füttern wollten. Am Abend fand der Parkhauswächter ihre Leiche in einem Treppenhaus hinter einem Notausgang.

Der Emder Parkhaus-Mord hatte nicht nur die Menschen in Ostfriesland schockiert. Die Festnahme eines Unschuldigen, Lynchaufrufe auf Facebook und schwere Ermittlungspannen machten bundesweit Schlagzeilen.

Ist David H. schuldfähig und als Erwachsener anzusehen?

Seit der Festnahme von David H. stellt sich die Frage, ob der Mord an Lena zu verhindern gewesen wäre. Die pädophilen Neigungen des 18-Jährigen waren der Polizei schon länger bekannt. Im vergangenen November hatte er sich selbst angezeigt, weil er Nacktfotos von einer Siebenjährigen gemacht hatte. Doch eine gerichtlich angeordnete Hausdurchsuchung blieb monatelang unbearbeitet liegen.

Deshalb wird gegen mehrere Polizisten disziplinarrechtlich ermittelt. Auch gegen die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Aschendorf (Kreis Emsland) laufen Ermittlungen. Dort hatte der Angeklagte vor dem Mord eine Therapie regulär beendet.

Erst die Aussage von zwei Frauen, die David H. am Tattag in der Nähe des Parkhauses gesehen hatten, brachte die Fahnder auf die Spur des Verdächtigen. Mit Hilfe einer DNA-Analyse konnten sie ihn schließlich überführen. Danach kam heraus, dass er im November bereits eine Joggerin in Emden überfallen haben soll, um diese zu vergewaltigen. Die Frau konnte sich aber wehren.

Das Landgericht Aurich hat bis Anfang November zehn weitere Verhandlungstage angesetzt. 17 Zeugen sind insgesamt geladen. Außerdem sollen ein Gerichtsmediziner und ein Psychiater aussagen. Dieser soll beurteilen, ob der Angeklagte schuldfähig ist und ob er als Erwachsener oder Jugendlicher anzusehen ist.

Dass seine verzweifelten Opfer um sich schlugen, schien David H. nicht zu stören. Er soll an dem seltenen genetischen Defekt HSAN (Hereditäre sensorische und autonome Neuropathie) leiden – körperlicher Schmerz ist den Betroffenen fremd. Ob seine mögliche Krankheit mit zu seinen Taten beigetragen hat, ist noch nicht geklärt.

Die Einschätzung des Psychiaters wird eine entscheidende Rolle beim Strafmaß spielen. Bei einer Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht droht dem 18-Jährigen lebenslange Haft. Bei Jugendstrafrecht müsste er maximal zehn Jahre hinter Gittern verbüßen.