Lufthansa: Ab heute droht Streik

29.08.2012 | 07:15
Streik, Lufthansa Srteik bei der Lufthansa: Passagiere müssen mit langen Wartezeiten rechenen, wann genau, weiß aber niemand.

Kurzfristige Aktionen ohne Vorwarnung

Bei der Lufthansa stehen die Zeichen auf Streik. Die Gewerkschaft UFO drohte nach gescheiterten Verhandlungen mit einem Arbeitskampf. UFO hat nach eigenen Angaben eine Mehrheit der an die 19.000 Flugbegleiter hinter sich. Vorausgegangen war ein fünftägiger Verhandlungsmarathon, bei dem sich Unternehmen und Gewerkschaft nicht auf ein Lösungspaket verständigen konnten. "Wir befinden uns seit heute im Arbeitskampf mit der Lufthansa", erklärte UFO-Chef Nicoley Baublies.

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Einen genauen Zeitpunkt des ersten Ausstands wollte die Gewerkschaft aus taktischen Gründen nicht nennen, damit sich Lufthansa nicht darauf einstellen könne. Man werde ohne lange Vorwarnungen in den nächsten Wochen im Inland zeitlich und punktuell zu Streiks aufrufen, erklärte Baublies. Einen umfassenden und flächendeckenden Streik werde man in diesen Wochen vorbereiten. Die rund 19.000 Flugbegleiter haben bis auf kleinere Aktionen 2009 bisher noch nie gestreikt.

Ein Großstreik würde für Lufthansa tägliche Millionenschäden bedeuten, sagte Lufthansa-Passagevorstand Peter Gerber. Aus Kundensicht könne man kein Verständnis für Streiks haben, meinte der Manager. Die Lufthansa sei aber gut vorbereitet und bemüht, die Auswirkungen für die Fluggäste möglichst gering zu halten.

"Der Versuch, Leiharbeit und Ausflaggung zu verhindern, ist gescheitert", sagte Baublies. Die Streikforderungen der UFO beziehen sich nun allein auf den offenen Tarifvertrag zu Vergütungsfragen, der Entgelte und Gehaltsstufen regelt. Die bestreikten Forderungen müssen juristischen Überprüfungen standhalten. Prompt kündigte die Lufthansa an, schon aus professionellen Gründen eine Klage gegen die kleine Gewerkschaft zumindest zu prüfen.

In der Nacht zum Dienstag waren langwierige, am Donnerstag vergangener Woche begonnene Verhandlungen um eine Gesamtlösung gescheitert. Die Verhandlungspartner wiesen sich gegenseitig die Verantwortung für das Scheitern zu.

Streikaufruf per Mail und SMS

UFO hatte neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit an Bord von Lufthansa-Maschinen verlangt. Sie wollten zudem die Verlagerung von Arbeitsplätzen in die angestrebte Direktflugtochter mit damit verbundenen Einkommenseinbußen verhindern und das bisherige Tarifstufensystem weitgehend beibehalten.

Vor allem habe das Unternehmen darauf bestanden, im Konzern die neue Direktflugtochter mit niedrigeren Tarifen zu gründen. UFO fürchtet, dass bis zu 2.000 Flugbegleiter von der Lufthansa zu der Billigtochter versetzt werden sollen. "Wo Lufthansa drauf steht, muss auch Lufthansa drin sein", sagte Vogelsang. Auch auf eine von UFO angebotene Schlichtung sei Lufthansa nicht eingegangen.

Das Gesamtforderungspaket der UFO sei zu hoch gewesen, während das Management Einsparungen erreichen wollte, entgegnete Lufthansa-Vorstand Gerber. UFO habe nahezu sämtliche "heiligen Tarifkühe" geschlachtet und sich in vielen materiellen Fragen noch einmal bewegt, sagte hingegen UFO-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang, ein auf kleine Gewerkschaften im Luftverkehr spezialisierter Rechtsanwalt.

Ein Streitpunkt ist das komplizierte Vergütungssystem, das den Stewards und Stewardessen in ihrem Berufsleben relativ regelmäßig Gehaltssteigerungen garantiert. Laut Lufthansa reichen die Jahresgrundgehälter von 22.420 Euro bis an die 70.000 Euro für die erfahrensten Purser. Es gibt derzeit 17 Gehaltsstufen.

Gerber verteidigte das Kranich-Angebot: Lufthansa sei bereit gewesen, auf befristete Verträge, betriebsbedingte Kündigungen und den Einsatz von Fremdpersonal zu verzichten. Es hätte nach seiner Einschätzung allen Flugbegleitern bei etwas längeren Einsatzzeiten mehr Geld gebracht und sie langfristig abgesichert. Verzichten sollten künftige Beschäftigte: "Für neue Mitarbeiter hatten wir uns neue Tabellen vorgestellt."

Die UFO-Mitglieder sollen per Mail und SMS zu den einzelnen Aktionen aufgerufen werden. UFO hat nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte der Flugbegleiter organisiert.

Europas größte Fluggesellschaft sieht sich wegen des starken Wettbewerbs und anstehender Milliarden-Investitionen zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen. Eine wichtige Stellschraube im 1,5 Milliarden Euro schweren Sparprogramm 'Score' sind dabei die im Vergleich zum Wettbewerb sehr hohen Personalkosten. Lufthansa hat bereits den Abbau von 3.500 Stellen in der Verwaltung angekündigt, will im Sektor der Kabinen aber ohne Kündigungen auskommen.

Bildquelle: Reuters