Mafia macht auf Ökostrom: Geldwäsche in Windparks

HSH Nordbank im Zuge von Ermittlungen durchsucht

Die italienische Mafia investiert massiv in Windparks - und das offenbar mit Hilfe deutscher Firmen. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat bei einer bundesweiten Razzia 20 Objekte durchsuchen lassen, darunter die HSH Nordbank und einen Windanlagen-Bauer.

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Vito Nicastri war eigentlich ein einfacher Elektriker. Doch dann macht ihn die Mafia als Strohmann zum Herrn der Winde, zum Chef über etliche Windparks in Süditalien. Als die italienischen Fahnder Nicastri aus dem Verkehr ziehen, beschlagnahmen sie auch sein Vermögen in Höhe von sage und schreibe 1,3 Milliarden Euro. Auch einen Windpark im kalabrischen Crotone legen die Ermittler still. Denn die Mafia macht auf Ökostrom.

"Das sind natürlich hochkarätige Geschäftsleute. Sie sind nicht mehr die kleinen Bauern, die da mit dem Gewehr irgendwie herumfuchteln, sondern das sind Unternehmer geworden. Und die investieren ihr Geld dort, wo sie sich die größten Profite versprechen", weiß Jürgen Roth, Experte für organisierte Kriminalität.

Von Crotone in Kalabrien führt die Spur in den Norden Deutschlands, nach Aurich in Ostfriesland. Von dort lieferte die Firma Enercon Windräder nach Süditalien – und die Kredite für das mafiöse Geschäft finanzierte in Hamburg die HSH Nordbank. Beides über Mittelsmänner. Nun haben die Unternehmen Besuch von BKA-Fahndern bekommen. Denn Deutschland ist für die Mafia bevorzugtes Territorium bei der Geldwäsche.

Spur ins Emsland

"Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt in dem Verfahren wegen Geldwäsche gegen verschiedene Personen aus dem Emsland. Zurzeit laufen immer noch Durchsuchungen bei der Bank. Es hat sich doch als sehr umfangreich herausgestellt, so dass wir jetzt über mehrere Tage dort durchsuchen lassen", so Alexander Retemeyer, Staatsanwalt.

Warum die Mafia in Ökostrom investiert, ist einfach: Die Cosa Nostra kann durch die Finanzierung legaler Geschäfte schmutziges Drogengeld waschen – und statt durch spektakuläre Morde aufzufallen, gleichzeitig Ökostrom-Subventionen abgreifen. Aus Mafia-Sicht eine absolute win-win-Situation.

Die Überprüfung der Investoren muss in deutlich stärkerem Ausmaß stattfinden. Wenn beispielsweise Briefkastenfirmen gerade mal eben mit 10.000 Euro Eigenkapital gegründet wurden, für ein 200-Millionen-Projekt als Firma dienen soll, dann muss ich ganz klar nach der Quelle des Geldes fragen", meint die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier.

Die HSH-Nordbank und auch Enercon beteuern, sie hätten von den Hintermännern der kalabrischen Drangetha nichts gewusst. Doch wer in Kalabrien Geschäfte macht, sollte es eigentlich besser wissen: "Das ist ein reines Drangetha-Gebiet. Da ist nichts anderes. Das müssen auch deutsche Unternehmer gewusst haben. Also, entweder sind sie dumm, oder sie sind Komplizen. Da gibt es nichts dazwischen", sagt Roth.

Über 200 Beamte waren heute an knapp 30 Orten in Deutschland im Einsatz – es geht um einige hundert Millionen Euro und darum, der Mafia ihr Spielgeld wegzunehmen. Denn Geldwäsche ist der Motor der organisierten Kriminalität.