Mann schaut auf der Arbeit 30 Sekunden Fußball - Gericht bestätigt Abmahnung

Ein Mann schaut Fußball auf einem Laptop (Symbolbild)
Ein Mann schaut Fußball auf einem Laptop (Symbolbild) © imago

Knallhartes Urteil

Hier zählt wirklich jede Sekunde: Ein Mitarbeiter eines Automobilzulieferers war von seinem Chef abgemahnt worden, weil er während der Arbeitszeit eine halbe Minute lang einen Fußball-Livestream geschaut hatte. Der 61-Jährige zog vor Gericht - und kassierte prompt eine Niederlage.

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Laut 'Express' hatte ein Kollege des Klägers während seiner Ruhepause im Februar 2016 den Livestream eines Fußballspiels geöffnet. "Ich wollte kurz gucken, wie es steht", sagte der Logistiker vor Gericht aus. Er habe dann den 61-Jährigen dazugerufen, um "kurz mit ihm zu quatschen."

Als die beiden Männer vor dem Computer saßen und redeten, schauten sie auch auf den Bildschirm. "Unser Chef stand 30 Sekunden bis eine Minute später vor uns und kündigte Konsequenzen an", zitiert die Zeitung den Zeugen weiter. Dann folgte die Abmahnung. Die wollte sich der Mann nicht gefallen lassen und zog vor Gericht.

Die Richterin hatte zunächst eine Einigung vorgeschlagen. Demnach sollte die Abmahnung am 31. Dezember wieder aus der Personalakte des Mannes entfernt werden. Das lehnten jedoch beide Parteien ab.

​Jetzt entschied das Gericht: Arbeitnehmer dürfen während der Arbeitszeit nicht auf dem Computer fernsehen - auch nicht 30 Sekunden lang. Die Abmahnung sei also gerechtfertigt (Aktenzeichen: 20 Ca 7940/16). Der Arbeitnehmer kündigte an, in Berufung zu gehen.

Privates Surfen ist unerwünscht - meistens jedenfalls

Ist also privates Surfen auf der Arbeit absolut verboten? Rechtsanwalt Andreas Kolb rät: "Sie sollten gucken, was steht im Arbeitsvertrag, was ist die Betriebsvereinbarung. Und wenn da drin steht, man darf nicht surfen, wäre ich äußerst vorsichtig."

Zudem sei die Vermischung privater und dienstlicher Zeit nicht nur beim Surfen im Netz ein Problem: "Der Arbeitnehmer wird dafür bezahlt, dass er arbeitet während der Arbeitszeit. Wenn er jetzt Privatsachen macht, dazu zählt surfen, telefonieren ... Handy alles Mögliche. Das geht nicht."
In bestimmten Branchen ist das private Surfen allerdings sogar ausdrücklich erwünscht. Der Chef einer Kommunikations-Agentur fordert von seinen Mitarbeitern die Recherche in sozialen Netzwerken, um stets zu wissen, welche Themen gerade für Zündstoff sorgen.

In vielen Firmen wird es jedoch nicht gerne gesehen, wenn die Mitarbeiter privat online shoppen oder mit ihren Freunden chatten. Vorsicht ist für alle Mitarbeiter geboten, bei deren Arbeitsstelle eine Betriebsvereinbarung ausdrücklich regelt, dass privates Surfen, Mailen oder Telefonieren verboten ist. Dann sollte man die Mittagspause für private Gespräche nutzen – von einem privaten Smartphone aus, sonst droht eine Abmahnung oder Kündigung.

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