Mehr als 60 Tote nach Waldbrand in Portugal: Flammen fressen sich weiter vorwärts

Trümmer und Asche in den betroffenen Gebieten
Trümmer und Asche in den betroffenen Gebieten Nach dem Waldbrand in Portugal 00:01:46
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Behörden befürchten: Zahl der Todesopfer könnte noch steigen

In Portugal kämpfen weiterhin hunderte Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Militärs und des Zivilschutzes gegen den schlimmsten Waldbrand der vergangenen Jahrzehnte. Zehn Bewohner eines kleinen Dorfes namens Aguda konnten heute in Sicherheit gebracht werden. Nach Angaben der Feuerwehr werden die Löscharbeiten momentan durch Trockenheit, Temperaturen von mehr als 30 Grad und starke Winde gestört. Niemand kann abschätzen, wann die Gefahr gebannt ist. Der Waldbrand in Portugal forderte seit Beginn der Aufzeichnungen die meisten Todesopfer.

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Polizei: Blitzschlag war schuld

A man uses a branch with leaves to try to put out flames from a forest fire near Gois, Portugal, June 19, 2017. REUTERS/Rafael Marchante
Der Waldbrand in Portugal forderte, seit Beginn der Aufzeichnungen, die meisten Todesopfer. © REUTERS, RAFAEL MARCHANTE, PH/PAS

Mindestens 62 Menschen sind im Kreis Pedrógão Grande (knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon) gestorben, weitere werden noch vermisst. Über 60 Menschen wurden verletzt. Es gebe einige Dörfer, die "von den Flammen völlig eingekesselt" seien, sagte der Bürgermeister Valdemar Alves. Außerdem konnten viele Gebiete bis jetzt noch nicht erreicht werden, teilte der Staatssekretär, Jorge Gomes, mit. Das Feuer ist derzeit an vier Fronten aktiv. Die Behörden stufen die Lage als "besorgniserregend" ein. Die Polizei ist sich inzwischen immerhin sicher, die Ursache gefunden zu haben. Ein Blitzschlag in einen Baum soll das Feuer ausgelöst haben.

"Das ist eine beispiellose Situation"

Ausgebrannte Nutzfahrzeuge sehen am 19.06.2017 in der Nähe der Ortschaft Moita (circa 160 Kilometer nordöstlich von Lissabon) neben einer Strasse. Neben dem Lastwagen liegt eine Lache geschmolzenen Metalls. Der verheerende Waldbrand mit mehreren Tote
Waldbrände in Portugal © dpa, Peter Kneffel, kne tba

Inzwischen sind nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Lusa rund 2.000 Rettungskräfte mit 620 Fahrzeugen im Einsatz, um das Feuer in den Griff zu bekommen. Außerdem sind zwei Löschflugzeuge im Einsatz, wie der Zivilschutz mitteilte. Mehr werden aus Spanien und Frankreich erwartet. Auch die EU sagte ihre Unterstützung zu. Dennoch haben die Flammen bereits auf die Nachbarkreise Figueiró dos Vinhos, Castanheira de Pera und Gois übergegriffen. Mehrere Familien in den betroffenen Regionen mussten ihre Häuser verlassen. In einigen Gebieten fiel der Strom aus. Feuerwehrfahrzeuge wurden von den Flammen zerstört.

Der Waldbrand soll nach Erkenntnissen der Polizei durch einen Blitzschlag verursacht worden sein. Nicht, wie Bürgermeister Alves zunächst behauptete, durch Brandstiftung. "Alles deutet ganz klar auf natürliche Ursachen hin. Wir haben in Zusammenarbeit mit der Nationalgarde sogar den Baum gefunden, der von einem Blitz getroffen wurde", sagte der Direktor der Kriminalpolizei, José Almeida Rodrigues. Demnach hätte sich über dem betroffenen Gebiet ein Gewitter entladen, ohne dass es dabei regnete.

Insgesamt elf Waldbrände in Portugal am Wochenende

Feuerwehrleute der Republikanische Nationalgarde versuchen am 18.06.2017 in Avelar (Portugal) einen Waldbrand zu löschen. Bei einem verheerenden Waldbrand im Zentrum von Portugal ist die Zahl der Todesopfer auf 39 gestiegen. (zu dpa «Waldbrand in Por
Rund 700 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen, die an vier Fronten lodern. © dpa, Armando Franca, AF fgj

Das Feuer in der dünn besiedelten Region von Pedrógão Grande war am 17. Juni ausgebrochen. Viele Opfer verbrannten bis zur Unkenntlichkeit, auch mehrere Dörfer wurden von den Flammen eingekesselt, Dutzende Häuser zerstört. Ministerpräsident António Costa sagte: "Die Tragödie schockiert uns durch ihre Dimension." Er sprach den Opfern sein tiefes Mitgefühl aus und dankte den unermüdlich gegen das Inferno kämpfenden Feuerwehrleuten. "Sie verdienen unsere allergrößte Hochachtung." Einige betroffene Dörfer konnten wegen der Flammen zunächst nicht erreicht werden, weshalb mit weiteren Opfern gerechnet wurde. Die EU sagte finanzielle Hilfen zu. Die Region Pedrógão Grande gilt unter Naturliebhabern in Portugal als Geheimtipp. 

Das Feuer in Pedrógão Grande war allerdings nicht das einzige, das die Feuerwehr auf Trab hielt. Nach Mitteilung des Zivilschutzes gab es unter anderem auch aufgrund einer Hitzewelle mit Temperaturen von über 35 Grad insgesamt elf Waldbrände, die von mehr als 1.500 Einsatzkräften bekämpft wurden. Der Kreis Pedrógão Grande hat auf 128 Quadratkilometer Fläche lediglich rund 4.000 Einwohner, die sich in erster Linie der Land-, aber auch der Textilwirtschaft widmen. Die nahezu unberührte Natur mit Lagunen und Stauseen zieht seit Jahren immer mehr Wanderer und Wassersportler an.

Polizisten stehen am 18.06.2017 auf der Landstraße zwischen Castanheira de Pera und Figueiro dos Vinhos (Portugal) neben ausgebrannten Autos. Der verheerende Waldbrand mit mehreren Toten in Portugal ist der Polizei zufolge durch Blitzschlag ausgelöst
Polizisten stehen auf der Landstraße zwischen Castanheira de Pera und Figueiro dos Vinhos (Portugal) neben ausgebrannten Autos. © dpa, Armando Franca, AF fgj

Einen ähnlich schlimmen Waldbrand - was die Opferzahl betrifft - hatte es in Portugal zuletzt vor einem halben Jahrhundert gegeben. 1966 starben bei einem siebentägigen Feuer in Sintra in der Nähe von Lissabon 25 Menschen, allesamt Angehörige des Militärs. 


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