Merkel zu G20-Krawallen: "Dafür habe ich genauso die Verantwortung wie Olaf Scholz"

Angela Merkel im ARD-Sommerinterview
16.07.2017: Sommerinterview mit Angela Merkel in Berlin (Foto: Maurizio Gambarini/dpa ) © dpa, Maurizio Gambarini, gam jai

Merkel steht zur Wahl Hamburgs als G20-Gipfelort

Zehn Wochen vor der Bundestagswahl haben sich die beiden Kanzlerkandidaten eine Art medialen Zweikampf geliefert. Martin Schulz stellte im ZDF heute journal seinen "Zukunftsplan" für ein modernes Deutschland vor, Kanzlerin Merkel war im ARD-Sommerinterview zu Gast. Sie konterte nicht nur Schulz, sondern sprach sich auch erneut gegen eine Obergrenze für Flüchtlinge aus. Außerdem ging es um den türkischen Nato-Stützpunkt Konya - und vor allem: Um die G20-Krawalle.

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Merkel stärkt Scholz den Rücken

Auch eine Woche nach den schweren Krawallen, verteidigte Kanzlerin Merkel die umstrittene Entscheidung für Hamburg als Ort des G20-Gipfels. Und sie machte deutlich: Sie steht zu ihrer Verantwortung für Ausschreitungen während des Gipfels. Die CDU-Vorsitzende sagte: "Dafür habe ich genauso die Verantwortung wie Olaf Scholz und drücke mich auch nicht davor". Mit diesen Worten zeigte Merkel ganz klar, dass sie hinter Hamburgs Ersten Bürgermeister steht: "Wir haben das gemeinsam gestaltet", fügte sie hinzu.

Merkel: Rücktrittsforderungen an Scholz sind falsch

Zugleich distanzierte sich die Kanzlerin von ihrer eigenen Partei, die Scholz zum Rücktritt aufgefordert hatte. Merkel betonte, dass sie mit der Hamburger CDU gesprochen und "ganz deutlich gesagt" habe, dass sie die Rücktrittsforderungen für falsch halte. Das gesamte Parteipräsidium und der Bundesvorstand - mit Ausnahme Hamburgs - stünden zu dem Gipfel und unterstützten Scholz.

Die heftig vorgetragenen Anschuldigungen von SPD-Kanzlerkandidat Schulz und Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) ließ Merkel zugleich ins Leere laufen. Die hatten der Kanzlerin und ihrer Partei nämlich vorgeworfen, gegenüber dem Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz nach dem G20-Gipfel ein verlogenes Doppelspiel zu treiben. Merkel wies jedoch darauf hin, dass sie und die Bundesregierung G20-Gastgeber gewesen seien und machte deutlich: "Da sich jetzt hinterher auseinanderdividieren zu lassen, wäre aus meiner Sicht abenteuerlich".

Auch, wenn die Gewalt deutlich zu verurteilen sei, gab Merkel an, mit dem Verlauf des Gipfels sehr zufrieden zu sein. Der Gipfel sei inhaltlich wichtig gewesen, denn es habe an vielen Stellen Sprachlosigkeit gedroht. Nun seien viele Dinge gemeinsam besprochen worden und wo kein gemeinsames Ziel der G20 erreicht worden sei, sei der Dissens ganz offen ausgesprochen worden.

Merkel bedankte sich auch ausdrücklich bei den Sicherheitsbehörden, Bürgermeister Scholz hatte sich bei den Hamburgern bereits für die Ausschreitungen entschuldigt.