Merkels weinende Schülerin: Gibt es Hoffnung für das Flüchtlingsmädchen Reem?

"Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussieht"

Gibt es doch Hoffnung, dass die 13-jährige Reem Sahwil in Deutschland bleiben kann? Nach dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Jugendlichen in Rostock schaltet sich Aydan Özoguz, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, ein. Unterdessen wird das Verhalten von Merkel unter dem Hashtag #merkelstreichelt heftig diskutiert.

- Anzeige -
Merkel tröstet Schülerin Reem
Angela Merkel versucht, Schülerin Reem Sahwil zu trösten. © dpa, NDR

Im Netz es ist derzeit eines der meistgeklickten Videos: Kanzlerin Merkel im Bürgerdialog mit 32 Schülern in Rostock. Die 13-jährige Reem, die aus dem Libanon stammt und seit vier Jahren in Deutschland lebt, erzählt von ihrer Angst, abgeschoben zu werden. "Ich möchte studieren (...) Es ist wirklich sehr unangenehm, zuzusehen wie andere das Leben genießen können und man es selber halt nicht mitgenießen kann", sagt Reem in akzentfreiem Deutsch. Ihre Familie stand bereits kurz vor der Abschiebung, hat nur eine vorrübergehende Aufenthaltsgenehmigung.

Merkel antwortet: "Du bist ja ein unheimlich sympathischer Mensch, aber du weißt auch, in palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon gibt es noch Tausende und Tausende. Und wenn wir jetzt sagen: Ihr könnt alle kommen und Ihr könnt alle aus Afrika kommen (...) Das können wir auch nicht schaffen." Es vergehen noch einige Minuten, dann unterbricht die Kanzlerin sich selbst, denn Reem beginnt zu weinen. "Ach komm", sagt Merkel und geht zu ihr, mit dem Versuch, das Mädchen zu trösten. "Du hast das doch prima gemacht", sagt sie. Darauf schaltet sich der Moderator der Veranstaltung mit der Bemerkung ein, dass es darum nicht gehe. Merkel herrscht ihn an: "Ich weiß, dass das eine belastende Situation ist - aber trotzdem möchte ich sie einmal streicheln".

Unter dem Hashtag #merkelstreichelt wird das Verhalten der Kanzlerin heftig diskutiert, vor allem aber kritisiert: "kalt", "herzlos", "gefühllos", "abgezockt" schreiben viele User in ihren Kommentaren. Andere verteidigen Merkel aber auch: "Was hätte sie denn machen sollen?", "Auch die Bundeskanzlerin kann sich nicht über Gesetze hinwegsetzen". Die Journalistin und frühere taz-Chefredakteurin, Ines Pohl, schrieb dazu: "Merkel hätte sich auch hinter dem Politsprech Einzelfallprüfung verstecken können. Sie war ehrlich - und bestimmt nicht kühl".

Özoguz: "Niemand will gut integrierte Menschen wegschicken"

Jetzt schaltete sich Aydan Özoguz (SPD) in die Debatte ein und machte Reem indirekt Hoffnung. "Jeder Einzelfall ist anders und muss geprüft werden, aber oft genug konnten wir eine Lösung finden", sagte sie 'Spiegel Online'. Die Politikerin sprach sich dafür aus, dass man Betroffenen mit einer ähnlichen Geschichte eine Aussicht geben müsse, in Deutschland bleiben zu können. "Niemand in Deutschland hat ein Interesse daran, lange bei uns lebende Menschen noch wegzuschicken. Genau daran arbeiten wir doch gerade so hart, damit junge und gut integrierte Menschen eine echte Chance bekommen", sagte Özoguz dem Magazin. Dabei warb sie auch um Verständnis für die Kanzlerin: "Ich habe solche Situationen auch schon oft erlebt, in denen ich auf öffentlichen Terminen mit dramatischen persönlichen Schicksalen konfrontiert wurde".

Inzwischen meldete sich auch Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) zu Wort: "Wir werden uns diesen Fall - wie alle anderen auch - noch einmal ganz genau anschauen. Aber eine willkürliche Einzelentscheidung ist nach deutschem Recht nicht möglich".