Mietbelastung: Schon 40 Prozent der Großstädter geben mehr als ein Drittel ihres Geldes für Miete aus

In deutschen Großstädten leiden viele Menschen nach den Ergebnissen einer Studie unter kaum noch bezahlbaren Wohnungen
Etwa vier von zehn Haushalten müssen mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens allein für ihre Miete (bruttokalt!) ausgeben. © dpa, Silas Stein, sis jol fgj

1.3 Millionen rutschen durch hohe Mieten unter Hartz-IV-Regelsatz

"Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat so viel Pinke-Pinke, wer hat so viel Geld?" Diese Fragen aus einem Karnevals-Klassiker stellen sich vermutlich zunehmend Menschen in Deutschlands Großstädten, wenn sie auf ihre Mietabrechnung blicken: Etwa vier von zehn Haushalten müssen mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens allein für ihre Miete (bruttokalt!) ausgeben.

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Hohe Mieten sind eine "kaum noch tragbare Belastung"

Dies geht aus einer Studie der Berliner Humboldt-Universität hervor. Die Autoren bezeichnen das als "kaum noch tragbare Belastung" durch hohe Mieten. Eine solche Mietbelastung gilt unter Experten bereits als problematisch, so die Wissenschaftler.

Insbesondere bei Menschen mit kleineren Einkommen bleibe dann nur noch relativ wenig Geld für die sonstige Lebensführung übrig. Für etwa 1,3 Millionen Großstadt-Haushalte in Deutschland liege das Resteinkommen nach Abzug der Miete sogar unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze.

Die große Nachfrage nach Immobilien treibt die Wohnungsmieten in Deutschland immer höher. Besonders betroffen sind Mieter in Metropolen. So ist beispielsweise in München eine durchschnittliche Kaltmiete von 16,40 Euro pro Quadratmeter fällig.

Mietpreisbremse komplett wirkungslos

ARCHIV - Kräne sind am 27.02.2014 in einem Neubaukomplex für Mehrfamilienhäuser in Berlin zu sehen.    Foto: Daniel Naupold/dpa   (zu dpa "Städtetag: 300 000 neue Wohnungen wegen Flüchtlingszuzug gebraucht" vom 04.09.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Ein Grund für die Misere: In Deutschland wird zu wenig Wohnraum gebaut. © dpa, Daniel Naupold

Ein Grund für die steigenden Mieten und Kaufpreise ist auch ein Mangel an Wohnungen. So wurden im ersten Halbjahr 2017 weniger Wohnungen genehmigt, als in den Jahren zuvor.

Uneins sind Experten und Politik, wie Abhilfe zu schaffen ist. Während die SPD die von der großen Koalition eingeführt Mietpreisbremse mit Transparenzregeln verschärfen will, möchte die FDP sie abschaffen. Nur in einem Punkt besteht Einigkeit: In ihrer jetzigen Form ist die Mietpreisbremse wirkungslos.

Der Deutsche Mieterbund kritisiert, dass die aktuellen Fehlentwicklungen ein immer größeres Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich begünstigten. Während Mieter mit geringen Einkommen zu den Verlierern zählten, "verdienen sich Projektentwickler, die Mietwohnungen sanieren und dann als Eigentum verkaufen, eine goldene Nase", so Präsident Lukas Siebenkotten.