Mit abgetrenntem Kopf gefunden - aus Mannheimer Luisenpark geklauter Pinguin ist tot

Aus Mannheimer Luisenpark geklauter Pinguin ist tot
Aus Mannheimer Luisenpark geklauter Pinguin ist tot Mit abgetrenntem Kopf gefunden 00:00:35
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"Erschüttert über so wenig Achtung im Umgang mit Lebewesen"

Nach tagelanger intensiver Suche gibt es jetzt Gewissheit: Der aus dem Mannheimer Luisenpark geklaute Pinguin 'Nummer 53' ist tot. Ein Passant fand den Kadaver in der Nähe des Parks. "Offenbar hatte sich der Täter an dieser Stelle des Tieres entledigt", sagte ein Polizeisprecher. Einen Bericht der 'Rheinpfalz', nach dem das Tier ohne Kopf gefunden wurde, bestätigte die Polizei zunächst nicht.

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Ein Humboldt-Pinguin schwimmt am 13.10.2008 in seinem Gehege im Luisenpark in Mannheim (Baden-Württemberg). Der Humboldt-Pinguin ist eine von den weltweit insgesamt 17 Pinguinarten. Er gehört zusammen mit Galapagos-, Magellan- und Brillenpinguin der
Ein solcher Humboldt-Pinguin ist aus dem Mannheimer Luisenpark geklaut worden. © dpa, Ronald Wittek, bwe rw_cu_dha

Der rund 50 Zentimeter große Humboldt-Pinguin war seit Samstag vermisst worden. Anhand einer Marke konnte das Tier identifiziert werden. "Einen schlimmeren Ausgang hätte der Vorfall um unseren verschwundenen Pinguin nicht nehmen können", sagte Parkdirektor Joachim Költzsch. "Wir alle, vor allem unsere Tierpfleger, die sich tagtäglich um das Tier gekümmert haben, sind erschüttert. Erschüttert über den Tod, aber auch erschüttert über so wenig Achtung im Umgang mit Lebewesen".

Die Staatsanwaltschaft Mannheim leitete ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt ein. Der Polizei zufolge wird der Pinguin nun von Tierärzten untersucht. Die Behörden hatten ausgeschlossen, dass der fünf Kilogramm schwere Pinguin von einem Wildtier gerissen oder aus dem Gehege entlaufen sein könnte.

Geraubte Papageien in Krefeld, geklaute Affen in Magdeburg, gestohlene Bussarde in Berlin: Tierdiebe nehmen aus deutschen Zoos seit Jahren fast alles mit, was kreucht und fleucht. Nun ist wahrscheinlich der Luisenpark in Mannheim das jüngste Opfer geworden. Ein Tierdiebstahl für einen eigenen Privatzoo - das erscheint durchaus realistisch, auch wenn es für viele wie Filmstoff klingt.

Steckt organisierter Tierhandel dahinter?

Oft stecken reiche Auftraggeber hinter dem illegalen Handel, und die Kanäle führen meist ins Ausland. "Besonders begehrt sind hochbedrohte Arten, vor allem im Vogel- und Reptilienbereich", sagt Geschäftsführer Volker Homes vom Verband der Zoologischen Gärten (VdZ). Das Profil passt - auch der Humboldt-Pinguin gilt als gefährdete Art. Und der Vogel scheint begehrt: Jeweils drei Exemplare wurden 2015 in Dortmund und viele Jahre zuvor in Heidelberg geraubt.

Es gehe oft um organisierte Kriminalität, sagt Homes vom Zoo-Verband. "Über die Täter weiß man nur sehr wenig. Sie zu fassen, ist extrem schwer". Angesichts der Diebstähle könnten sich die Zoos zusammenschließen und etwa Detektive mit der Suche nach den Tieren beauftragen, schlägt der Krefelder Zoo-Direktor Wolfgang Dreßen vor. Es gehe um eine Eigeninitiative parallel zur Polizeiarbeit. "Wir sprechen hier schließlich von einem gut organisierten und europaweiten illegalen Tierhandel", sagt Dreßen. Aus seinem Zoo waren unter anderem zwei seltene Hyazinth-Aras (Papageien) und drei Goldene Löwenäffchen gestohlen worden. Auf dem Schwarzmarkt zahlen Interessenten für ein Äffchen schätzungsweise bis zu 30 000 Euro. 

Deutschlandweit existiert in Tierparks anscheinend nichts, auf das es Diebe nicht abgesehen haben: So verschwanden in Brandenburg drei Känguru-Babys, in Suhl stahlen Einbrecher eine Würgeschlange und in Bremerhaven einen Flamingo. Neben dem finanziellen und emotionalen Verlust sei das Verschwinden eines Tiers auch immer ein Schlag für den Artenschutz, sagt Alexandra Wind vom Luisenpark in Mannheim. Grundsätzlich müssen zwar in Zoos vor allem Menschen vor Tieren geschützt werden. Mit zunehmenden Diebstählen allerdings sehen sich die Parks gezwungen, umgekehrt die Tiere vor Menschen in Sicherheit zu bringen.

Betreiber räumen ein, dass lückenlose Überwachung unmöglich ist. Wachdienste kontrollieren meist nur einen Teil der oft unübersichtlichen Gelände, und Alarmanlagen gelten selten als effektiv. Zudem können viele Tiere nachts nicht eingesperrt werden.


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