Mord im Seniorenheim aus Langeweile und Machtgier - Anklage erhoben

ARCHIV - Ein Schild mit der Aufschrift "Seniorenhaus 'Lambrechter Tal'" steht am 14.01.2017 in Lambrecht (Rheinland-Pfalz) vor dem Altenpflegeheim der Arbeiterwohlfahrt. Nach dem vermutlich gewaltsamen Tod einer Bewohnerin eines Altenpflegeheims plan
Im Prozess kamen immer mehr Details ans Licht. © dpa, Uwe Anspach, ua htf rho

Anklage wegen Mordes und Mordversuchs

Sie sollen aus Langeweile und Machtgier zwei Bewohner eines Altenheims in der Pfalz ermordet haben. Nun ist gegen ehemalige Mitarbeiter der Einrichtung Anklage wegen Mordes und Mordversuchs erhoben worden.

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Ehemalige Mitarbeiter stehen vor Gericht

Eine 26 Jahre alte Frau und zwei Männer im Alter von 24 und 48 Jahren werden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankenthal verdächtigt, im Dezember 2015 in dem Heim in Lambrecht eine 85-Jährige mit einem Kissen erstickt zu haben. Zuvor sollen sie der Frau aus Mordabsicht Insulin verabreicht haben.

Die Männer sollen außerdem im Februar 2016 eine 62 Jahre alte Heimbewohnerin ermordet haben, indem sie ihr Insulin spritzten. Im März 2016 sollen dann alle drei versucht haben, eine 89-jährige Frau mit Insulin und Morphin zu töten.

Den Männern und der Frau werden zudem mehrere Misshandlungen und ein Fall des schweren sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Bewohnerin zur Last gelegt, wie die Staatsanwaltschaft Frankenthal mitteilte.

24-Jähriger gesteht, Patientin mit einem Kissen erstickt zu haben

Den Missbrauch sollen die Angeschuldigten ebenso wie Misshandlungen per Smartphone gefilmt und fotografiert haben. Die Ermittler stützen ihre Vorwürfe unter anderem auf die Auswertung der Handys. Sie prüfen außerdem, ob weitere Todesfälle auf das Konto des Trios gehen.

Während der 24-Jährige die Tötung einer Heiminsassin gestanden hat, bestreiten die beiden anderen die Mordvorwürfe. Die drei sollen in der mutmaßlichen Tatzeit zwischen Juli 2015 und August 2016 außerdem Bargeld und Wertgegenstände von Heimbewohnern gestohlen haben. Alle drei sitzen in Untersuchungshaft.

Dank einer anderen Mitarbeiterin des Hauses waren die Ermittler dem Trio auf die Spur gekommen. Die Frau habe von den Handyaufnahmen erfahren und die Heimleitung eingeschaltet, die sich an die Polizei gewandt habe, hatte der Geschäftsführer des Bezirksverbandes Pfalz der Arbeiterwohlfahrt, Markus Broeckmann, im Januar gesagt. Die Beamten nahmen den Verdächtigen die Handys ab, auf denen sich die Filme befinden sollen. Dass auch ein Mord passiert sein könnte, wurde offenbar beim Auswerten von Handy-Chatverläufen klar.

Mehrere Fälle von Misshandlungen

In allen Fällen würden den Angeschuldigten die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe zur Last gelegt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Sie hätten aus Langeweile gehandelt "und um ihre Macht gegenüber den Bewohnern auszuüben".

Zu den mutmaßlichen Misshandlungen heißt es, die Opfer seien mit Gegenständen beworfen worden oder hätten Medikamente wie zum Beispiel Abführmittel verabreicht bekommen, ohne dass ein Grund vorgelegen habe. Die Misshandlungen und die Diebstähle haben die drei laut Staatsanwaltschaft "grundsätzlich" zugegeben, den sexuellen Missbrauch bestritten alle drei.


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