Mordprozess gegen Paralympics-Star: Kauft sich Oscar Pistorius mit teuren Anwälten frei?

Teuerste Anwälte für den 'Bladerunner'

Südafrika steht vor einem spektakulären Strafprozess: Begleitet von einem ungeheuren Medienrummel beginnt der Mordprozess gegen Paralympics-Star Oscar Pistorius. Der sogenannte 'Bladerunner' soll die teuersten Anwälte engagiert haben, um seine Unschuld zu beweisen. "Wir müssen beobachten, ob das nicht ein weiterer Fall ist, in dem sich ein reicher weißer Mann freikauft", sagt Soziologin Sarah Nuttall. Februar 2013 hatte er seine Freundin Reeva Steenkamp in seinem Haus in Pretoria durch eine verschlossene Badezimmertür erschossen, angeblich weil er sie für einen Einbrecher gehalten hatte.

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In Pretoria hat der Mordprozess gegen Paralympics-Star Oscar Pistorius begonnen.
Im Februar letzten Jahres erschoss Oscar Pistorius seine Freundin Reeva Steenkamp - angeblich hielt er sie für einen Eiinbrecher. © REUTERS, POOL

Das Waffengesetz in Südafrika sei dabei im Vergleich zum deutschen Recht "relativ lax was den Gebrauch von Schusswaffen angeht", berichtet RTL-Reporterin Nicole Macheroux-Denault. So sei es unter Umständen erlaubt, sich mit einer Schusswaffe zu verteidigen, wenn jemand ins eigene Haus eingedrungen ist. Erstmals in der südafrikanischen Geschichte wird ein Mordprozess in großen Teilen live im Fernsehen übertragen. Etwa 300 Journalisten aus aller Welt wollen berichten.

Der Prozess hatte sich erst verzögert, da noch auf einen Übersetzer gewartet wurde. Staatsanwalt Gerrie Nel wird heute die Anklage vortragen. Pistorius wird sich 'schuldig' oder 'nicht schuldig' bekennen müssen. Danach beginnt die Zeugenvernehmung. Der Prozess ist zunächst auf 15 Verhandlungstage angesetzt. Pistorius, der seit Ende Februar auf Kaution frei ist, lebt zurzeit im Haus seines Onkels.

Pistorius "schießwütig und aggressiv"?

Bei dem Indizienprozess wird es in starkem Maße um die Glaubwürdigkeit des Angeklagten gehen. Die jüngste Ausstrahlung eines Videos, das Pistorius an einem Schießstand zeigt, scheint die Staatsanwaltschaft zu bestätigen, die den 27-Jährigen als aggressiv und schießwütig darstellt. Die im britischen Sender Sky News veröffentlichten Aufnahmen zeigen den Sprintstar, wie er mit einer Pistole auf eine Wassermelone schießt. Man hört im Hintergrund Lachen und Scherzen, dann die Stimme eines Mannes, der beim Anblick der explodierten Wassermelone sagt: "Sie ist viel weicher als ein Gehirn." Der Sender berichtet, es sei die Stimme von Pistorius.

Pistorius hatte in der Nacht zum 14. Februar 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp in seiner Wohnung durch eine verschlossene Badezimmertür erschossen. Der 27-Jährige sagt, er habe einen Einbrecher in der Wohnung vermutet. Der Staatsanwalt wirft ihm gezielten Mord an der damals 29-Jährigen vor. Beweisen will das die Anklagebehörde vor allem mit Zeugenaussagen und Indizien, die zeigen sollen, dass es zwischen Pistorius und seiner Freundin einen heftigen Streit gegeben hatte. Der Athlet sagte, er habe den Vorabend zum Valentinstag mit Reeva Steenkamp harmonisch und liebevoll verbracht.