Moskau: Dutzende Tote bei Brand in Psychiatrie

29 Opfer verbrennen bei lebendigem Leibe

Bei einem Feuer in einer psychiatrischen Klinik in der Nähe von Moskau sind nach Angaben des Zivilschutzministeriums mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen. Eine Krankenschwester und zwei Patienten hätten sich aus dem Holzgebäude retten können, teilte die Behörde mit. Mindestens 29 Opfer verbannten bei lebendigem Leibe. Als Ursache vermuten die Ermittler einen Kurzschluss oder sorglosen Umgang mit offenem Feuer. Brandstiftung sei unwahrscheinlich. Kremlchef Wladimir Putin forderte eine lückenlose Aufklärung.

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Das Klinikgebäude nahe Moskau ist fast vollständig abgebrannt. © REUTERS, TATYANA MAKEYEVA

Die Patienten wurden im Schlaf überrascht. Das Feuer sei in dem Gebäude im Dorf Ramenski 120 Kilometer von Moskau ausgebrochen, in dem neue Patienten untergebracht seien, sagte Irina Gumennaja von der Ermittlungsbehörde. Der Brand sei in einem Aufenthaltsraum ausgebrochen, wo vermutlich ein Sofa Feuer gefangen habe. Möglicherweise habe dort ein neuer Patient eine Zigarette geraucht. Die Agentur Interfax meldete unter Berufung auf medizinische Kreise, die Patienten in der Psychiatrischen Klinik Nr. 14 hätten unter dem Einfluss starker Medikamente gestanden. "Deshalb konnten sie nicht schnell auf das Feuer reagieren", sagte ein Mitarbeiter.

Die Fenster seien teilweise vergittert gewesen, um die Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen, sagte der stellvertretende Gouverneur der Region, Andrej Worobjow. Nun müsse geprüft werden, ob die Fluchtwege für Notfälle dadurch beeinträchtigt gewesen seien. In der Psychiatrie würden geistig behinderte Menschen, aber auch Alkoholiker und Drogenabhängige behandelt, sagte er. Der amtierende Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow, wollte am Ort persönlich den Rettungseinsatz überwachen.

Putin habe die Behörden angewiesen, die drei Überlebenden sowie die Angehörigen der Opfer zu unterstützen, sagte ein Sprecher. Die Hinterbliebenen sollen jeweils 500.000 Rubel (rund 12.500 Euro) Schmerzensgeld erhalten.

Rettungskräfte mussten Umweg fahren und hatten offenbar nicht genug Löschwasser

Eine Krankenschwester habe nachts den Feueralarm gehört und dann den Brand bemerkt, sagte Juri Deschewych vom örtlichen Zivilschutz. Sie habe noch versucht, die Flammen mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen. Insgesamt seien nachts drei Mitarbeiter in dem Gebäude, sagte Klinikchef Schachow. Weil eine Fähre nachts nicht in Betrieb ist, musste die Feuerwehr einen Umweg fahren und traf erst nach gut einer Stunde am Brandort ein. Normalerweise benötigen die Helfer für die rund 50 Kilometer lange Strecke etwa 20 Minuten. Das Internetportal lifenews.ru berichtete, dass die ersten beiden Feuerzüge kein Löschwasser gehabt hätten.

"Ersten Ermittlungen zufolge starben die meisten Opfer an einer Rauchvergiftung", sagte Gumennaja. Unter den Toten waren 36 Patienten und zwei Krankenschwestern. Das ausgebrannte Gebäude sei eines von insgesamt vier in der psychiatrischen Klinik Nr. 14 und habe Platz für 50 Betten geboten, teilte die Krankenhausleitung mit. Insgesamt sind etwa 200 Menschen in der Klinik untergebracht.

Rettungskräfte fanden unterdessen die Leichen der mindestens 38 Opfer. Das Feuer sei ausgebrochen, als Patienten und Personal schliefen, zitierte die Agentur Itar-Tass einen Mitarbeiter der Rettungskräfte. "Einige versuchten noch, zu entkommen, aber sie wurden von Rauchgasen vergiftet, und das Gebäude brannte fast vollständig nieder."

Bei einer Überprüfung im August 2012 seien keine Fehler bemerkt worden, sagte Zivilschutzmann Deschewych. "Alles entsprach den Vorschriften." Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften sind eine der häufigsten Ursachen für verheerende Brände in Russland.


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