Mysteriöser Pflanzenfresser: Flusspferd jagt und frisst Gnubaby

Hat das Flusspferd vergessen, dass es Pflanzenfresser ist?

Diese Bilder erstaunten selbst den Fotografen: Ein Flusspferd jagt zwei Gnu-Babys, tötet sie und frisst etwas von ihrem Fleisch. Dabei sind die Tiere eigentlich als Pflanzenfresser bekannt. Was steckt dahinter?

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Hat dieses Flusspferd vergessen, dass es eigentlich ein Pflanzenfresser ist? Der Fotograf Uwe Skrzypczak hat am Olare Orok Fluss in Kenia einen Hippo-Bullen dabei fotografiert, wie er Jagd auf zwei Gnu-Babys macht, sie tötet und anschließend von ihnen frisst. Ein Verhalten, das selbst den Fotografen erstaunt hat: Er veröffentlichte die Bilder unter dem Titel 'Niemals vorher beobachtet?!'

Die Aufnahmen zeigen, wie das Gnu-Baby versucht, hinter seiner Mutter einen Hang hinaufzulaufen, dabei aber scheitert und ins Wasser rutscht. Der hoffnungslose Todeskampf beginnt: Zunächst hält das verwaiste Gnu den Bullen für einen Mutterersatz, doch kurz nach dem Beschnüffeln verschwindet es im Maul des Angreifers. Der Bulle schwimmt mit dem toten Kalb an Land und schnappt sich dort den nächsten ahnungslosen Eindringling. Auch das zweite Gnu-Kalb hat keine Chance.

Tatsächlich sind die schwerfälligen Tiere mit ihrem fassähnlichen Körper, den kurzen Beinchen und ihrem wuchtigen Kopf nicht gerade die Prototypen eines agilen Jägers und dösen am liebsten im Wasser. Die tonnenschweren Flusspferde können allerdings erstaunlich flott sein und aggressiv auftreten, wenn sie etwa ihr Revier oder ihre Jungtiere verteidigen. Mit ihren großen Eckzähnen können sie sogar Krokodilen gefährlich werden, die sich aus gutem Grund von den Kolossen fern halten.

Das Flusspferd tötet das Gnubaby
Das Flusspferd kann sein Maul fast 180 Grad weit aufreißen - das Gnubaby hat keine Chance. © ©Uwe Skrzypczak www.serengeti-wildlife.com

Warum aber der Angriff auf die Gnus? "Das Verhalten von Flusspferden Fleisch zu fressen, wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet, kann Sinn ergeben bzw. nützen", erklärt Dr. Sylvia Ortmann vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin auf Anfrage von RTL NEXT. "Diese Art von Nahrung ist sehr proteinhaltig. Andere sogenannte Pflanzenfresser wie etwa mehrere Primatenarten wurden ebenfalls schon bei der Jagd und beim Fressen von Tieren oder beim Verzehr anderer proteinhaltiger Nahrung wie Eiern beobachtet. Kühe können auch Fleisch fressen."

Flusspferde wurden bereits mehrfach beim Aasfressen beobachtet. Verdauen können die Tiere das Fleisch ohne Probleme, so Ortmann. Tatsächlich sind die Wale die nächsten lebenden Verwandten der Flusspferde - und die ernähren sich ja bekanntlich überwiegend von tierischer Kost.

Auch wenn Flusspferde sonst nicht aktiv jagen, war die Situation mit den planschenden Gnus für den Bullen wie das Märchen vom Schlaraffenland, wo einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen: Offenbar bot sich bei den wehrlosen Gnu-Babies eine einfach Gelegenheit für einen schnellen Snack. Das Bulle nutzte schlicht die Situation aus - das Verhalten bleibt ungewöhnlich: "Wenn im vorliegenden Fall das Flusspferd tatsächlich das Gnukalb gejagt und Teile des Kalbs gefressen hat, könnte dies bedeuten, dass zumindest dieses eine Flusspferd Gnukälber als Beute betrachtet und jagt. Dies wäre außergewöhlich und wurde bestimmt erst sehr selten beobachtet", so Dr. Oliver Höner, der im selben Institut wie Dr. Ortmann arbeitet.

Die beeindruckenden Bilder sehen Sie im Video.


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