Nach rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville: Twitter-User stellen Neonazis bloß

USA: Auto rast in Protestzug
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Twitter-Nutzer enthüllen die Identitäten der rechtsextremen Demonstranten

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen am Rande einer Kundgebung von verschiedenen rassistischen Gruppen in Charlottesville (US-Bundesstaat Virginia) beginnen Twitter-Nutzer die Identitäten der ultra-rechtsextremen Demonstranten zu enthüllen. Trumps Helfer dagegen bemühen sich um Schadensbegrenzung. Der US-Präsident reagierte für viele zu spät und nicht deutlich genug.

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Identitäten Rechtsextremer auf Twitter veröffentlicht

Der Twitter-Nutzer '@YesYoureRacist' deckt die Identiäten der rechtsextremen Personen auf, die an den Demonstrationen teilgenommen haben. Unter dem Hashtag #GoodNightAltRight werden die Personen an den Pranger gestellt. Einer der auf Twitter enthüllten Ultra-Rechtsextremen verlor seinen Job, weil sein Arbeitgeber (ein Hot-Dog-Restaurant) ihm kündigte. 

Merkel kritisiert rechte Gewalt von Charlottesville scharf

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit scharfen Worten auf die rechte Gewalt in der US-Stadt Charlottesville reagiert. "Das ist schrecklich, das ist böse", sagte Merkel in einem Interview mit den Sendern 'Phoenix' und 'Deutschlandfunk'. "Das ist rassistische, rechtsextreme Gewalt." Dagegen müsse man mit aller Kraft vorgehen, "egal, wo auf der Welt das passiert".  Auf das Verhalten von Präsident Trump ging Merkel allerdings nicht näher ein. Den Opfern der Ausschreitungen sprach Merkel ihr Mitgefühl aus. Die Kanzlerin bedauere den Tod der jungen Frau sehr, so Regierungssprecher Steffen Seibert. "Ihre Gedanken sind bei den Angehörigen und Freunden dieser Frau - und sie sind auch bei den Verletzten, von denen wir hoffen, dass sie alle vollkommen genesen werden."

Trump verurteilte die "ungeheuerliche Gewalt, von vielen Seiten". Es gebe in Amerika "keinen Platz" für solche Gewaltausbrüche, sagte er an seinem Urlaubsort. Die Rechtsextremisten kritisierte er aber nicht direkt, sondern sprach von "Gewalt von vielen Seiten". Außerdem gab er sein Statement erst 36 Stunden nach dem Vorfall ab. Die Reaktion des Präsidenten wurde von vielen als zu lasch aufgefasst. US-Medien kritisierten außerdem, dass er sich viel zu spät via Twitter zu den Vorfällen in Charlottesville äußerte.

Um die Kritiker des US-Präsidenten zu beruhigen, bemühen sich die Mitarbeiter des Präsidenten nun um Schadensbegrenzung. So äußerte sich US-Vizepräsident Mike Pence während seines Kolumbienbesuchs über weiße Nationalisten, Neonazis und Ku-Klux-Klan Mitglieder. "Diese gefährlichen Randgruppen haben keinen Platz im öffentlichen Leben in Amerika." Im selben Zug verteidigte Pence seinen Chef und sagte, dieser habe "deutlich und unzweifelhaft" den Hass verurteilt. Das Land habe keine Toleranz für den Hass und die Gewalt, die von diesen Gruppen ausgehe.

Kundgebung ultrarechter Gruppen

Am 12. August war es am Rande einer Kundgebung von hunderten Mitgliedern verschiedener rassistischer Gruppen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen. 15 Menschen wurden verletzt. Danach fuhr ein mutmaßlicher Rechtsextremist mit einem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten und rammte zwei Fahrzeuge. Eine 32-jährige Frau starb, weitere 19 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Zwei Polizisten kamen außerdem bei der Beobachtung der Ausschreitungen aus der Luft ums Leben: Ihr Hubschrauber stürzte bei Charlottesville ab. 

Der 20-jährige Autofahrer wurde wenig später festgenommen und soll nun erstmals vor einem Gericht erscheinen. Ihm werden Totschlag, mehrfache Körperverletzung und Fahrerflucht vorgeworfen. Weitere Anklagepunkte könnten hinzukommen. Inzwischen verdichten sich anscheinend die Hinweise darauf, dass der junge Mann aus dem US-Staat Ohio ein Neonazi-Sympathisant war. So schilderte ein ehemaliger Lehrer nach Angaben der 'Washington Post', dass der mutmaßliche Täter spätestens seit dessen High-School-Zeit von Nazi-Sichtweisen und Adolf Hitler fasziniert gewesen sei. 

Ausnahmezustand ausgerufen

Die Behörden riefen den Ausnahmezustand aus. Eine solche Maßnahme erleichtert es, zusätzliche Sicherheitskräfte heranzuziehen, wenn dies für nötig gehalten wird. Anlass für die Kundgebung unter dem Motto "Vereinigt die Rechte" war ein Stadtratsbeschluss, eine Statue des Konföderierten-Generals Robert E. Lee aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) zu entfernen. Erwartet wurden bis zu 6.000 Teilnehmer aus verschiedenen Spektren der Ultrarechten.