Nach Terroranschlägen in Paris: Zweites deutsches Todesopfer wurde bestätigt

Zweites deutsches Opfer in Paris!
Zweites deutsches Opfer in Paris! Tiefe Trauer & bewegende Schicksale 00:01:44
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Valls: Terroranschläge von Syrien aus "organisiert´"

Frankreich hat vor neuen, womöglich unmittelbar bevorstehenden Terrorakten des Islamischen Staats in Europa gewarnt. Die Terrormiliz bereitet nach den Worten von Premierminister Manuel Valls weitere Anschläge vor. Er könne Attentate in den kommenden Tagen oder Wochen nicht ausschließen, sagte Valls am Montagmorgen dem französischen Sender RTL. Die Attentate in Paris seien von Syrien aus "organisiert" und "geplant" worden. Der französische Präsident Hollande teilte mit, dass es Opfer aus 19 Ländern gäbe. Unter den 129 Todesopfern ist auch ein zweites aus Deutschland, wie erst jetzt bekannt wurde.

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Nach Terroranschlägen in Paris: Zweites deutsches Todesopfer wurde bestätigt
Abdeslam Salah ist ein Bruder eines der Selbstmordattentäter aus dem Pariser Konzertsaal 'Bataclan'. © dpa/ splashnews

Zuvor ging der belgischen Polizei bei Razzien im Brüssler Stadtteil Molenbeek ein weiterer Verdächtiger ins Netz. Über die Identität der Person gab es widersprüchliche Berichte. Spezialkräfte hatten ein Haus belagert. Ziel des Einsatzes war es laut Staatsanwaltschaft, Salah Abdeslam zu fassen. Der 26-Jährige war in Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris zur Fahndung ausgeschrieben. Er ist der Bruder eines Selbstmordattentäters aus dem Musikclub 'Bataclan'.Die Staatsanwalrtschaft teilte jedoch mit, dass der mutmaßliche Terrorist von Paris nicht verhaftet worden sei. Dafür wurde gegen zwei bereits verhaftete Männer Haftbefehl erlassen. Sie saßen mit Abdelsalem in einem Auto, dass die französische Polizei kurz nach den Anschlägen kontrolliert hatte. Sie ließen den Wagen jedoch weiterfahren.

Auch die Italienische Polizei fahndet nach einem Terrorverdächtigen. Die Ermittler suchen nach einem 32-jährigen Franzosen, der in einem schwarzen Seat unterwegs ist. Auch er soll in Verbindung mit den Anschlägen von Paris stehen. Im Großraum Turin wurden alle Einheiten alarmiert. Der Wagen war wohl bei Ventimiglia über die Grenze nach Italien gekommen.

Mohamed Abdeslam, ein weiterer Bruder der Terrorverdächtigen, wurde von der Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt. Der zuvor Verhaftete werde nicht länger verdächtigt an den Anschlägen beteiligt zu sein, teilte seine Anwältin mit. Ihr Mandant habe ein Alibi für den Tatabend.

Der Drahtzieher soll nach Medienberichten der belgische Dschihadist Abdelhamid Abaaoud sein. Der meistgesuchte Islamist Belgiens soll nach Medienberichten mindestens einen, wenn nicht zwei der Selbstmordattentäter gut gekannt haben. Abaaoud soll sich zuletzt in Syrien aufgehalten haben. Bei der minutiös geplanten Terrorserie am Freitagabend waren mindestens 129 Menschen getötet und über 350 verletzt wurden. Befürchtet wird, dass eine ganze Gruppe Terroristen abgetaucht sein könnte.

Einer der Selbstmordattentäter aus dem Rockclub 'Bataclan' stand schon einmal wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung unter Verdacht. Gegen Amy Amimour wurde wegen einer versuchten Reise in den Jemen 2012 ermittelt, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft am Montag mit. Insgesamt sind damit nun fünf Terroristen identifiziert. Valls sagte bei RTL: "Wir wissen, dass Operationen vorbereitet wurden und noch vorbereitet werden, nicht nur gegen Frankreich, sondern auch gegen andere europäische Länder." Er bekräftigte, Frankreich wolle den IS zerstören.

Frankreich holt zum Gegenschlag aus

Die französische Luftwaffe hatte die Terrormiliz am Sonntag in deren syrischer Hochburg Al-Rakka massiv angegriffen. Dabei zerstörte sie eine Kommandostelle mit Waffen-und Munitionslager sowie ein Ausbildungslager. Frankreichs Luftwaffe fliegt bereits seit September 2014 als Teil einer US-geführten Koalition Angriffe gegen IS-Stellungen im Irak. Seit diesem September bombardierte Frankreich mehrfach auch Positionen in Syrien. Die Terroranschläge könnten eine Reaktion des IS gewesen sein.

In einem landesweiten Anti-Terror-Einsatz durchsuchte die französische Polizei über 168 Häuser. Dabei nahmen die Ermittler 23 Personen fest und sicherten 31 Waffen, darunter auch vier Kriegswaffen. Bei einer Razzia in Lyon fand die Polizei unter anderem einen Raketenwerfer. Bei dem Einsatz dort in der Nacht auf Montag wurden fünf Personen festgenommen. Diese und andere Präventivmaßnahmen sollen aber nicht in direktem Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Paris stehen. Auf Grundlage des Ausnahmezustands wurden 104 Menschen unter Hausarrest gestellt. "Wer sich an der Republik vergreift, den wird die Republik einholen." Innenminister Bernard Cazeneuve. In Frankreich sollen Moscheen und radikale Vereinigungen geschlossen werden, in denen "gegen die Werte der Republik verstoßen" wird. Valls sagte: "Wir handeln an allen Fronten mit der größten Entschlossenheit."

In einer bislang nicht verifizierten Erklärung hatte sich allem Anschein nach der IS zu den Anschlägen in Paris bekannt. Drei Terrorkommandos hatten nahezu gleichzeitig zugeschlagen: Sie schossen wahllos auf Menschen in Restaurants und im Konzertsaal 'Bataclan' oder sprengten sich während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland in der Nähe des Stade de France in die Luft. Unter den Toten der Terrorserie ist mindestens ein Deutscher. Die Terroristen wollten auch ein Blutbad vor laufenden Kameras während des Länderspiels anrichten. Im Stadion saßen fast 80.000 Zuschauer, darunter auch Hunderte Deutsche.

Bei den Anschlägen starben sieben Attentäter - doch befürchtet wird, dass gleich mehrere Komplizen abgetaucht sein könnten. Besonders im Fokus stehen dabei drei Brüder, von denen einer zu den Selbstmordattentätern im 'Bataclan' gehörte, ein zweiter am Samstag in Belgien festgenommen wurde und ein dritter am Sonntag zur internationalen Fahndung ausgeschrieben wurde. Letzterer könnte Medienberichten zufolge schon längst hinter Gittern sitzen: Demnach stoppten Polizisten den 26-Jährigen Abdeslam Salah und zwei weitere Personen nur Stunden nach den Pariser Anschlägen nahe der belgischen Grenze in einem Auto, ließen sie aber schließlich weiterfahren. Zuvor waren die Grenzkontrollen verschärft worden.

Die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen dem internationalen Terrorismus den Geldhahn zudrehen und die Bewegungsfreiheit von Extremisten einschränken. Im Entwurf der Abschlusserklärung des G20-Gipfels in Belek bei Antalya heißt es, die Zusammenarbeit zur Austrocknung der Finanzkanäle von Terroristen solle ausgebaut werden. Um den wachsenden Strom von Extremisten einzudämmen, die nach Ausbildung und Kampf in Bürgerkriegsländern in ihre Heimat zurückkehren, sollen die Grenzen besser überwacht werden.