Nach tödlichen Schüssen auf Hunde in Rüsselsheim: Tierfreunde demonstrieren gegen Polizei

Demonstration nach tödlichen Schüssen auf Hunde in Rüsselsheim.
Die Empörung um die tödlichen Schüsse von Polizisten auf zwei Hunde in Rüsselsheim hält weiter an. © dpa, Boris Roessler

"Hunde sind keine Monster, sondern Haustiere"

Shitstorm, Mahnwache und auch noch eine Demonstration: Die Empörung um die tödlichen Schüsse von Polizisten auf zwei American Staffordshire Terrier in der Rüsselsheimer Innenstadt hält weiter an. Jetzt gingen Tierfreunde gegen die Beamten auf die Straße.

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Die Polizei sprach am Sonntag von rund 350 bis 400 Demonstranten. Die Initiatoren hatten auf bis zu 5.000 Teilnehmer gehofft. Das Mitführen von Hunden bei dem Protestzug war untersagt worden. Auf Plakaten standen Parolen wie: "Stop killing dogs!" sowie "Hunde sind keine Monster, sondern Haustiere". Der Protest sei ruhig verlaufen, sagte ein Sprecher der Polizei.

Die beiden Hunde hatten am Dienstag in Rüsselsheim zwei Männer angegriffen und verletzt. Laut Polizei war es nicht möglich gewesen, die beiden in der Stadt herumlaufenden Hunde einzufangen. Sie wurden erschossen. Wütende Kritiker des Einsatzes hatten im Internet einen Shitstorm gegen die Polizei ausgelöst, diese als "schießwütig" bezeichnet. Gegen die Beamten gingen Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft ein.

Tierschutzverband fordert Aufklärung

Gegner des Polizeieinsatzes trafen sich bereits am Freitag am Tatort am Eingang der Fußgängerzone. Menschen hatten Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt. "Würdet ihr auch ein spielendes Kind erschießen?", stand auf einem Plakat. Ein anderes bezeichnete die Polizisten als Mörder. Nach Drohungen per Email und im Internet gegen die Beamten ermittelt mittlerweile die Polizei. Es gebe eine Grenze, an der freie Meinungsäußerung ende und strafbare Tatbestände ihren Anfang nähmen: "Dem gehen wir natürlich nach." Auch das Internet sei kein rechtsfreier Raum.

Der hessische Tierschutzverband fordert eine umfangreiche Aufklärung. In einem offenen Brief an die Polizei und die Stadt Rüsselsheim fragt die Organisation unter anderem, ob die Verhältnismäßigkeit ausreichend geprüft wurde und ob die beteiligten Beamten für einen solchen Einsatz ausgebildet waren. Der Landestierschutzverband zeigte sich aber zugleich erschrocken von dem Hass im Internet. "Wir distanzieren uns ausdrücklich von Personen und Gruppierungen, die beleidigen, diffamieren und zu Straftaten aufrufen", heißt es in dem offenen Brief.