Nadja starb bei Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt: David (6) vermisst seine Mama jeden Tag

Petr Cizmar verlor seine Frau bei dem Anschlag in Berlin
Petr Cizmar verlor seine Frau bei dem Anschlag in Berlin "Ich geh nur kurz auf den Weihnachtsmarkt" 00:01:14
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Für Petr Cizmar ist heute alles anders

Sechs Monate ist es her, seit der Attentäter Anis Amri einen Lkw kaperte und damit in einen Berliner Weihnachtsmarkt raste. Zwölf Menschen starben, rund 70 wurden verletzt. Die Stadt ist längst wieder zur Normalität zurückgekehrt. Doch für die Terroropfer und deren Angehörige ist nichts mehr so, wie es vorher war. Für sie sind die Folgen des Anschlags noch jeden Tag spürbar.

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Sechsjähriger Sohn vermisst seine Mutter jeden Tag

Für Petr Cizmar hat der Anschlag auf dem Breitscheidplatz alles verändert. Ein Anruf am 19. Dezember war das letzte, was er von seiner Frau Nadja hörte. Sie wollte nur noch mal schnell über den Weihnachtsmarkt gehen. Doch sie kam nie wieder nach Hause.

Auch für seinen Sohn David ist der Tod der Mutter nur schwer zu verkraften. Der Sechsjährige leidet heute mehr darunter, als unmittelbar nach dem Anschlag. Er vermisst seine Mutter jeden Tag und hat schreckliche Angst, seinen Vater auch zu verlieren. "Er kontrolliert, ob ich noch lebe. Was passiert, wenn uns die Kriminellen angreifen? Er will sie dann mit Gegenständen bewerfen", erzählt Petr Cizmar. Im Video sehen Sie, wie sich das Leben für die Familie nach dem Anschlag verändert hat.

Seelischen Wunden schmerzen noch lange

Gedenkstelle am Breitscheidplatz
An der Gedenkstelle am Breitscheidplatz in Berlin haben zahlreiche Menschen Kerzen für die Opfer des Anschlags aufgestellt. © dpa, Sophia Kembowski, kes kno fux

Die meisten der damals Verletzten konnten inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Zwölf Menschen sind aber noch immer in Behandlung, sagte Kurt Beck. Der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz wurde als zentraler Ansprechpartner für Opfer und Angehörige ernannt. Diese Zahl ändere sich aber ständig, denn viele, die bereits zuhause waren, müssen sich später erneut stationär behandeln lassen. Die seelischen Wunden wirken noch lange nach.

Behörden waren auf so etwas nicht vorbereitet

Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin
Am 19. Dezember war der Attentäter Anis Amri mit einem gestohlenen Lkw in einen Weihnachtsmarkt gerast. © dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj fpt fux

Es ist vor allem der Ärger mit den Behörden, der den Opfern und Hinterbliebenen zu schaffen macht. Formulare ausfüllen, Verträge kündigen, Rechnungen bezahlen - Bürokratie hat wenig Verständnis für die Opfer von Terror. Wo Raum für Trauer sein sollte, fühlen sich die Angehörigen der Anschlagsopfer zusätzlich gestraft und unter Druck gesetzt. Auch Petr Cizmar, versteht nicht, warum es nach dem Anschlag so viel Chaos gab.

Die Behörden seien auf ein solches Ereignis strukturell nicht vorbereitet gewesen, meint Roland Weber, Opferbeauftragter für Berlin. Alle Informationen hätten von verschiedenen Stellen mühsam zusammengetragen werden müssen. Besser wäre es, wenn in Zukunft eine zentrale Anlaufstelle auf Landesebene für alle Art von Krisenfällen eingerichtet würde. Betroffene und Angehörige könnten so schneller erreicht werden und gezielte Hilfe erhalten, erklärte Weber.

Petr und sein Sohn David ziehen demnächst in eine neue Stadt, um dort noch einmal von vorne anzufangen. Nadja wird ihnen trotzdem fehlen. Das merkt Petr bei allen möglichen Kleinigkeiten im Alltag. Zum Beispiel beim Kleiderkauf für das Kind: "Gar nicht so einfach für einen Mann, weil ich nicht weiß, welche Farben zusammenpassen", meint der Mann, den der Weihnachtsmarkt-Attentäter zum Alleinerziehenden Vater gemacht hat.


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