Neue Giftspritze bei US-Hinrichtung: Todeskandidat erstickt qualvoll

"Panischer Todeskampf"

Im US-Bundesstaat Ohio ist ein verurteilter Mörder mit einer neuen Giftkombination hingerichtet worden. Anwesende Journalisten berichten von einem minutenlangen Todeskampf: Der 53-Jährige soll qualvoll erstickt sein. Der Hersteller des bisher verwendeten Giftes weigerte sich, es weiterhin für Hinrichtungen zu liefern.

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Neue Giftspritze bei US-Hinrichtung: Todeskandidat erstickt qualvoll
Im US-Bundesstaat Ohio kämpft ein Mann nach dem Einsatz einer neuen Giftspritze 24 Minuten mit dem Tod. © dpa, Paul Buck

Es ist 10:53 Uhr Ortszeit als das Gefängnis in Lucasville im US-Bundesstaat Ohio Dennis McGuire für tot erklärt - Der Giftcocktail war ihm bereits um 10:29 Uhr gespritzt worden. Mindestens zehn Minuten soll der Todeskandidat nach Luft geschnappt und Würgegeräusche gemacht haben. Das berichten anwesende Journalisten. "Seine Kinder und seine Schwiegertochter weinten und waren sichtlich bestürzt", twitterte die Journalistin Sheila Gray. Die Angehörigen hatten die Hinrichtung in einem Nachbarzimmer verfolgt.

Die Verteidiger des verurteilten Mörders hatten zuvor vergeblich versucht, die Verwendung der neuartigen Giftkombination zu verhindern. Ihrer Ansicht nach löse sie einen "panischen Todeskampf" aus und verstoße gegen die Verfassung. Der Staatsanwalt hatte dagegen argumentiert, es gebe kein Recht auf einen schmerzfreien Tod. Wie die 'Washington Post' berichtet, verwendete das Gefängnis eine Mischung aus dem Beruhigungsmittel Midazolam und dem Schmerzmittel Hydromorphon. Dieser Mix sei in den USA zuvor noch nie einem Menschen verabreicht worden.

Auch Tiere mit dem Betäubungsmittel eingeschläfert

Schon im Vorfeld der Hinrichtung wurde der Einsatz des neuen Gift-Cocktails heftig kritisiert: Wie die beiden Medikamente in Kombination wirken, sei zuvor noch nie bei einem Menschen getestet worden. "McGuire wird nicht friedlich einschlafen, sondern vermutlich wieder aufwachen und ein erschreckendes Gefühl empfinden, nicht mehr atmen zu können", so David Waisel von der Harvard Universität in einem Gutachten, das er für die Verteidigung erstellt hatte.

Hintergrund der Entscheidung des Staates für die neue Methode ist ein Mangel des bisher verwendeten Pentobarbital für die tödlichen Injektionen. Mit dem Betäubungsmittel werden auch Tiere eingeschläfert. Es kommt in mehreren US-Bundesstaaten, die die Todesstrafe vollstrecken, zum Einsatz. Früher sei das Mittel meist aus Europa gekommen. Dort ist der Export aber wegen des Widerstandes gegen die Todesstrafe verboten worden. Ende September war einigen US-Bundesstaaten das Betäubungsmittel ausgegangen.

Dennis McGuire war 1989 wegen Mordes und Vergewaltigung an einer 22-jährigen schwangeren Frau zum Tode durch die Giftspritze verurteilt worden. An seiner Schuld gab es während des Prozesses keinen Zweifel. Seine Anwälte hatten jedoch immer wieder Einspruch eingelegt und versucht, den Vollzug der Todesstrafe zu verhindern. Zuletzt hatten sie den Einsatz des neuen Medikamenten-Cocktails kritisiert.

Vor dem Gebäude, in dem die Hinrichtung ausgeführt wurde, hatten sich einige wenige Gegner der Todesstrafe zum Protest versammelt. Ohio führte 1999 die Todesstrafe wieder ein und hat sie seither regelmäßig vollstreckt.