Norwegen: Gedenken an die Opfer

Ein Volk trauert um seine Toten

Im norwegischen Parlament hat eine Gedenkstunde der Opfer der Terroranschläge in Oslo und auf der Insel Utøya stattgefunden. An der Feierstunde nahmen Überlebende, Angehörige von Opfern sowie Norwegens Regierung und König Harald zusammen mit Kronprinz Haakon teil.

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Norwegen - Ein Volk trauert um seine Toten.
Norwegens Ministerpräsident Stoltenberg bedankt sich bei der Königsfamilie und bei allen Helfern der Polizei und Rettungsdiensten und auch allen freiwilligen Helfern. © REUTERS, SCANPIX NORWAY

Parlamentspräsident Dag Terje Andersen bedankte sich bei dem norwegischen Volk für "Zusammenhalt und Solidarität mit den Betroffenen." Es sei "ein Privileg ein Volk zu führen, das das Richtige tut." Er betonte die Haltung der jungen Überlebenden zu übernehmen: "Terror muss nicht zu Hass führen sondern zu Liebe. Nicht zu Angst sondern zu Engagement." Denkt an die Worte eines jungen Mädchens: "Wenn ein Mann so viel Hass schaffen kann, stellt euch vor, wie viel Liebe wir zusammen schaffen können."

Ministerpräsident Jens Stoltenberg bedankte sich bei der Königsfamilie und bei allen Helfern der Polizei und Rettungsdiensten und auch allen freiwilligen Helfern. “All jenen, die resolut gehandelt haben am Strand bei Utøya.“ Auch auf die Kondolenzen aus aller Welt kam er zu sprechen: “Als Nation haben wir gefühlt, dass wir nicht alleine sind. Das gibt Stärke.“ Der wärmste Dank geht an das norwegische Volk.“

Stoltenberg sagte bei der Trauerfeier, die norwegische Bevölkerung habe auf die Terroranschläge "verantwortungsvoll und mit Würde reagiert und sich für die Demokratie entschieden". Der sozialdemokratische Regierungschef erklärte weiter: "Es darf nun keine Hexenjagd auf die Meinungsfreiheit geben". Norwegen will am 21. August mit einer großen nationalen Trauerfeier der 77 Toten bei den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya gedenken.

Polizei sammelt Zeugenaussagen

Die Polizei teilte mit, dass sie seit den Anschlägen mehr als 200 Zeugen vernommen habe. Sie will bei den Ermittlungen unter anderem sämtliche Handys aller Augenzeugen des Massakers auf Utøya mit geführten Gesprächen und SMS-Mitteilungen auf verwertbare Aussagen überprüfen. Außerdem sollen "sämtliche Aktivitäten" des rechtsradikalen Attentäters Anders Behring Breivik in den letzten zehn Jahren unter die Lupe genommen werden. Dabei gehe es vor allem um mögliche Beteiligung an rechtsextremen Netzwerken, hieß es in Oslo.

Die Ermittler suchen weiterhin nach einem Großteil der sechs Tonnen Düngemittel, die der Attentäter bestellt hatte. Denn nur einen Bruchteil davon hatte er für die Bombe im Osloer Regierungsviertel benutzt.

Breivik hatte vor anderthalb Wochen durch eine Bombe im Osloer Regierungsviertel und bei einem Massaker in einem Sommerlager für Jugendliche 77 Menschen getötet. Bei der Feier sollten alle Namen vorgelesen werden. Die große Mehrzahl der Toten waren Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren.

Der Attentäter gab als Motiv seinen Hass auf islamische Zuwanderer an. Er habe auch die in Oslo regierende sozialdemokratische Partei “möglichst hart“ treffen wollen. An dem Ferienlager auf der kleinen Insel Utøya waren Mitglieder der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF beteiligt.

Im Verhör hat Breivik jetzt erstmals nach der Zahl seiner Opfer gefragt, berichtete sein Anwalt. Als er erfuhr, dass er 77 Menschen ermordet habe, soll Breivik keine Reaktion gezeigt haben.


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