Obama wirft Romney nach verlorener TV-Debatte Wählertäuschung vor

05.10.2012 | 08:44
Barack Obama, Mitt Romney, US-Wahl "Ich traf diesen sehr schneidigen Typen, der behauptet Mitt Romney zu sein", rief Barack Obama seinen Anhängern bei einer Wahlveranstaltung zu.

US-Medien kritisieren zu späte Abrechnung

Nach dem schwachen Abschneiden bei der TV-Debatte im US-Wahlkampf zieht Präsident Barack Obama alle Register. Im Kern wirft er seinem Herausforderer Mitt Romney vor, die Wahrheit über seine Steuerpläne zu verheimlichen und die Wähler zu täuschen. Ein neuer TV-Spot versucht massiv, die Glaubwürdigkeit Romneys zu untergraben. Romney schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Zudem konnte er sich freuen: Er erhielt die Zustimmung der mächtigen Waffenlobby.

- Anzeige -

Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus griff Obama einen Tag nach dem Rededuell an. "Ich traf diesen sehr schneidigen Typen, der behauptet Mitt Romney zu sein", rief er Anhängern bei einer Wahlveranstaltung zu. "Aber das konnte nicht Romney sein. Denn der echte Mitt Romney läuft seit einem Jahr im Land auf und ab und verspricht fünf Billionen Steuersenkungen, die die Reichen bevorzugen." Ätzend fuhr Obama fort: "Und der Typ, der gestern Abend auf der Bühne war, sagte, er wüsste davon nichts."

Ohne Umschweife bezichtigt Obama seinen Gegner der Lüge. US-Kommentatoren fragen sich allerdings, warum Obama den Vorwurf nicht bereits während des Rededuells in Denver (Colorado) angebracht habe. "Einen Tag zu spät", meinte ein Kommentator im TV-Sender NBC. "Obama versucht, sein Gleichgewicht wiederzugewinnen", schreibt die 'New York Times'. Die knallharte Attacke auf Romney lasse erahnen, wie groß die Sorge im Wahlkampflager Obamas sei. schrieb das Blatt.

Romney entschuldigt sich für 47-Prozent-Aussage

Knallhart ist auch der Vorwurf in einem neuen TV-Spot gegen Romney. "Wenn wir ihm nicht einmal hier trauen können", heißt es darin mit einem Ausblick auf die Debatten-Bühne. "Wie können wir ihm jemals hier trauen?", fragt eine sonore Stimme aus dem Off - während das Oval Office im Weißen Haus zu sehen ist. Schon heißt es im engeren Umkreis Obamas, der Präsident müsse sich jetzt auf die neuen Lage umstellen. "Wir müssen uns auf diese Unehrlichkeit einstellen", meinte Wahlkampfberater David Plouffe.

Kern des Streits sind die von Romney geplanten Steuererleichterungen. Obama warf Romney in der Debatte vor, er wolle fünf Billionen Steuern streichen und dabei auch die Abgaben von Reichen und Superreichen senken - beides bestritt Romney mehrfach energisch. Beides seien unwahre Behauptungen, meinte Romney.

Romney hielt sich mit einer Reaktion auf die Anschuldigen Obamas zunächst zurück. Stattdessen teilte er mit, dass sich die mächtige und erzkonservative Waffenlobby National Rifle Association (NRA) im Präsidentenwahlkampf hinter ihn stelle. "Ich bin stolz über ihre Unterstützung für meine Kandidatur", meinte Romney. "Ich werde alles in meiner Kraft liegende tun, das Recht aller gesetzestreuen Amerikaner, Waffen zu besitzen und zu tragen, zu verteidigen und zu schützen", meinte Romney weiter.

Eine Rolle rückwärts machte Romney in Bezug auf seine umstrittenen Äußerungen in Richtung Obamas Anhänger. "In diesem Fall habe ich etwas völlig Falsches gesagt", erklärte Romney im US-Fernsehen. Romney hatte im Mai bei einer Spendengala geäußert, dass 47 Prozent der US-Wähler von der Regierung abhängig seien und deshalb bei der Wahl am 6. November nicht für ihn stimmen würden.

Bildquelle: Reuters