Öl aus Nerz-Kadavern in Shampoo und Creme

Öl aus Nerz-Kadavern in Shampoo und Creme
Das Leben vieler Nerze ist traurig: Sie führen ein Leben hinter Gittern, um nach etwa einem Jahr den qualvollen Erstickungstod zu sterben. Ihr Pelz ist nach wie vor begehrt - doch auch die Kosmetikindustrie profitiert.

Wer sich morgens unter der Dusche die Haare wäscht, denkt sicher an vieles, aber vermutlich nicht daran, dass er sich indirekt der Tierquälerei schuldig macht. Punkt 12-Reporter Alexander Römer hat jedoch gemeinsam mit Tierschützern herausgefunden, dass aus Kadavern von Nerzen Öl gewonnen wird, das in vielen Haarpflegeprodukten und in Cremes enthalten ist. Diese Produkte gibt es in fast jeder Drogerie zu kaufen. Und nicht nur dort.

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Weltweit werden über 50 Millionen Tiere für die Pelzindustrie getötet. Viele davon sind Nerze, die auf Pelzfarmen gezüchtet werden. Ihr Leben beginnt im Käfig und endet in einer Vergasungsbox. Nach einem Jahr ist das Leben der Nerze durch den Erstickungstod beendet. Wer aber denkt, dass die Nerze ausschließlich für die Bekleidungsindustrie gezüchtet und getötet werden, irrt. Auch die Kosmetikindustrie profitiert von ihnen.

Die Körper der Nerze sind durch die mangelnde Bewegung im Käfig verfettet. Dieses Fett kann von den Kadavern geschält und zu Nerzöl verarbeitet werden. Nerzöl oder – gemäß dem lateinischen Namen für Nerz – Mustela-Öl ist äußerst profitabel – schließlich kann die Pelzindustrie auf diese Weise aus „Abfall“ Profit machen. Jeder Kauf von Produkten mit Nerzöl unterstützt also direkt die Pelzindustrie.

In welchen Produkten genau wird Nerzöl verarbeitet? Das will Punkt 12-Reporter Alexander Römer mit der Unterstützung von Markus Müller von der SOKO Tierschutz herausfinden. „Das Überraschende auch für uns: Nerzöl ist allgegenwärtig, in ganz vielen Geschäften und Supermärkten und in vielen verschiedenen Produkten“, erklärt der Tierschützer. Das Krasse sei, dass ganz viele Deutsche Pelzprodukte ablehnen, weil sie wissen, dass dahinter Tierquälerei steckt. Doch im Fall des Nerzöls komme das ganze sozusagen durch die Hintertür. „Die Leute unterstützen die Pelzindustrie mit Shampoos und ähnlichen Produkten.“

Gemeinsam mit dem Tierschützer begibt sich der Reporter auf Shoppingtour. Das erste Ziel ist eine große deutsche Drogeriekette. Zielsicher geht Markus Müller zu den Haarpflegeprodukten. Er zeigt Römer eine bestimmte Haarkur und tatsächlich: der Blick auf die Inhaltsstoffe bestätigt, dass Nerzöl enthalten ist. „Nerzöl wird auch Mustela–Öl genannt. Und das ist gerade das perfide – denn viele Leute wissen nicht, was dahinter steckt und was sie da kaufen.“

Weiter geht es in die Apotheke. Auch hier sind Nerzölprodukte im Angebot. „Für 12,05 Euro habe ich was gefunden, 75 ml. Dann Nerzölcreme für empfindliche Haut, 100 g“, sagt die Apothekerin. Nerzöl ist also auch in Hautcremes enthalten.

Erschreckend: Oft wissen die Menschen gar nicht, was sie da verkaufen oder verwenden, wie das Beispiel eines Friseurs zeigt. Auf Nachfrage des Reporters äußert er die Vermutung, dass es aus Bäumen gewonnen wird. Kaum jemand kann genau sagen, was Nerzöl ist und wo es enthalten ist, wie eine Umfrage auf den Straßen Berlins beweist.

Die erschreckende Erkenntnis, die Reporter Alexander Römer durch seine Recherche gewonnen hat: Es gibt keine EU-Öko-Verordnung, die die Haltung von Nerzen regelt. Das wurde auch vom Bundesministerium für Landwirtschaft bestätigt. Viele Kosmetikunternehmen scheinen also nicht zu wissen, unter welchen Bedingungen die Nerze gezüchtet werden. Dem Verbraucher bleibt daher nur übrig, Haar- und Hautpflegeprodukte mit Nerzöl zu meiden.

Wer auf Nummer sicher gehen und nicht versehentlich Produkte mit Nerzöl kaufen will, sollte Folgendes beachten: Gucken Sie auf die Inhaltsstoffe. Dort darf nicht Nerz- oder Mustelaöl oder - auf Englisch: Mink-Oil - aufgeführt sein. Je mehr Menschen darauf achten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass solch grausame Zuchtbedingungen bald der Vergangenheit angehören.