Organisierte Kriminalität in Europa: In diesen Wirtschaftsbranchen mischt die Mafia mit

Organisierte Kriminalität in Deutschland
Studie der Katholischen Universität vom Heiligen Herzen in Mailand liefert Hinweise, dass die italienische Cosa Nostra besonders im Baugewerbe aktiv ist. © dpa, Ralf Hirschberger

'Ndrangheta investiert in Restaurants und Catering-Betriebe

Da hat bestimmt die Mafia ihre Finger im Spiel – ein weit verbreiteter Satz, der so oder so ähnlich rund um den Globus Anwendung findet. Allein in Europa werden die Umsätze aus kriminellen Geschäften auf etwa 100 Milliarden Euro geschätzt. Die Gewinne aus diesen Geschäften investiert die Organisierte Kriminalität zum Teil in die legale Wirtschaft. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommt eine Studie der Katholischen Universität vom Heiligen Herzen in Mailand, die der EU-Kommission in Brüssel vorgestellt wurde.

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Demnach gibt es auch in Bundesrepublik Nachweise für kriminelle Aktivitäten. Hinweise deuten darauf hin, dass die Mafia 'Ndrangheta in Restaurants und Catering-Betriebe investiere - ebenso wie die Cosa Nostra, die daneben auch im Baugewerbe und bei Bekleidungsläden auffällig werde.

Köln, Stuttgart und Duisburg seien durch ihre Grenznähe zu starken Standorten der italienischen Mafia-Gruppen geworden. In Berlin und Umgebung gebe es Hinweise für Investments von russischen Gruppen in Immobilien- und Grundstücksgeschäfte. Diese Gruppen seien in Deutschland auch im Restaurant- und Hotelgewerbe aktiv. Die Sicherheitsbranche sei von Rockergruppen beeinflusst.

"Markt für gefälschte Artikel umfasst etwa 42 Mrd. Euro"

Die Studie wurde von der EU-Kommission mitfinanziert. "Allein der Markt für gefälschte Artikel umfasst etwa 42 Milliarden Euro", sagte Prof. Michele Riccardi, Forscher des in der Studie federführenden 'Transcrime'-Institus. Hinzu kämen unter anderem 8,5 Milliarden Euro aus dem Heroinhandel, 6,8 Milliarden Euro aus dem Handel mit Kokain und 6,7 Milliarden Euro aus dem Verkauf von Cannabis.

Die Studienergebnisse stützen damit auch bisherige Erkenntnisse deutscher Ermittler. Die von den Mailänder Forschern angegebene Schätzung des Marktes für Produktfälschungen sei beängstigend und noch höher als erwartet, sagte Sebastian Fiedler, stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). "Ich halte die Zahlen aber alles in allem für eine sehr konservative Schätzung." Man müsse den Bereich der Steuerkriminalität in die Schätzungen einbeziehen, weil dort die Organisierte Kriminalität ebenfalls besonders aktiv sei.

Der BDK setzt sich schon seit längerem dafür ein, dass eine Bundesaufsichtsbehörde zur Überwachung des Geldwäschegesetzes außerhalb des Finanzsektors geschaffen wird. Dafür fehle aber bislang die politische Initiative, so Fiedler. Deutschland wurde bereits von zahlreichen Experten sowie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wegen vermeintlicher Defizite im Kampf gegen Geldwäsche und Organisierte Kriminalität kritisiert. Die Bundesregierung hatte vor einigen Monaten schärfere Vorschriften gegen Geldwäsche auf den Weg gebracht. "Das reicht aber nicht aus - es fehlt an einer Gesamtstrategie", sagte Fiedler.

Gewinne der Organisierten Kriminalität fließen laut der Studie zurück in die legalen Märkte. "Europaweit sehr gut zu belegen ist der Einfluss auf die Gastronomie, das Baugewerbe, den Lebensmittelhandel und das Transportwesen", sagte Riccardi.

Vor allem große städtische Regionen wie Madrid, London, Paris und Berlin seien europaweit von kriminellen Investments betroffen, so Riccardi weiter. Viele Belege fanden sich laut Studie auch für Süditalien und die Lombardei, Andalusien, die Provence und die Adriaküste. Die Ergebnisse der Studie sollen Politik, Ermittlern und Behörden ermöglichen, die Organisierte Kriminalität besser zu verhindern und zu bekämpfen.


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