Pflegeheim finden: So klappt die Suche nach einem guten Altenheim

Darauf sollten Sie im Pflegeheim achten

Pflegeheime gibt es wie Sand am Meer, aber dennoch auch immer wieder zu wenig Plätze, um dem Bedarf an Pflege zu decken. Wer einen Platz für seine Eltern oder Großeltern - oder gar für sich selbst sucht, der steht zunächst vor einem Riesenberg an Fragen, die beantwortet werden müssen, bevor die Entscheidung fällt.

- Anzeige -
Pflegeheim finden: So klappt die Suche nach einem guten Altenheim
© picture alliance / ZB, Arno Burgi

Wie finde ich ein gutes Pflegeheim? Worauf muss ich bei der Suche und auch bei der Besichtigung achten? Welche Fragen muss ich der Heimleitung und dem Personal stellen, um einen möglichst guten Eindruck von der Einrichtung zu gewinnen? Das wollten wir vom Pflege-Experten und -Kritiker Claus Fussek wissen. Seine Antworten finden Sie in unserer Checkliste, die Ihnen die Suche nach einem Pflegeheim erleichtern soll. Aber auch Tipps der „Weisse Liste“ der Bertelsmann Stiftung haben wir zu Rate gezogen.

1. Hören Sie sich in Ihrem Ort um. Welchen Ruf hat das Heim? Kennen Sie eventuell Nachbarn, die Erfahrungen oder Verbindungen zum Haus haben? Unterschätzen Sie nicht die Mund-zu-Mund-Propaganda, die häufig viel mehr aussagt als offizielle Bewertungen. Gehen Sie später am Nachmittag oder im Sommer um 19 Uhr am Heim vorbei. Wie wirkt es da auf Sie? Sitzt dort jemand im Garten? Herrscht dort noch Leben und hören Sie Menschen reden? Oder nehmen Sie nichts als Stille wahr, weil alle bereits in ihren Zimmern sitzen? Das wäre dann eher ein trauriges Bild, denn eigentlich sollte ein Heim die verbliebenen Lebensjahre so angenehm wie möglich gestalten.

2. Sprechen Sie mit Pflegekräften, am besten außerhalb des Gebäudes. Haben Sie den Eindruck, dass ihnen der Job Spaß macht oder wirken sie eher überfordert? Verlassen Sie sich ruhig auf Ihr Bauchgefühl. Nur wenn Sie das Gefühl haben, dass das Personal glücklich ist und von seiner Arbeit Gutes berichtet, macht es Sinn, dieses Heim ins Auge zu fassen.

3. In welcher Umgebung befindet sich das Haus? Ist es im Grünen oder mitten in der lauten Stadt? Wirkt das Gebäude hell und freundlich? Sind Supermärkte, die Kirche oder Arztpraxen gut zu erreichen? Ist das Heim für Sie persönlich gut zu erreichen, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Wenn Sie diese Fragen mit "Ja" beantworten können, dann ist es ein gutes Zeichen.

4. Wenn Sie das Gebäude betreten und einen Termin mit der Heimleitung haben: Hat es einen Aufzug? Konnten Sie persönlich sich gut darin orientieren, weil es gut ausgeschildert ist? Gibt es eine Cafeteria? Eine Bibliothek und Räume, in denen Freizeitaktivitäten angeboten werden? Achten Sie ganz besonders auf die Stimmung, nachdem Sie das Pflegeheim betreten haben.

Mit diesen Tipps ein gutes Pflegeheim finden

5. Wenn Sie mit der Pflegedienstleitung sprechen: Haben Sie das Gefühl, dass sie völlige Transparenz signalisiert? Verrät Sie Ihnen, wie sie mit Beschwerden umgeht oder sagt sie: "Beschwerden haben wir nie?" Denn das wäre ein sehr schlechtes Zeichen - perfekt ist nämlich niemand. Wichtig ist, dass es Supervision gibt, eine Instanz, die selbst der Heimleitung als beratende Stelle bei Konflikten zur Seite steht. Außerdem sollte die Heimleitung Ihnen auch vorweisen können, ob das Personal regelmäßig an Schulungen oder Weiterbildungen arbeitet. Gibt es dort einen Seelsorger, mit dem auch das Personal sprechen kann?

6. Wenn Sie sich die Zimmer anschauen: Gefällt Ihnen die Einrichtung? Dürfen die Gäste persönliche Gegenstände oder kleinere Möbel mitbringen? Stehen dort Blumen auf der Fensterbank und hängen Bilder von der Familie an der Wand? Darf man eigene Bettwäsche mitbringen? Nur, wer einen Teil seiner Persönlichkeit im Pflegeheim bewahren darf, wird dort auch eher als ein Individuum betrachtet und entsprechend behandelt – und fühlt sich dann auch wohl dort. Das gilt auch für die Privatsphäre. Wer einen eigenen Schlüssel bekommt, fühlt sich dort eher Zuhause.

7. Wie sieht der Essensplan aus? Ist die Auswahl abwechslungsreich oder wiederholen sich die Gerichte? Wird das Essen so angerichtet, wie die Bewohner es benötigen? Und wie sieht es mit Lebensmittelunverträglichkeiten aus? Gibt es genügend kostenlose Getränke? Wenn die Bewohner in dieser Hinsicht zufrieden sein dürfen – und sich auch noch den Platz selbst aussuchen dürfen, also relativ frei sind, dann dürfen Sie sich freuen, ein offenbar gutes Heim gefunden zu haben.

8. Das Heim, welches Sie sich gerade anschauen, hat keinen festen Ansprechpartner für Sie? Das ist eher ein schlechtes Zeichen. Haben Sie ein Wörtchen mitzureden und dürfen Sie um den Wechsel einer Pflegekraft bitten, wenn Sie unzufrieden sind? Wie sieht es mit Regeln aus zum Thema „wund liegen“? Wenn es zum Thema Körperpflege und Behandlung von Pflegeproblemen einen geregelten Ablauf gibt und jeder weiß, was zu tun ist, dann spricht es für die Einrichtung.

9. Wie werden für Sie die Kosten aufgeschlüsselt? Eher transparent und für Sie verständlich? Oder gibt es Punkte, die weder Sie noch die Heimleitung eindeutig verstehen? Werden Kosten erstattet, wenn der Bewohner im Urlaub ist oder mehrere Tage lang seine Familie besucht? Merken Sie sich: Je offener über die Finanzen gesprochen wird und je flexibler man mit dem Heim verhandeln kann, desto weniger hat es die Einrichtung bloß auf Ihr Geld abgesehen.

10. In unserer immer älter werdenden Gesellschaft gibt es immer mehr Demenzkranke. Klar, das ein gutes Pflegeheim auch dies berücksichtigen und sein Angebot entsprechend auch erweitern sollte. Dazu gehören gemeinsame Aktivitäten mit anderen Demenzkranken zusammen oder abgesicherte Bereiche, die ein an Demenz Erkrankter nicht unbemerkt verlassen kann.


- Anzeige -