Polizeigewalt in Deutschland: Video überführt Brutalo-Polizisten

"Ich habe immer gelernt, Respekt und Achtung vor der Polizei zu haben"

Überraschende Wende vor Gericht: Ein Autofahrer, der einen Polizisten angegriffen haben soll, wird freigesprochen, stattdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft nun gegen den Beamten. Denn ein Video zeigt, dass er der Übeltäter war und einen Wehrlosen ohne jeden Grund attackiert hat. Ganz offensichtlich sollte der Übergriff des Gesetzeshüters zudem vertuscht werden.

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Polizeigewalt in Deutschland: Video überführt Brutalo-Polizisten
Erleichterung bei Hüseyin Ercan nach dem Freispruch.

Der Vorfall ereignete sich bei einer Verkehrskontrolle in Herford und wird von einer Kamera im Polizeiauto aufgezeichnet. Autofahrer Hüseyin Ercan zeigt seinen Führerschein, wird auf Alkohol kontrolliert, alles ist in Ordnung. Plötzlich, ohne ersichtlichen Grund, drehen die Polizisten dem 39-Jährigen die Arme auf den Rücken, wollen ihn fesseln. Ercan lässt das widerstandlos geschehen. Dann beginnt ein Polizist auf ihn einzuprügeln, schlägt mehrfach zu.

Ercan sagt: "Ich habe mich nicht gewehrt, weil das die deutsche Polizei war. (…) Ich habe immer gelernt, Respekt und Achtung vor der Polizei zu haben." Als Ercan sich losreißen kann, setzen diejenigen, vor denen er Achtung und Respekt hatte, Pfefferspray gegen ihn und seinen hinzugeeilten Cousin ein. Die beiden Männer werden festgenommen, Begründung: Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Den Einsatz von Pfefferspray und die körperliche Gewalt begründen die Polizisten mit Notwehr. Im Video ist allerdings nichts zu sehen, gegen das der Polizist sich hätte wehren müssen. Als "Beweis" werden einzelne Standbilder aus dem Video vorgelegt. Die Screenshots hält die Staatsanwaltschaft für vollständig, das ebenfalls vorliegende Video wird nicht angesehen.

Versäumnisse bei den Ermittlungen

Vor Gericht ändert sich das, dank der Intervention des Anwalts von Hüseyin Ercan. Die Richterin sieht sich die Aufnahme in voller Länge an und spricht den Speditionskaufmann und seinen Cousin frei. Nun wird gegen den Polizisten ermittelt. Er habe sich bei Erkan entschuldigt und werde derzeit nicht im Streifendienst eingesetzt, so ein Sprecher. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem gegen weitere Beamte, die die bei dem Vorfall anwesend gewesen sein sollen und die Version ihres Kollegen gestützt hätten.

Opfer Erkan ist noch immer schockiert über den Vorfall. "Wie kann es sein, dass er immer wieder auf mich einschlägt, ohne dass jemand dazwischen geht?" Nicht die einzige Frage, die offen bleibt. Zu klären sein werden auch die Versäumnisse bei den Ermittlungen – warum wurde das Video nicht im Vorfeld der Gerichtsverhandlung gesichtet? Die Staatsanwaltschaft sei davon ausgegangen, dass das Bildmaterial vollständig gewesen sei. Zudem sei sie chronisch überlastet. Wie es dazu kommen konnte, dass unvollständiges Bildmaterial von der Polizei an die Bielefelder Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurde, muss ebenfalls geklärt werden.


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