Proteste gegen Urteil im Fall Martin: Krawalle in Los Angeles

Massenproteste für das Wochenende angekündigt

Der Fall Martin erregt weiter die Gemüter. Nach dem Freispruch des Todesschützen George Zimmerman in Florida hat US-Justizminister Eric Holder weitreichende Notwehrgesetze wie das in dem südlichen Bundesstaat angeprangert. Bei Protesten in Los Angeles kam es zu Krawallen. Jugendliche Demonstranten griffen Autofahrer und ihre Fahrzeuge an, schlugen Scheiben von Geschäften ein. Bürgerrechtsorganisationen kündigten für das Wochenende neue Massenproteste an, die Kundgebungen sollen auf 100 Städte ausgeweitet werden.

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Trayvon Martin Zimmerman US-Justizminister Holden
Besorgt über den Fall Martin: US-Justizminister Eric Holder stellt Notwehrgesetze wie jene in Florida in Frage. © REUTERS, DAVID MANNING

Justizminister Holder, selbst Afroamerikaner, äußerte "Besorgnis" über den Fall des getöteten schwarzen Trayvon Martin, vermied aber einer Rede vor der Schwarzenorganisation NAACP sorgfältig jede Festlegung auf eine neue Anklage gegen Zimmerman. Unabhängig davon sei es an der Zeit, Gesetze infrage zu stellen, "die sinnlos das Konzept der Selbstverteidigung ausweiten und damit den Boden für gefährliche Konflikte in unseren Gemeinden bereiten", so Holder. Solche Gesetze würden eher zur Gewalt beitragen, als diese zu verhindern.

Zimmerman hatte den 17-jährigen Trayvon Martin vor 15 Monaten erschossen, während er als Mitglied einer Bürgerwehr auf Patrouille war. Ein Geschworenengericht in Sanford (Florida) sprach ihn am Samstag vom Vorwurf des Mordes und Totschlags frei. Zimmerman hatte in dem Prozess Notwehr geltend gemacht.

Holder hat Angst um seinen eigenen Sohn

Seit dem Tod des Teenagers habe er auch Angst um seinen eigenen Sohn, sagte Holder, der derzeit nach Präsident Barack Obama ranghöchste Afroamerikaner in der Regierung. In einem ernsten Gespräch habe er seinen 15 Jahre alten Sohn auf das Leben als junger, männlicher Afroamerikaner in den USA vorbereitet - so wie sein eigener Vater eine Generation zuvor. Das sei seine Pflicht als Vater und auch heute noch die bittere Realität, sagte Holder.

In Florida müssen Bürger, die sich von einem Gewaltverbrechen bedroht sehen, nicht versuchen, der Gefahr aus dem Wege zu gehen. Sie dürfen sich mit allen Mitteln wehren - bis hin zur Tötung des mutmaßlichen Angreifers. Die Regelung ist unter dem Namen "Stand-Your-Ground-Law" (deutsch: Nicht von der Stelle weichen) bekannt. Ähnliche Gesetze gelten in vielen anderen US-Bundesstaaten.

US-Sänger Stevie Wonder (63) will wegen des Notwehrgesetzes den US-Staat Florida künftig boykottieren. Er werde dort nicht mehr auftreten, solange die "Stand Your Ground" Regelung nicht abgeschafft werde, sagte die Soul-Legende.

Das Urteil hatte insgesamt in den USA heftige Proteste ausgelöst. Die Schwarzenorganisation NAACP fordert, dass Zimmerman jetzt wegen Verletzung der Bürgerrechte von Trayvon Martin vor ein Bundesgericht gestellt wird. Bis Dienstagabend hatten bereits mehr als eine Million Menschen online eine entsprechende Petition unterschrieben. Holder bekräftigte, dass seine Justizbehörde die Frage prüfe. Es würden alle zur Verfügung stehenden Informationen abgewogen, "bevor wir entscheiden".


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