Proteste in Thailand eskalieren – Demonstranten wollen "Umsturz durch das Volk"

30.000 Oppositionelle blasen zum Sturm

Bangkok im Ausnahmezustand: 30.000 thailändische Regierungsgegner haben zum Sturm auf mehrere staatliche Einrichtungen geblasen. Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra musste vor Demonstranten in Sicherheit gebracht werden. Die staatliche Rundfunkanstalt Thai PBS wurde überrannt. An mehreren Schauplätzen in der Hauptstadt Bangkok kam es erneut zu teils heftigen Zusammenstößen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, die Demonstranten warfen Steine und Brandsätze. Mindestens vier Menschen starben bei den zum "Umsturz durch das Volk" deklarierten Protesten.

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Thailand Demonstrationen Bangkok
Tausende Polizisten schützen die Regierungseinrichtungen in Bangkok und setzten dabei auch Tränengas und Wasserwerfer ein. © dpa, Narong Sangnak

Der Anführer der Regierungsgegner, Suthep Thaugsuban, erklärte, seine Gruppe habe zwölf Regierungseinrichtungen friedlich und ohne den Einsatz von Waffen eingenommen. Zuvor hatte er seine Anhänger aufgefordert, die Gebäude mit allen Mitteln unter ihre Kontrolle zu bringen. "Wir müssen die Gesetze ein wenig brechen, um unsere Ziele zu erreichen", sagte der frühere Vize-Ministerpräsident. Die Demonstranten scheiterten allerdings mit dem Versuch, die Machtzentrale der Regierung zu stürmen. Sie rissen einige Betonbarrieren ein, konnten die eilig aufgebauten Stacheldrahtsperren im Tränengasnebel aber nicht überwinden.

Schon zuvor kam es zu Auseinandersetzungen in der Nähe eines Sportstadions, in dem sich Tausende Shinawatra-Anhänger versammelt hatten. Dabei starb ein 43-jähriger Regierungsanhänger an seinen Schussverletzungen. Neben ihm und den drei weiteren Toten gab es bei den Ausschreitungen zudem mindestens 57 Verletzte. Die Zusammenstöße legten weite Teile Bangkoks lahm. Die Regierung forderte ihre Anhänger auf, in die Provinzen zurückzukehren, um die Lage zu entschärfen.

"Nur eine Marionette ihres Bruders"

Regierungschefin Shinawatra hat sich inzwischen mit dem Anführer der Demonstranten zu Gesprächen getroffen. Eine Annäherung wurde laut Thaugsuban aber nicht erzielt. In einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache sagte er: "Ich werde Yingluck nicht mehr treffen, bis das Volk gesiegt hat". Bei dem Treffen waren auch Führungskräfte von Armee, Marine und Luftwaffe anwesend.

Die überwiegend aus der städtischen Mittelschicht stammenden Gegner der aktuellen Regierung wollen die seit mehr als zehn Jahren andauernde Dominanz der Familie Shinawatra brechen. Die 46-jährige Yingluck ist die Schwester des 2006 gestürzten und wegen Korruption verurteilten Ex-Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra.

Die Demonstranten werfen ihr vor, sie sei nur eine Marionette ihres Bruders, der vor einer Haftstrafe ins Ausland geflohen war. Ein von der Regierung unterstütztes Amnestie-Gesetz sollte ihm die Rückkehr nach Thailand ermöglichen. Hinter der Shinawatra-Familie steht vor allem die Landbevölkerung des südostasiatischen Landes.

Die aktuellen Proteste sind die größten seit den Unruhen im April und Mai 2010, die das gesamte Land ergriffen hatten und am Ende vom Militär niedergeschlagen wurden. Dabei wurden 91 Menschen, überwiegend Thaksin-Unterstützer, getötet.


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