Qualvoller, einsamer Tod im Kinderbett: Lea Sofie (†2) wurde "wie Abfall weggeschmissen"

Totschlag statt Mord - 12 Jahre Haft für Patrick L.

Während des Prozesses um die getötete Lea Sofie waren immer mehr grausame Details über den gewalttätigen Freund der Mutter und deren eigene Untätigkeit bekannt geworden. Heute erwarteten die beiden ihre Urteile: Der 23-jährige Patrick L. muss wegen Totschlags zwölf Jahre ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslänglich für Mord gefordert.

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Prozess um Lea Sofie Urteile
Die Staatsanwaltschaft forderte für Patrick L. (23) lebenslänglich. Er wurde zu nur zwölf Jahren Haft verurteilt. © dpa, Oliver Berg

Die 20-jährige Mutter Franziska M. hat Totschlag durch Unterlassen begangen. “Sie hat ihr eigenes Kind elendig zu Grunde gehen lassen und es dann wie Abfall weggeschmissen“, sagte die Staatsanwältin Simone Laumen. Die Anklage verlangte siebeneinhalb Jahre Haft nach Jugendstrafrecht. Die Richter verhängten eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Unmittelbar nach Urteilsverkündung kam es zum Tumult. Zwei junge Männer aus dem Zuschauerraum übersprangen die Glaswand zum Verhandlungssaal, einer drohte dem Verurteilten: “Es ist noch lange nicht vorbei, warte ab.“ Beide Männer wurden abgeführt.

Der Gewaltexzess des 23-jährigen Patrick L. gegen die Zweijährige hatte bundesweit für großes Entsetzen gesorgt. Laut Anklage ging Patrick L. ungezügelt brutal gegen die kleine Lea Sofie vor, schlug sie mit der Faust ins Gesicht, zerrte sie an ihren Haaren hoch, sodass sich "die Kopfschwarte von der Schädeldecke des Mädchens ablöste". Das Kind schlug auf den Boden oder gegen die Wand auf, starb später an den Folgen massiver, "stumpfer Gewalt". Als die Mutter Franziska M. nach Hause kam, holte sie für das blutende Kind, das die Augen verdrehte und sich mehrfach übergeben musste, noch nicht einmal einen Arzt. Lea Sofie kämpfte drei Tage lang in ihrem Bett ums Leben. Deutlich wurde auch: Lea Sofie hatte eine Überlebenschance von mehr als 80 Prozent – wenn sie Hilfe bekommen hätte.

Dem geständigen 23-Jährigen seien trotz seines brutalen Vorgehens keine niedrigen Beweggründe nachzuweisen, entschied das Gericht. Auch wenn die Schwere seiner Schuld außer Frage stehe, werde er nicht wegen Mordes verurteilt. Die Richterin betonte, der 23-Jährige habe die Gewalttat nicht begangen, "weil er Freude an Misshandlung hatte, sondern weil ihm die Nerven durchgegangen sind". Er habe Lea Sofie ruhig stellen wollen, die Situation sei eskaliert. Der Kölner habe in einer schwierigen Lage gesteckt - kein Job, Drogen- und Alkoholprobleme. Vor der Tat am Mittag hatte er bereits eine halbe Flasche Wodka getrunken.

Das Paar lebte weiter, als sei nichts gewesen

Als Franziska M. am 17. Dezember 2012 einkaufen ging und Lea Sofie mit Patrick L. allein in der Wohnung ließ, war die Gemütslage des Freundes angespannt: Dem mehrfach Vorbestraften drohte erstmals ein Gefängnisaufenthalt, weil er eine Geldstrafe wegen Beleidigung nicht gezahlt hatte. Das anhaltende Weinen habe seine Nerven überstrapaziert, hatte sein Verteidiger die heftigen Schläge auf den Kopf des Kindes erklärt, die letztlich zum Tode führten.

Lea Sofie erlebte in den letzten Tagen ihres jungen Lebens ein qualvolles Martyrium. Dass Franziska M. und Patrick L. währenddessen ihr Leben weiterlebten, als sei nichts gewesen, lässt die Tat besonders grausam erscheinen. Am Tag vor Lea Sofies Tod verbrachte Patrick L. den Nachmittag bei Freunden, während Franziska M. mit ihrer Tochter in der Wohnung war. Sie schrieb ihm per SMS: “Schatz, wann möchtest Du essen? Der BVB hat heute 103. Geburtstag.“ Dann schrieb sie ihrem Liebhaber: “Ich möchte Dich für immer!“

Noch fassungsloser macht das Verhalten des Paares nach dem Tod der Zweijährigen. Franziska M. hatte den Wecker auf zwei Uhr nachts gestellt, um sich gemeinsam mit Patrick L. der Leiche in einem Gebüsch am Fühlinger See zu entledigen. Noch weniger nachvollziehbar: Das Paar meldete Lea Sofie am nächsten Tag bei der Polizei als vermisst. Während der aufwendigen Suchaktion, an der sich viele Nachbarn aus Chorweiler beteiligten, bemerkten Ermittler schon in den ersten Minuten, dass beide logen und sich in Widersprüche verwickelten. Noch am selben Abend führte Franziska M. die Beamten schließlich zu dem Gebüsch, wo die unbekleidete Leiche von Lea Sofie an einem Ast hing.


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