Ritalin: So gefährlich ist das ADHS-Medikament

Ritalin: Wundermittel, sinnvolles Medikament oder gefährliche Modedroge?

Allein in Deutschland leiden bis zu 500.000 Kinder und Jugendliche an ADHS, dem Aufmerksamkeits-Defizit-und Hyperaktivitäts-Syndrom.

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Ritalin wird zunehmend zur Modedroge.
Nicht nur Kinder mit ADHS, sondern auch immer mehr Erwachsene nehmen Ritalin, um ihre Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen. © dpa, Z1060 Thomas Lehmann

Viele von ihnen werden mit dem Medikament Ritalin behandelt. Doch mittlerweile wird das verschreibungspflichtige Medikament immer mehr zu einer Modedroge für Erwachsene. Wie wirkt Ritalin im Körper und welche Nebenwirkungen gibt es? Betroffene schildern uns ihre Geschichte.

Schon im Kleinkind-Alter werden manche Kinder mit Ritalin behandelt. Den Eltern geht es damit besser – das Kind ist ruhiger, Verhaltensauffälligkeiten nehmen ab. Doch können Kinder in diesem Alter schon beschreiben, wie sie sich fühlen? Könnten sie sich wehren?

Kritiker befürchten, dass Kinder eine Abhängigkeit entwickeln und auch später als Erwachsene nicht mehr von Ritalin ablassen können. Hinzu kommt die Vermutung, das Kind durch die Medikamente dauerhaft zu verändern. „Ich raube einem Kind einen Teil seiner Kindheit, einen Teil seiner Kreativität. Die Persönlichkeit kann sich nicht so entwickeln wie sie sich sonst entwickeln würde. Letztendlich greife ich stark in die Psyche des Kindes ein und reduziere das Entwicklungspotenzial auf einen kleinen Bereich, um es der Gesellschaft anzupassen“, meint der Kardiologe Dr. Jörg Wiewer.

Doch es gibt auch Befürworter. Für sie spricht die Erfolgsquote von bis zu 80 Prozent. Demnach könne sich das Kind wieder auf eine normale Entwicklung konzentrieren. Die Entwöhnung vom Medikament sei nach einigen Jahren auch deshalb gut möglich, weil Ritalin körperlich nicht abhängig mache.

Aus diesen Gründen entschied sich auch Robins Mutter für eine Behandlung. Robin ist 13 Jahre alt und nimmt einmal täglich Ritalin, er hat ADHS. Schon im Alter von drei Jahren hatte seine Mutter bemerkt, dass offenbar etwas nicht stimmte. Bereits im Kindergarten sei Robin stark verhaltensauffällig gewesen. Robins aggressives Verhalten belastete die ganze Familie, erzählt seine Mutter. Nach langen Überlegungen entschloss sie sich, ihren Sohn mit Ritalin behandeln zu lassen: „Der Hauptgrund war, dass er ist zu Hause ständig ausgerastet ist. Einmal hat er seine eigene Zimmertüre eingetreten. Dann waren da noch die ganzen Schimpfwörter".

Seit seinem neunten Lebensjahr, dem Beginn der Behandlung, hat sich für Robin einiges verändert: „Bevor ich es genommen habe, gab es in der Schule Stress. Ich wurde immer gehauen und geboxt. Der Grund dafür war, dass ich provoziert habe. Aber seit ich Ritalin nehme, hat sich alles verändert, es gibt keinen Stress mehr, ich bin klarer im Unterricht, passe besser auf und schreibe bessere Zensuren als davor“. Obwohl Robin die Medikamente helfen, hat die Familie vor drei Wochen entschieden, das Ritalin wieder abzusetzen. Die Angst, dass der 13-Jährige abhängig wird, ist zu groß

Sie zittert, ihr Herz rast

Dass diese Angst berechtigt ist, zeigen zahlreiche Studien. Ritalin ist gerade unter jungen Erwachsenen zur Modedroge geworden. Berufstätige und auch Studenten greifen illegal zu dem Medikament, um dem Leistungsdruck standhalten zu können und konzentrierter zu lernen.

Kritiker sagen, die Nebenwirkungen für Erwachsene können extrem gefährlich sein. Unter anderem können Herzrasen, Stimmungsveränderungen oder Suizidgedanken aufkommen.

Doch um sich ein eigenes Bild zu machen, testet unsere Reporterin Alexandra Wahl unter ärztlicher Aufsicht das Medikament für eine Woche.

Die Auswirkungen sind gravierend: Alexandra kann nicht einschlafen, sie ist unkonzentriert, das Herz rast und ihr ist extrem heiß. „Das kann doch nicht gesund sein, wenn ich mich so fühle, immer zittre ich, mein Herz geht immer“, sagt Alexandra aufgelöst.

Dr. Jörg Wiewer sagt: „Wir können eben nicht voraussagen wie das Medikament genau bei jedem im Körper wirkt. Jeder reagiert anders auf das Medikament, manche leistungssteigernder. Aber für Alexandra hatte es eben einen anderen Effekt gehabt, für sie war es nicht leistungssteigernd."

Es gibt noch keine Studien, die belegen, dass Ritalin Langzeitschäden hervorrufen kann. Doch schon die Liste der Nebenwirkungen lässt bezweifeln, dass Ritalin für eine Dauerbehandlung bei Kindern tatsächlich unbedenklich ist.