RTL-Reporter undercover bei Pädophilen: Grenzwertig, schwierig und ekelhaft

"Bin an die Polizei herangetreten, weil es für mich zu heiß wurde"

Bei einer Pressekonferenz hat die Polizei neue Details zu dem gesprengten Pädophilen-Ring in Sachsen-Anhalt bekannt gegeben. So soll der Hauptverdächtige seine fünf Jahre alte Nichte als Lockvogel eingesetzt haben. Laut Ermittler Holger Herrmann sollen die elf Verdächtigen das fünfjährige Mädchen mitgenommen haben, um etwa auf Spielplätzen Kontakt zu anderen Kindern aufzubauen.

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RTL-Reporter undercover bei Pädophilen: Grenzwertig, schwierig und ekelhaft
Pädophilenring in Sachsen-Anhalt gesprengt. © dpa, Frank Gehrmann

Das Kind sei zunächst in die Obhut des Jugendamtes gekommen; die Behörde habe es später an den Vater übergeben. Am Wochenende hatten sich die Mitglieder des Netzwerkes auf Einladung eines 54-Jährigen in Aschersleben getroffen. Dabei machte die Polizei sie dingfest.

Nun wird wegen des Anfangsverdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen sie ermittelt. Zudem gebe es den Verdacht des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie, so Herrmann weiter. Es bestehe der Verdacht, dass die Gruppe international tätig geworden sei.

Der Einsatz der Polizei – und somit die Sprengung des Pädophilen-Rings – basierte auf Erkenntnissen des RTL-Reporters Wolfram Kuhnigk, der seit über einem Jahr verdeckt in der Pädophilen-Szene für die RTL-Sendung 'Undercover Deutschland' recherchiert hat. Als er von dem Treffen in Aschersleben erfuhr, gab Kuhnigk sämtliche gesammelten Informationen an die Polizei und die Staatsanwaltschaft weiter.

"Ich habe mich über ein Jahr als mutmaßlicher Pädophiler in diese Szene eingeschleust und verdeckt recherchiert. Mit den Informationen, die ich hatte, bin ich an die Polizei herangetreten und habe um Mithilfe gebeten, weil es für mich zu heiß wurde", so Kuhnigk.

"Konnte zu keinem Zeitpunkt zugeben, wie sehr mich das anekelt"

RTL-Reporter undercover bei Pädophilen: Grenzwertig, schwierig und ekelhaft
Der Polizeieinsatz gegen Pädophile basierte auf Erkenntnissen des RTL-Reporters Wolfram Kuhnigk.

Die Gruppe kannte sich aus einem Chatroom im Internet, wie die Ermittler erläuterten. "In diesem Chatroom agiert man sehr vorsichtig und konspirativ." Dort seien etwa Informationen ausgetauscht worden, "wie man ein stabiles Kinderbett aufbauen sollte, falls man irgendwelche Fesselpraktiken durchführen möchte". Ein Verdächtiger habe dann das Treffen der Forumsmitglieder organisiert. Jeder habe eine persönliche Einladung benötigt. Ziel sei es gewesen, Aufenthaltsorte von Kindern zu besuchen und Kontakte zu Kindern herzustellen. Auf dem Programm stand der Besuch eines Kinderflohmarktes und eines Zoos.

Für den RTL-Reporter waren solche Dinge nur schwer zu ertragen. "Für mich als Familienvater war es teilweise wirklich grenzwertig und sehr schwierig zu erkennen, wie ekelhaft die Zielsetzung ist, mit Kindern in Kontakt zu kommen und die Kinder dann auch sexuell zu missbrauchen. Ich habe da lange recherchiert, aber konnte zu keinem Zeitpunkt zugeben, wie sehr mich das anekelt, und das war eine sehr belastende Situation.

Die vorübergehend in Gewahrsam genommenen Personen sind zwischen 23 und 60 Jahren alt. Sie kommen aus Berlin, Dresden, Leipzig, aus Nordrhein-Westfalen und der Schweiz. Drei sind einschlägig vorbestraft. Es wurden Rechner, Kommunikationstechnik und Datenträger beschlagnahmt.

Nach Angaben von Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) stehen die Ermittler erst am Beginn ihrer Untersuchungen. Daher dürften die Erwartungshaltungen nicht übermäßig hoch sein, sagte er.


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