RTL-Umfrage: Wie ausländerfeindlich ist Deutschland?

Rassismus in Deutschland
In Berlin wird gegen Rassismus demonstriert. © dpa, Jörg Carstensen

Asylbewerber wollen vor allem nach Deutschland

Weltweit nimmt die Zahl der Asylbewerber zu - das begehrteste Ziel ist Deutschland. Erstmals seit dem Zustrom von Flüchtlingen während des Bosnienkriegs in den 90er Jahren sind 2013 in der Bundesrepublik wieder mehr Asylanträge gestellt worden als in jedem anderen westlichen Land. Die Zahl stieg gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent auf 109.600. Sie lag damit nach jüngsten UN-Zahlen deutlich über dem Durchschnitt der 28 EU-Staaten, in denen 2013 eine Zunahme um 32 Prozent auf insgesamt 398.200 Anträge verzeichnet wurde.

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Deutschland liege damit noch weit vor den USA, Frankreich und Schweden. Und wird damit zum größten Aufnahmeland für Asylbewerber unter allen 44 als industrialisiert eingestuften Staaten, erklärte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) in seinem globalen Asylbericht 2013.

Doch wie begegnen die Menschen hierzulande eigentlich Asylbewerbern? Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag für RTL hat jeder Fünfte (23 Prozent) den Eindruck, dass sich die Deutschen eher ablehnend verhalten. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), beklagt sogar einen alltäglichen Rassismus in Deutschland. Dieser sei schleichend, subtil und versteckt und drohe die Gesellschaft zu zersetzen.

3.500 offiziell erfasste rassistische Übergriffe – Dunkelziffer höher

Die SPD-Politikerin betonte, Rassismus sei in Deutschland leider ein Teil der Gesellschaft. Das sei immer wieder schmerzlich zu erleben. "3.500 offiziell erfasste rassistische Übergriffe allein im letzten Jahr zeigen die Gewalttätigkeit dieser Menschenfeindlichkeit". Doch die Dunkelziffer sei noch höher. Mitbürger würden geschlagen und beleidigt. "Auch vor Brandanschlägen auf Häuser und Wohnheime wird nicht zurückgeschreckt", sagte Özoguz. "Wir nehmen diese Übergriffe leider immer noch zu wenig wahr."

"Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft bei rassistisch motivierten Gewalttaten müssen verbessert werden. Dazu müssen die Bundesländer grundlegende Änderungen in der Polizeiausbildung sowie in den Vorschriften für die Ermittlungsarbeit vornehmen", fordert Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte.

Bundestag und Bundesregierung haben sich Ende Februar über die Fraktionsgrenzen hinweg selbst verpflichtet, die Empfehlungen des NSU-Untersuchungsausschusses zügig umzusetzen.

Der Ausschuss fordert beispielsweise, dass jede Gewalttat mit möglicherweise rassistischem Motiv von Polizei und Staatsanwaltschaft eingehend untersucht wird. Auch soll der Blick der Polizei für die Anzeichen einer rassistischen Motivation nachhaltig und systematisch geschärft werden.


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