Schwarzarbeit im Haushalt ist nicht unbedingt günstiger

Drei von vier Haushaltshilfen arbeiten unangemeldet
Drei von vier Haushaltshilfen arbeiten unangemeldet Schwarzarbeit boomt 00:01:45
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Wer seine Haushaltshilfe anmeldet, kann am Ende sogar sparen

Hand aufs Herz: Haben Sie eine Haushaltshilfe? Und wenn ja, bezahlen Sie diese korrekt? Gemeint ist damit nicht die Höhe des Gehalts, sondern die Art und Weise, wie  das Geld fließt. Denn der Großteil der Haushaltshilfen in Deutschland arbeitet einem Report des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zufolge schwarz. Doch wer seinen Gärtner oder seine Reinigungskraft anmeldet, kann am Ende sogar Geld sparen. 

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Mehrkosten von der Steuer absetzen

Schätzungsweise zwischen 75 und 83 Prozent der im Haushalt beschäftigten Helfer sind nicht angemeldet. Bis zu 28 Milliarden Euro entgehen dem Staat dadurch jährlich. Fast jeder Dritte in Deutschland kennt jemanden, der schon einmal schwarzgearbeitet hat. Und die wenigstens geben zu, schon mal am Finanzamt vorbei Geld gezahlt oder eingestrichen zu haben.  Das sich das oft gar nicht lohnt, ist vielen dabei gar nicht klar. 

Was die wenigsten wissen: Wer seine Haushaltshilfe bei der Minijobzentrale ordnungsgemäß angemeldet hat, kann die Mehrkosten, die ihm dadurch entstehen, von der Steuer absetzen. Falls dann mal ein Unfall passieren sollte, ist der auch Helfer abgesichert. Und empfindliche Geldstrafen lassen sich so auch vermeiden. Denn wer erwischt wird, zahlt locker bis zu 5.000 Euro. Aber auch härte Strafen sind möglich. "Das geht bei Bußgeldern los, bis zu Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren. Finanzielle Nachteile wie das Nachzahlen von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern können noch hinzukommen“, weiß Arbeitsrechtler Matthias Schröder.

Viele Haushaltshilfen wollen schwarzarbeiten

IW-Experte Dominik Enste will "eine Art Doppelmoral" ausgemacht haben. "Die Bürger kritisieren Politiker, zu wenig zu tun oder die Unternehmen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen, aber finden es im eigenen Haushalt völlig selbstverständlich, der Haushaltshilfe keinen bezahlten Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu gewähren." Immerhin liege der Anteil der Haushaltshilfen an der Schwarzarbeit insgesamt Umfragen zufolge bei 15 bis 20 Prozent. Der Wertschöpfungsanteil sei zwar im Vergleich zur Schattenwirtschaft am Bau noch geringer. Doch um Schwarzarbeit langfristig zu bekämpfen, dürfe sie nicht mehr als "Kavaliersdelikt" angesehen werden.

Wie sehen Sie das?

Hand aufs Herz: Wie sehen Sie das mit der Bezahlung von Haushaltshilfen?

"Während einige Reiche ihre Vermögen, um Steuern zu sparen, nach Luxemburg verlagern, versuchen die 'kleinen Leute' das mit Hilfe von Schwarzarbeit", so Enste. Die Entdeckungswahrscheinlichkeit ist marginal - sie liegt bei kleinen Delikten wie Haushaltshilfen unter einem Promille. "Da lohnt es rein finanziell, Dinge unter der Hand machen zu lassen." Ein Vergleich, der angesichts der Beträge, um die es geht, etwas hinkt. Außerdem wird bei Enstes Beurteilung eine wichtige Tatsache ausgeklammert: Viele Haushaltshilfen arbeiten auf eigenen Wunsch schwarz, weil sie sich davon mehr Nettolohn versprechen. Dass das den Wegfall von bezahltem Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wert ist, hat der Arbeitnehmer in dem Fall für sich selbst beschlossen.

Gesamtschaden in Milliardenhöhe

Enstes Anliegen ist es, "ein Bewusstsein für diese Lage zu entwickeln, um es anders zu regeln." Denn auch die Politik akzeptiere und lebe mit der Schwarzarbeit. "Politiker wissen, dass Pflege in Einklang mit Arbeitszeitgesetzen von kaum jemanden zu bezahlen ist." Bei einer erfolgreichen Bekämpfung der Schwarzarbeit, so Schätzungen, könnten zwischen 420.000 und 1,1 Millionen zusätzliche, reguläre Vollzeitstellen geschaffen werden. Der Steuer-Gesamtschaden der Schwarzarbeit beträgt somit zwischen 10,92 Milliarden Euro und 28,6 Milliarden Euro.