Schwere Vorwürfe gegen ALS-Forschung: Tierversuche dank Ice-Bucket-Challenge?

ALS-Forschung setzt bei Forschungen auf 'Tiermodelle'

Die Ice-Bucket-Challenge ist in kurzer Zeit zu einem weltweiten Hype geworden. Etliche Menschen haben sich schon einen Eimer Wasser über den Kopf gekippt, darunter viele Promis. Spendengelder in Millionenhöhe kamen inzwischen für die bis vor wenigen Tagen noch unbekannte ALS-Forschung zusammen. Jetzt erhebt ein Ärzteverein schwere Vorwürfe: In der ALS-Forschung würden Tiere in Versuchen grausam und sinnlos gequält.

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Forscherin Tierversuch
Der Verein 'Ärzte gegen Tierversuche' behauptet, dass in der ALS-Forschung Tiere in Versuchen grausam und sinnlos gequält werden. © dpa, Sebastian Kahnert

"Die ALS-Gesellschaft macht keinen Hehl daraus, bei ihren Forschungen auf 'Tiermodelle' zu setzen, wie es im lebensverachtenden Jargon der Tierexperimentatoren heißt", sagt Corina Gericke, Tierärztin und Vorstandsmitglied des Vereins. Dabei sei seit Jahren bekannt, dass "Tierversuche für die ALS-Forschung ein völliger Fehlgriff sind." Weiterhin behauptet sie, dass hauptsächlich genmanipulierte Mäuse und Ratten verwendet würden, die durch Ausschalten eines Gens ähnliche Symptome aufwiesen wie ALS-Patienten.

ALS-Stiftung bestätigt die Tierversuche

Die Vereinigung, mit nach eigenen Angaben rund 1.400 Mitgliedern, warnt seit Langem vor den möglichen Gefahren des Tierversuchs. Ihrer Ansicht nach unterscheiden sich nämlich die Reaktionen von Tieren und Menschen auf Substanzen beträchtlich. So könnten Medikamente, die sich im Tierversuch als wirksam und sicher erweisen, durch die klinische Prüfung fallen, weil sie gar nicht wirkten oder sogar schädlich für den Menschen seien. Insbesondere ALS sei eine rein menschliche Krankheit, die man bei Tieren nicht nachahmen könne. Deswegen seien die Tierversuche "völlig unverhältnismäßig und sinnlos für Patienten".

Vor diesem Hintergrund bittet 'Ärzte gegen Tierversuche' alle Eiswassernominierten, die Ice-Bucket-Challenge nicht länger zu unterstützen und auch nicht mehr an den ALS-Verband zu spenden. Den ALS-Verband fordert die Vereinigung auf, Tierversuche umgehend zu stoppen und Spendengelder für tierversuchsfreie Tests mit menschlichen Zellen, Computersimulationen und Patientenstudien einzusetzen.

Die 'Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke' (ALS-Stiftung) äußert sich auf Ihrer Website zu den Vorwürfen: Die Ursache der ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) sei bisher nicht bekannt. Ohne Kenntnis der Ursache könne man jedoch keine Therapie entwickeln. In der Forschung würden Tierversuche eingesetzt, "die sich an Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG orientieren und ethische Aspekte einschließen".

Die Entscheidung, Tierversuche zu meiden bedeute gleichzeitig, "auf die Erforschung dieser Erkrankung [Red. ergänzt: ALS] zu verzichten". Damit verringere man die Aussicht, eine Therapie zu entwickeln. Es wird ausdrücklich betont, dass Spender im Verwendungszweck 'Sozialberatung und Hilfsmittelberatung' angeben können. Dann würde die Spende nicht für die Forschung, sondern ausschließlich für Beratungszwecke eingesetzt.