Sekte '12 Stämme' widersetzt sich erneut der Schulpflicht

19.05.2014 | 13:39
Sekte '12 Stämme' widersetzt sich der Schulpflicht Die bayerischen Behörden haben fünf Kinder zurück in die urchristliche Glaubensgemeinschaft gegeben.

Kinder nach Misshandlungen zurück bei den Eltern

Die Aufdeckung von Kindesmisshandlung in der Glaubensgemeinschaft '12 Stämme' hat im vergangenen Jahr für viel Aufsehen gesorgt. Insgesamt 40 Kinder waren an zwei Orten in Bayern von der Polizei aus der Sekte befreit worden, nachdem Undercover-Recherchen von RTL-Reporter Wolfram Kuhnigk die entscheidenden Beweise geliefert hatten. Den Eltern wurde sogar vorläufig das Sorgerecht entzogen. Jetzt haben die bayerischen Behörden fünf Kinder zurück in die urchristliche Glaubensgemeinschaft gegeben. Ein Fehler?

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Die Eltern weigern sich erneut, ihre Kinder in die Schule zu schicken. In ihrem Internet-Blog begründen die Sekten-Mitglieder ihre Entscheidung damit, dass das öffentliche Schulsystem die Kinder "nicht auf das Königreich Gottes" vorbereitet würde. Weiter ist zu lesen: "Wir glauben, dass es für uns Eltern die höchste Pflicht gegenüber Gott und den Menschen ist, unsere Kinder in ihrer Erziehung und Ausbildung für das auszurüsten, wofür sie in ihrem Leben geboren sind: nämlich erstens, ihren Schöpfer mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu lieben und zweitens ihren Nächsten so zu lieben wie sich selbst."

Zuständige Behörden schauen bisher tatenlos zu

Das Bayerische Kultusministerium verweist auf die zuständigen Behörden vor Ort. "Für die konkrete Durchsetzung der Schulpflicht sind die Kreisverwaltungsbehörden vor Ort zuständig, in der Regel also die Kreisverwaltungsämter", erklärt Henning Gießen, stellvertretender Pressesprecher. Doch warum das zuständige Landratsamt dem willkürlichen Treiben der Sekte offenbar tatenlos zusieht, das wollte auf RTL-Nachfrage bisher niemand sagen.

Die Mitglieder hatten sich bereits in der Vergangenheit geweigert, ihre Kinder in staatliche Schulen zu schicken. Unter anderem wegen des Sexualkundeunterrichts machten sie "Gewissensgründe" geltend. Die Väter nahmen sogar eine Erzwingungshaft in Kauf. Infolge genehmigte das Bayerische Kultusministerium eine "Ergänzungsschule" innerhalb der Klostermauern. Diese wurde allerdings geschlossen, nachdem der einzige staatlich anerkannte Lehrer ausgestiegen war.