Sexuelle Übergriffe in Schorndorf: Die Lage war zwischenzeitlich nicht unter Kontrolle

Pressekonferenz zu Vorfällen in Schorndorf
Pressekonferenz zu Vorfällen in Schorndorf Die Lage war nicht unter Kontrolle 00:01:02
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Pressekonferenz zu Ausschreitungen in Schorndorf

Nach den Ausschreitungen und sexuellen Übergriffen auf dem Volksfest in Schorndorf bei Stuttgart, haben Stadtverwaltung und Polizei nun Stellung genommen. Sie mussten einräumen, dass die Lage zwischenzeitlich nicht unter Kontrolle war.

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Aggression und Eskalation von Gewalt

Pressekonferenz zu Vorfällen in Schorndorf
Pressekonferenz zu Vorfällen in Schorndorf: Matthias Klopfer (l, SPD), Oberbürgermeister von Schorndorf und Roland Eisele (r), Polizeipräsident © dpa, Christoph Schmidt, cdt fpt

Die Stadtverwaltung und Polizei in Schorndorf beschäftigt sich mit den Vorfällen auf dem Volksfest am Wochenende. "Die Gewalt gegenüber den Beamten war erschreckend", sagte der Polizeipräsident Roland Eisele bei der Pressekonferenz am Montag.

Auf die Frage, ob die Polizei die Situation immer im Griff gehabt hätte, antwortete er mit einem eindeutigen "Nein". Er erklärte, dass sich die Lageeinschätzung immer an den Erfahrungswerten der vorherigen Einsätze in Schorndorf orientiere. Man sei polizeilich so vorgegangen wie in den Jahren zuvor - und die boten überhaupt keine Veranlassung, es in diesem Jahr anders zu machen. Denn bis auf leichte Plänkeleien sei die Schorndorfer Woche in den letzten Jahren friedlich verlaufen. "Dass es jetzt mit dieser Aggression und Eskalation von Gewalt passiert ist, das war für uns so ohne Weiteres nicht vorhersehbar", sagte Eisele.

Zugleich würden die Ausschreitungen bestätigen, dass die Gewalt gegen die Polizei zunimmt – auch in Schorndorf. Das Flaschenwerfen gegen Festbesucher und auch gegen Polizeibeamte im Schlosspark, beschrieb der Polizeipräsident als "ein Maß von Gewalt, das man so nicht tolerieren kann". Das Problem sei vor allem die Anonymität: "Wenn sie in der Menge sind, können sie sehr schön anonym agieren und das Umfeld – und auch die Polizei – stößt an ihre Grenzen". Das Untertauchen in der Masse bezeichnete Eisele daher als perfide Strategie, die es erschwere, Verantwortliche zu identifizieren. Daher gäbe es im Falle der Flaschenwerfer von Schorndorf auch noch keine Erkenntnisse zu den Tatverdächtigen. Die Polizei benötige deshalb Unterstützung der Bevölkerung und habe daher einen Zeugenaufruf gestartet.

Alkohol als Gewalttransmitter

Neben der Anonymität sei aber vor allem auch der Alkoholkonsum ein zentrales Problem gewesen, dass zu den Ausschreitungen geführt habe. "Bekannter Weise ist Alkohol ein Gewalttransmitter", räumte der Polizeisprecher ein. Daher müsse man aus den Vorfällen am Wochenende Konsequenzen ziehen und zu dem zurückkommen, was man in den Vorjahren angewandt hat: Frühzeitiger an die Leute rangehen und sie bitten, das Gelände zu verlassen, um zu vermeiden, dass weiterhin Alkohol genossen wird.

Gerade vor dem Hintergrund, dass im Stadtpark eigentlich von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens Alkoholverbot besteht, sei man in diesem Jahr nicht konsequent genug gewesen und hätte zu spät gehandelt, das bestätigt auch Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Während die Festteilnehmer in den letzten Jahren ab 23.00 Uhr von der Polizei aufgefordert wurden, den Alkoholkonsum einzustellen und den Stadtpark zu verlassen, sei dies in diesem Jahr erst eine Stunde später passiert.

Auch bei den vier Tatverdächtigen, einem 20-jährigen Iraker und drei Afghanen zwischen 18 und 20 Jahren, die für die sexuellen Übergriffe auf zwei Frauen verantwortlich sein sollen, sei Alkohol im Spiel gewesen, bestätigte Polizeipräsident Eisele.

Angaben zum Migrationshintergrund unklar

Er mahnte aber davor, Hetze gegen Menschen mit Migrationshintergrund zu betreiben. Prozentuale Angaben zum Migrationshintergrund der Festteilnehmer, die im Internet kursieren, ließen sich nicht verifizieren. Wie viele Beteiligte tatsächlich einen Migrationshintergrund hatten, darüber würden sich absolut keine Angaben machen lassen:  "Wir hatten viele Leute in diesen Gruppierungen mit Migrationshintergrund aber sicherlich nicht nur", sagte Eisele. Und auch Oberbürgermeister Klopfer beschrieb die Schorndorfer Woche als "buntes Fest", das vor allem von jungen Menschen im Alter zwischen 14 bis 20 Jahren, natürlich auch teilweise mit Migrationshintergrund, besucht werde.

Polizei und Stadtverwaltung haben bei der Pressekonferenz deutlich gemacht, dass sie einige Lehren aus den Vorfällen in Schorndorf gezogen haben – einige haben sie auch schon umgesetzt: Damit an den letzten Tagen des Stadtfestes Sicherheit gewährleistet wird, hat die Feuerwehr den Schlosspark ausgeleuchtet und die Polizei die Anzahl der Einsatzkräfte erhöht.

Außerdem werde nun intensiv ermittelt – das gelte nicht nur für die Flaschenwerfer sondern in besonderem Maße für die sexuellen Belästigungen.

Bei dem Volksfest in Schorndorf (Baden-Württemberg) haben sich laut Polizei bis zu 1000 junge Leute im Schlosspark der Stadt versammelt, es kam zu Randalen und sexuellen Übergriffen. Zudem seien mehrere Körperverletzungen angezeigt worden. Selbst die Polizei kam in Bedrängnis. Es sei zwar üblich, dass sich während des Volksfests viele Jugendliche träfen - doch die Aggression gegenüber der Polizei sei neu gewesen.