Sie haben das Recht auf Ihre Daten bei Schufa & Co.

Sie haben das Recht auf Ihre Daten bei Schufa & Co.
© dpa, Z1022 Patrick Pleul

Kostenlose Auskunft Pflicht

Wirtschaftsauskunfteien waren früher für ihre Geheimniskrämerei bekannt. Inzwischen müssen sie ihre gespeicherten Daten offenlegen und Licht ins Dunkel ihrer Kundenbewertungen bringen.

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Aha… Was interessiert mich das? Auskunftei sagt Ihnen vielleicht nichts, aber sicher doch die SCHUFA? Die SCHUFA Holding AG (Schutzorganisation für allgemeine Kreditsicherung) ist die bekannteste und größte der deutschen Auskunfteien. Sie weiß Bescheid über die Zahlungskraft von rund 65 Millionen Bürgern. Creditreform und Infoscore heißen z.B. kleinere andere. Und eben diese müssen jetzt die gespeicherten persönlichen Daten über Sie offenlegen. Und zwar kostenlos. Das sind z.B. Informationen darüber, ob Sie eine EC- oder Kreditkarte haben, einen Telefonvertrag, Raten- oder Immobilienkredite. Sie wissen, wie hoch Ihre Schulden sind, ob sie ordentlich abbezahlt werden, ob Mahnverfahren laufen, eine Privatinsolvenz oder gar ein Haftbefehl ansteht.

Für Sie heißt die Regelung des Bundesdatenschutzgesetzes: Sie haben das Recht, einmal pro Jahr gratis diese Daten abzurufen - und damit z.B. zu erfahren, warum ein Handy-Vertrag abgelehnt wurde. Die Verbraucherzentralen raten dazu, dieses Recht auszunutzen, die eigenen Daten zu erfahren, kontrollieren und ggf. korrigieren zu lassen. Denn viele der gesammelten Einzeldaten seien erfahrungsgemäß nicht korrekt. Und dann rutschen Sie womöglich in einen schlechten ‚Score’, also in ein schlechteres Licht, wenn es um die Vergabe von Bankkrediten, um Leasingverträge und anderes geht. Darlehen können dann teurer werden oder das Versandhaus liefert nur noch per Nachnahme.

Das ist der Score-Wert

Die Regelung zwingt Schufa & Co. zudem, das ominöse und heftig umstrittene Scoring-System zu erläutern. Sie müssen erklären, nach welchen Maßstäben sie die Kreditwürdigkeit von Konsumenten beurteilen. Seit 1996 errechnet die Schufa nämlich Punkte, die Scores, auf einer Skala von 1 bis 1.000. Je besser der Wert, desto kreditwürdiger der Kunde. Denn der Score stellt eine Prognose über das künftige Verhalten dar. Er wird auf der Grundlage von statistisch-mathematischen Analyseverfahren berechnet. Es handelt sich aber nicht um die Bewertung der finanziellen Ausstattung eines konkreten Kunden, sondern um die Einschätzung der Kreditwürdigkeit einer Risiko-Gruppe, der dieser Kunde angehört. Individuelle Daten wie ein fester Job oder ein hohes Einkommen werden beim Scoring nicht berücksichtigt. Schon eine Wohngegend mit schlechtem Ruf oder die Schulden der Nachbarn können die eigene Einstufung drücken und den Immobilienkredit verteuern.

Diese Daten werden gespeichert

Sie haben das Recht auf Ihre Daten bei Schufa & Co.
© picture-alliance/ dpa, Michael Rosenfeld

Die Berechnungsformeln für den Score-Wert werden allerdings weiterhin nicht preisgegeben. Klar ist bisher, dass

Persönliche Schufa-Daten

- Name

- Vorname

- Geburtsdatum

- Geburtsort

- Aktuelle Anschrift

- Frühere Anschriften

Geschäftsbezogene Schufa-Daten

- Girokonten

- Überziehungskredite

- Leasingverträge

- Ratenkredite

- Hypothekendarlehen

- Bürgschaften

- Kreditkarten

- Einrichtung Kundenkonto

- Mobilfunkverträge

Negativmerkmale

- Angemahnte Forderungen

- Scheckkartenmissbrauch

- Scheckrückgaben mangels Deckung

- Kontokündigungen wegen missbräuchlicher Nutzung

- Kreditkündigungen wegen Zahlungsverzug

- Gerichtliche Mahnbescheide

- Zwangsvollstreckungen

- Insolvenzverfahren

- Eidesstattliche Versicherungen

in den Wert einfließen.

Was mache ich, wenn meine Schufa-Daten falsch sind?

Wenden Sie sich am besten schriftlich an Ihre zuständige Schufa Geschäftsstelle und verlangen die Änderung bzw. Löschung der entsprechenden Informationen. Am besten reichen Sie gleich die entsprechenden Dokumente mit ein, die den Sachverhalt darlegen und die Änderung bzw. Löschung der Schufa Daten rechtfertigen.

Was macht die Schufa überhaupt mit meinen Daten?

Die gesammelten Daten und die Score-Punkte verkaufen die Auskunfteien weiter - an Unternehmen, die die Zahlungskraft ihrer Kundschaft einschätzen wollen und bei Geschäften in Vorleistung gehen. Dazu gehören Mobilfunkfirmen, Autovermieter, Onlinehändler, Versand- oder Einzelhändler. Banken und Sparkassen freuen sich natürlich auch über die Daten, um zu berechnen, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit ihre Kunden einen Kredit zurückzahlen.

Täglich erhält allein die Schufa gut 220.000 Informationsanfragen, macht rund 80 Millionen Auskünfte jährlich. Etwa die Hälfte davon wollten auch das Scoring mitgeliefert haben, weiß die Verbraucherzentrale Hamburg. Andere Mitbewerber sind stärker darauf spezialisiert, Daten über die Einkommenssituation, über Vermögen, Beruf oder den Familienstand von Bürgern zu sammeln.


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