So finden Sie die beste Krankenkasse

30.07.2015 | 15:18
So finden Sie die beste Krankenkasse

Die Zusatzleistungen

Seit der Gesundheitsreform gibt es den einheitlichen Krankenkassenbeitrag von 15,5 Prozent. 95 Prozent der Leistungen sind deshalb bei allen Krankenkassen gleich. Fünf entscheidende Prozent machen den feinen Unterschied aus.

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Die Einführung von Zusatzbeiträgen hat einigen Krankenkassen einen heftigen Mitgliederschwund beschert. Viele Versicherte haben von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht.

Die günstigste Krankenkasse für Ihre Bedürfnisse finden Sie also, wenn Sie die einzelne Leistungen und mögliche Zusatzzahlungen der Versicherung genau vergleichen. Für Sie ist die entscheidende Frage: Bietet Ihre Krankenkasse die Zusatzleistungen, die Sie brauchen? Und wenn ja, gibt es nicht eine andere Kasse, die eben diese Leistung anbietet?

Sonderrecht zur Kündigung

Erhebt eine Krankenkassen einen Zusatzbeitrag oder wird der bereits bestehende Zusatzbeitrag erhöht, können Versicherte von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen und sofort wechseln. Im Anschluss ist der Versicherte dann 18 Monate an den neuen Vertrag gebunden - es sei denn, auch die neue Krankenversicherung erhebt ebenfalls einen Pauschalbetrag oder erhöht den Bestehenden.

Wer über eine gesetzliche Kasse versichert ist, bekommt seit der Reform mehr Leistungen bei Impfungen, Eltern-Kind-Kuren, Reha-Behandlungen für alte Menschen und bei der Betreuung Schwerstkranker und Sterbender in den eigenen vier Wänden. Wichtig sind jetzt auch die Vorsorgeuntersuchungen. Kliniken werden für ambulante Behandlungen geöffnet, ein Notfall muss also nicht mehr vorliegen. Darüber hinaus können gesetzliche Kassen neue Wahltarife anbieten - etwa Tarife mit Selbstbehalt, Rückerstattung oder solche, in deren Rahmen auch homöopathische Arzneimittel bezahlt werden. Hausarzttarife müssen künftig von allen Kassen angeboten werden.

Was ist ein Selbstbehalt-Tarif? Wer das ganze Jahr über nicht beim Arzt war, bekommt am Jahresende Geld zurück. Ebenso ist es möglich, Arztrechnungen selbst zu bezahlen. Das lohnt sich dann, wenn am Jahresende die Prämie dadurch höher ausfällt. Hier gibt die jeweilige Krankenkasse genau Auskunft über die Höhe der Prämie. Wer krank wird, muss aber nicht mehr als den normalen Jahresbeitrag zahlen. Beispiel: Sie verpflichten sich, drei Jahre lang eine Selbstbeteiligung von 500 Euro jährlich zu zahlen, falls Sie einen Arzt aufsuchen. Wer über das Jahr nicht krank wurde und weder Arzt, Medikamente noch eine Operation brauchte, bekäme 400 Euro von seinen geleisteten Beiträgen zurück. Mitversicherte Partner oder Kinder können dagegen wie gewohnt zum Arzt gehen, die Prämie schrumpft dann nicht. Nachteil: Wurden Sie krank und zahlten 500 Euro Selbstbeteiligung, bekommen Sie am Jahresende trotzdem nur 400 Euro wieder. Das wäre ein Minusgeschäft. Außerdem binden Sie sich für drei Jahre an Ihre Krankenkasse.

Was sind Bonus-Tarife? Mit dem Angebot von Bonus-Tarifen belohnen Krankenkassen gesundheitsbewusstes Verhalten ihrer Mitglieder. Wer an Gesundheitscheck, Krebsfrüherkennung und Gesundheitskursen teilnimmt, erhält auch einen Bonus. Mit der Wahl eines reinen Bonustarifs geht der Versicherte kein finanzielles Risiko ein. Wer die Bedingungen erfüllt, erhält Bares, Sachpreise oder Zuschüsse zu bestimmten Gesundheitsleistungen (z.B. Vorsorgeuntersuchungen, Auslands-Krankenversicherungsschutz oder Fitnesskurse).

Was bedeutet Prämien-Tarif? Wenn Sie und Ihre Angehörigen ein ganzes Kalenderjahr keine Leistungen zu Lasten der Krankenkasse in Anspruch nehmen, erhalten Sie bei Abschluss eines Prämien- oder Beitragsrückgewähr-Tarifes einen Teil Ihrer Jahresbeiträge von der Krankenkasse zurück.

Die Bandbreite bei der Beitragsrückgewähr bei Prämien-Tarifen ist sehr groß. Einige Krankenkassen zahlen einen Monatsbeitrag inklusive Arbeitgeberanteil, sodass die Erstattung fast 1/6 des Jahresbeitrags beträgt. Andere Krankenkassen bieten einen Staffeltarif an, bei dem im ersten Jahr der Teilnahme lediglich 1/36 des Jahresbeitrags zurückgezahlt wird und der Anteil erst im dritten Jahr auf 1/24 ansteigt. Hier unbedingt nachfragen.

Wie viel kann ich durch einen Wahltarif sparen? Die größten Erstattungen bieten die Selbstbehalt- und die Prämientarife, bei denen Sie allerdings auch ein begrenztes Risiko tragen. Auch hat der Gesetzgeber die maximale Rückerstattung in diesen Tarifen beschränkt. Viele dieser Tarife sind allerdings noch mit Bonustarifen kombinierbar, sodass Rückerstattungen von über 600 Euro jährlich möglich sind. Als Obergrenze ist vom Gesetzgeber festgelegt, dass die Rückerstattung insgesamt 20 Prozent der gezahlten Beiträge nicht überschreiten darf.

Welche Risiken gibt es? Wer sich für einen Selbstbehalt- oder Prämientarif entscheidet, sollte nicht vergessen, dass er sich für drei Jahre an eine Krankenkasse bindet. Bei Selbstbehalt-Tarifen besteht zudem das Risiko, dass die von der Krankenkasse erstattete Prämie im Krankheitsfall schnell aufgebraucht sein kann und der Versicherte unter Umständen einige Hundert Euro selbst zahlen muss. Das maximal selbst zu tragende Risiko ist an das Einkommen gebunden und gesetzlich begrenzt.

Um eine Fragestunde bei seiner Krankenkasse kommt niemand herum. Zu individuell sind die Bedürfnisse der Versicherten und die Prämien der Krankenkassen. Wer sich aber gut informiert, kann am Ende trotz einer Beitragserhöhung auf 15,5 Prozent sparen.

Bildquelle: dpa bildfunk