Soest: Mit den Falschen angelegt - blinde Opfer überraschen Angreifer

Grundlos attackiert

Sebastian Kassner und sein Kumpel wollen zum Sport. Beide sind fast blind. Dann werden sie auf einmal in der Nähe des Soester Bahnhofs angegriffen. Ein Mann tritt laut Augenzeugen auf die vermeintlich wehrlosen Opfer ein. "Der Blindenstock von meinem Kollegen ist dabei zu Bruch gegangen", erinnert sich Sebastian.

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Doch mit dem, was dann passiert, rechnet der Angreifer nicht im Traum: Sebastian und sein Kumpel sind Kampfsportler. Instinktiv wehren sie sich gegen die dreiste Attacke. "Wir haben ihn beide zu packen bekommen, konnten ihn auf den Boden bringen und dann soweit festhalten, dass er sich nicht mehr bewegen konnte", so Sebastian.

Angreifer erlebt sein blaues Wunder

Als die Polizei eintrifft, erfährt er, dass der Täter ein Messer in der Hosentasche versteckt hatte. "Das hätte auch anders ausgehen können, dass er anstelle von einem Treten oder Schubsen oder was immer er auch gemacht hat, vielleicht das Messer benutzt hätte", sagt der 30-Jährige. Zum Glück ließ er es stecken, der Angreifer war offenbar völlig überrascht.

"Und zwar hat der Angreifer auf kuriose Weise kein Wort von sich gegeben, bis wir ihn dann auf dem Boden fixiert hatten. Dann meinte er so ein bisschen erstaunt: Ja, ihr seid ja gar nicht blind", erinnert sich Sebastian.

Dieser ist seit einer Diabetes-Erkrankung auf dem linken Auge komplett blind. Auf dem rechten Auge hat er nur noch eine Sehkraft von drei Prozent. Um bei eben solchen Attacken nicht komplett hilflos zu sein, trainiert er zwei Mal die Woche in der Kampfsportschule von Jimmy Jemirifo. Und der ist natürlich unglaublich stolz: "Also ich die Geschichte gehört habe, habe ich innerlich gesagt: Yes, richtig, guter Junge."

Das Kampfsport-Training hat das Selbstvertrauen seiner sehbehinderten Schützlinge gestärkt. Und in diesem Fall kann man sagen, dass es sich wirklich ausgezahlt hat.