Studie: Alkohol in der Pubertät beeinflusst den Rest des Lebens

Langzeituntersuchung bringt überraschende Ergebnisse

Wenn man sich wünschen könnte, wie alt man gern noch einmal wäre, nennen wahrscheinlich nur die allerwenigsten Zahlen zwischen 12 und 17. Denn ein zweites Mal will wohl so gut wie niemand die Pubertät durchleben. Als Beginn der Pubertät gilt der Beginn der Geschlechtsreife bei Mädchen und Jungen. In der Regel liegt er zwischen zwölf und 14 Jahren. Nicht nur für Jugendliche ist diese Zeit anstrengend – auch die Eltern leiden darunter. Viele Jugendliche probieren genau in dieser Zeit das erste Mal Alkohol.

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Studie Alkohol in der Pubertät
Die Forscher fordern, beim Thema Alkohol früher präventiv tätig zu werden. © dpa, Klaus-Dietmar Gabbert

Wie man in diesem Alter mit Alkohol umgeht, ist entscheidend für den Umgang mit Alkohol im weiteren Leben. Das haben Mannheimer Forscher herausgefunden. Wer in der Pubertät das erste Mal Alkohol trinkt, erhöht sein Risiko, auch später im Leben mehr und öfter Alkohol zu konsumieren. "Das Belohnungssystem des Gehirns verändert sich während der Pubertät stark", erläuterte der Pharmakologe Rainer Spanagel. Damit sei das Gehirn in dieser Phase auch anfälliger für Belohnungen, die von Suchtstoffen geliefert werden. Das wiederum könne Auswirkungen auf den Alkoholkonsum im weiteren Leben haben.

Die Erkenntnisse der Mannheimer Forscher stammen zum einen aus einer Langzeitbeobachtung: Dabei wurde der Alkoholkonsum 283 junger Erwachsener mit Blick darauf ausgewertet, ob sie schon während der Pubertät Alkohol getrunken hatten. Zudem gab es Untersuchungen an Ratten.

Vor oder nach der Pubertät Alkohol zu trinken ist nicht so schlimm

Überraschend ist vor allem das folgende Ergebnis der Studie: Wer vor oder nach der Pubertät Alkohol trinkt, hat ein geringeres Risiko für einen höheren Alkoholkonsum im weiteren Leben. Bislang sei die gängige Lehre gewesen, dass die Folgen desto schlimmer seien, je früher der Alkoholkonsum beginne. Die Studie biete "erste Hinweise", dass die Entwicklungsphasen eine wichtige Rolle spielten. Die Wissenschaftler fordern deshalb, dass Präventionsprogramme sehr viel gezielter auf junge Menschen in der Pubertät zugeschnitten werden müssten.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes enden Alkohol-Exzesse bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland wieder häufiger im Krankenhaus. Wegen des Komasaufens wurden 2011 genau 26.349 Jungen und Mädchen im Alter von zehn bis 19 Jahren stationär in einer Klinik behandelt. Das waren 354 mehr als 2010. Bezogen auf 100.000 Einwohner nimmt die Zahl seit Beginn der Statistik im Jahr 2000 ständig zu. Fast zwei Drittel der Patienten sind Jungen und junge Männer.

Die gute Nachricht zum Schluss: Nach dem letzten Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung ist der Konsum von Alkohol vor allem bei Heranwachsenden aber auf dem Rückzug.


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