Studie: Arbeitslose und Alleinerziehende haben mehr Stress als Chefs

17.06.2014 | 15:47
Auch Studenten leiden unter hoher Belastung Überforderung, fehlende Anerkennung, von Sorgen geplagt - nicht nur Workaholics sind von Stress betroffen.

Auch Studenten leiden unter hoher Belastung

Das Bild ist in der Gesellschaft stark verfestigt – von dem Workaholic, der von morgens bis abends im Büro sitzt und auch daheim ständig aufs Diensthandy schaut. Da fällt das Wort 'Burn-Out' schnell. Doch eine andere Gruppe unserer Gesellschaft ist viel mehr von chronischem Stress bedroht, wie eine Studie der DAK jetzt zeigt. Alleinerziehende, Studenten und Arbeitslose.

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Leitende Angestellte und Beamte hingegen sind weniger von chronischem Stress belastet, zeigt die Untersuchung von Menschen zwischen 25 und 40 Jahren. Besonders Alleinerziehende fühlen sich laut der Befragung oft überfordert, nicht anerkannt oder von Sorgen geplagt.

Insgesamt hätten sich die Fehltage im Job wegen psychischer Erkrankungen seit 2000 verdoppelt, erläuterte Jörg Marschall vom Forschungsinstitut IGES. Fast jeder Zehnte leide darunter, dass die eigene Arbeit nicht angemessen anerkannt werde oder widersprüchliche Anforderungen auf einen einstürmten, die kaum gleichzeitig zu befriedigen seien. Frauen sind laut der Studie durchweg mehr belastet als Männer. Zur Belastung wird bei ihnen laut Marschall oft die Verantwortung für andere, eine Vielzahl an Sorgen - oder insgesamt das Gefühl, das alles zu viel werde. Die Gruppe der Mütter ohne Partner hat das höchste Stresslevel aller untersuchten Gruppen in der Studie. Auch arbeitslose Frauen und Studentinnen erreichen hohe Werte.

"Erwerbslose haben eine höhere Stressbelastung als Erwerbstätige", unterstrich der Forscher, der die Stressbelastung anhand einer über das Vorkommen von Hektik und Zeitnot hinausgehenden Skala gemessen hatte. Marschall: "Je höher der berufliche Status, desto geringer der Stress."

Stress sorgt für Rückenschmerzen

Wer unter viel Stress leidet, ist nach einer ebenfalls jetzt veröffentlichten Studie der Techniker Krankenkasse (TK) auch öfter von Rückenschmerzen betroffen. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage haben drei von vier Beschäftigten mit viel Stress auch Rückenbeschwerden. Auch Bewegungsmangel und einseitige Belastung sind Ursachen für Rückenleiden – es ist eine Volkskrankheit: Fast jeder zehnte Fehltag bei Beschäftigten in Deutschland geht darauf zurück, so die TK.

Im Schnitt waren die bei der Kasse versicherten Arbeitnehmer und Arbeitslosen im vergangenen Jahr 1,4 Tage wegen Rückenbeschwerden arbeitsunfähig - auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet seien dies 40 Millionen Fehltage bundesweit. Mit im Schnitt 17,5 Tagen dauere eine Krankschreibung wegen Rückenleiden fünf Tage länger als eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit. Für einen Betrieb mit 60 Beschäftigten bedeute das, dass jedes Jahr fünf Mitarbeiter zweieinhalb Wochen deshalb ausfallen.

Berufe mit schwerer körperlicher Arbeit etwa im Tiefbau, der Altenpflege oder in der Ver- und Entsorgung sind dem Report zufolge besonders betroffen. Mit dem Alter nehmen die Rückenbeschwerden stark zu.

Die Kasse rät zu gesünderer Gestaltung des Arbeitsplatzes und einem gesunden Lebensstil nach Feierabend.

Bildquelle: dpa bildfunk (Motivbild)