Studie der Ruhr-Universität Bochum: Sind Hartz-IV-Empfänger wirklich faul?

Arbeitslose nicht generell unsozial und faul

Die Arbeitslosenquote in Deutschland lag im Februar 2014 bei 7,3 Prozent. Rund 4,41 Millionen Menschen davon bezogen Arbeitslosengeld II. Das öffentliche Bild über diese Hartz-IV-Empfänger ist häufig kein gutes: "Die wollen doch gar nicht arbeiten! Die sind viel zu wählerisch! Die liegen lieber dem Staat auf der Tasche!" Doch sind Arbeitslose wirklich faul? Eine Studie hat diese Vorurteile nun einmal ganz genau unter die Lupe genommen.

- Anzeige -
Studie Hartz-IV-Empfänger
Das öffentliche Bild über diese Hartz-IV-Empfänger ist häufig kein gutes. © dpa, Arne Dedert

"Dabei haben wir rausgefunden, dass diese Vorurteile, dass Arbeitslose unsozial und faul wären, gar nicht zutreffen, sondern dass sie im gleichen Maße bereit sind, Leistung zu erbringen, genauso umgänglich und nett sind und genauso sehr sich für etwas begeistern können, wie dies auch Berufstätige tun", sagt Rebekka Schulz von der Ruhr-Universität Bochum.

In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Jobcenter Kaufbeuren befragte die Uni 133 Arbeitssuchende sowie 274 Sachbearbeiter und Fachkräfte zu ihrer persönlichen Standortbestimmung. Die Auswertung zeigte ein "differenziertes Bild, das bestimmte Stereotype über Arbeitssuchende relativiert".

Geringere Teamorientierung bei Hartz -IV-Empfängern

Hartz -IV-Empfänger unterscheiden sich in ihrer Einstellung zur Arbeit also nicht grundsätzlich von Berufstätigen. Allerdings gibt es auch Unterschiede. Diese zeigen sich in den Bereichen Teamorientierung, Führungsmotivation und Wettbewerbsorientierung. Hier erzielen die Arbeitslosen deutlich geringere Werte als die Berufstätigen. Das heißt, dass Arbeitssuchende insgesamt stärker Einzelarbeit der Teamarbeit vorziehen, weniger darauf aus sind, andere zu führen, Anweisungen zu geben sowie in berufliche Wettbewerbe einzutreten.

Insgesamt ließen sich durch die Studie grobe Trends und Wahrscheinlichkeiten wiedergeben, so die Wissenschaftler. Sie sage aber nichts über den jeweiligen Einzelfall. "Jeder Arbeitssuchende ist einzigartig und benötigt demnach auch eine entsprechende individuelle Beratung“, so Dr. Philip Frieg vom Projektteam Testentwicklung.


- Anzeige -