Studie: Hartz-IV-Empfänger ausgegrenzt wie Farbige im Süden der USA

"Das ist ein Stigma, das an einem haftet"

Eine neue Studie der Universität Jena bescheinigt den Hartz-Reformen fatale Folgen. "Die Hartz-IV-Logik produziert das Gegenteil von dem, was sie leisten will: Sie erzeugt Passivität, wo sie Aktivierung vorgibt", sagte der Soziologe Klaus Dörre. Das Stigma Hartz IV sei für die Betroffenen inzwischen vergleichbar mit der schwarzen Hautfarbe im Süden der USA.

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Hartz IV Studie ausgegrenzt Uni Jena
Nancy Naumann und Heiko Kleineidam leben mit ihren Kindern Lucy und Finn-Niclas von Hartz IV. © unbekannt

"In der Gesellschaft als 'Hartzi' identifiziert zu werden, ist ähnlich wie dunkle Hautfarbe zu haben im Süden der USA", sagte der Wissenschaftler am Lehrstuhl für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie. "Das ist ein Stigma, das an einem haftet, das man nicht los wird und mit dem man in Alltagssituationen immer wieder konfrontiert wird".

Paar aus Sachsen fühlt sich diskriminiert

Nancy Naumann und Heiko Kleineidam aus dem sächsischen Döbeln können davon ein Lied singen. Sie leben mit ihren Kindern Lucy und Finn-Niclas von Hartz IV und fühlen sich von der Gesellschaft ausgegrenzt. Im RTL-Interview sagte die junge Frau: "Wenn man einkaufen geht zum Beispiel, kommt dann auch, ah, das sind die Hartz-IV-Empfänger und gehen einkaufen, das sind ja alles nur Hartz-IV-Empfänger, ja das ist schon sehr diskriminierend."

Dörre plädiert dafür, die Sanktionen gegen Hartz-IV-Bezieher aufzuheben und mehr Beschäftigung etwa im Pflege- und Bildungssektor zu schaffen. Für die Untersuchung wurden Hartz-IV-Bezieher über sieben Jahre wiederholt befragt.