SV Babelsberg: So geht Integration - eine Stadt, ein Verein als Vorbild

Die Nordkurve spendet die Trikots

Wenn der Gegner zum Tor stürmt, bleibt keine Zeit für Gedanken an die ermordeten Eltern. Wer den Ball am Fuß hat, denkt nicht an den Augenblick, als das Boot kenterte und fast jeder der Mitfahrer ums Leben kam.

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SV Babelsberg – so geht Integration
Fußball verbindet - das gilt vor allem beim SV Babelsberg 03

Wer hier kickt, kommt von weit her, hat oft schon Unvorstellbares erlebt - und fühlt sich einen Moment lang nicht mehr alleine in dem fremden Land. "Sie wissen doch, wie schwierig es ist, Freunde zu finden, wenn man kein Deutsch oder Englisch spricht", sagt Johnson Ejike aus Nigeria.

Fußball verbindet. Das ist nicht neu, er hat schon immer die Menschen zusammengebracht. Neu ist, was der Viertligist SV Babelsberg 03 daraus macht: 'Welcome United 03' - eine Mannschaft, die aus Flüchtlingen besteht. Und die ab kommender Saison sogar offiziell in der Kreisliga Verein und Stadt vertreten soll.

"Unser großes Ziel ist es, diese Idee auch an andere Vereine in Deutschland, vor allem an die großen Fußballvereine, weiterzutragen, dass es machbar ist, einfach ist, für Flüchtlinge etwas innerhalb des Vereins zu tun", sagt die Initiatorin von 'Welcome United 03'.

Die Fans sind begeistert von der Idee: Sie spenden Schuhe, Geld, Trainingsausrüstung - der harte Kern aus der Nordkurve sponserte die Trikots. "Jetzt sind wir gerade dabei die nächsten Schritte der Integration zu gehen. Also Sprachkurse zu organisieren, gemeinsame Abende zu verbringen, beispielsweise zusammen Champions League schauen, also dass man einfach mehr gemeinsam macht", sagt Alexander Bosch vom Fanprojekt Babelsberg 03.

Babelsberger Menschen zeigen sich weltoffen

So geht Integration. Sich willkommen fühlen, Selbstbewusstsein tanken, ein Netzwerk aufbauen. Auch zwei Deutsche gehören zu dem Team, das immer weiter wächst.

"Wir werden irgendwann auch eine zweite Mannschaft haben, wir sind zu viele, wenn immer wieder neue kommen und dann wollen wir nicht, es geht nicht sagen, sondern es geht – ihr seid immer herzlich eingeladen“, sagt der Trainer Juseinov Zahirat.

Eine Herzlichkeit, die auch auf den Straßen von Babelsberg zu finden ist. Hier stehen den Flüchtlingen die Tore offen.

"Uns fehlt es an nichts in der Gesellschaft, da bin ich schon der Meinung, dass man den Menschen helfen soll", sagt ein Babelsberger. Eine Frau meint: "Ich finde es wichtig, dass man für solche Menschen da ist." Wieder ein anderer meint: "Wir leben davon, dass Menschen zu uns kommen. Deshalb sollte die Politik sie auch arbeiten lassen"

Bisher dürfen die Flüchtlinge von 'Welcome United' nicht arbeiten. Sie sind nur geduldet, müssen abwarten, ob sie bleiben können oder ausgewiesen werden. Diese Probleme kann auch der Fußball nicht lösen. Aber er kann die Menschen zusammenbringen - und ablenken.