Syrische Rebellen nehmen 21 philippinische Blauhelme als Geiseln

Aufständische fordern Weltgemeinschaft heraus

Der Syrien-Konflikt hat eine neue Dimension erreicht, denn die Rebellen fordern jetzt auch die Weltgemeinschaft heraus. Sie haben 21 UN-Blauhelme als Geiseln genommen und wollen so nach Angaben aus den eigenen Reihen einen regionalen Rückzug der Regierungstruppen erzwingen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen haben auf das Schärfste gegen die Geiselnahme der philippinischen Soldaten protestiert.

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21 philippinische Blauhelmsoldaten befinden sich in der Gewalt der syrischen Rebellen. © dpa, Armed Forces Of The Philippines

Ein Sprecher der oppositionellen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sagte nach Gesprächen mit der Gruppe 'Märtyrer von Jarmuk', diese habe die Unversehrtheit der etwa 20 UN-Mitarbeiter zugesichert. "Aber die Rebellen wollen, dass sich die syrischen Soldaten und Panzer aus der Region zurückziehen." Die Blauhelme würden im Dorf Dschamla festgehalten, das etwa 1,5 Kilometer von der Waffenstillstandslinie zu den von Israel besetzten Golanhöhen entfernt liegt.

Die Meldungen sind aber auch widersprüchlich, denn dieselbe Gruppe kündigte auf ihrer Facebook-Seite eine baldige Freilassung ohne Bedingungen an. Die Vereinten Nationen sollten ein "Sicherheitskomitee" bilden, um die UN-Soldaten in Empfang zu nehmen, da das Gebiet von den Regierungstruppen bombardiert werde. Von früheren Erklärungen zu dem Zwischenfall distanzierte sich die Führung der Brigade.

"Sie stehen so lange unter unserem Schutz, bis wir ihren Transport in ein sicheres Gebiet organisieren können." Ein Sprecher der von Deserteuren gegründeten Freien Syrischen Armee (FSA) sagte dem Nachrichtenportal 'Zaman al-Wasl', er erwarte, dass die Blauhelme binnen weniger Stunden freigelassen werden. Die Brigade hat ihren Namen vom Jarmuk-Tal im Grenzgebiet zwischen Syrien, Jordanien und den von Israel besetzten Golanhöhen.

In den Internet-Foren der Revolutionäre hagelte es harsche Kritik an den Entführern. Viele Revolutionäre forderten die sofortige Freilassung der UN-Soldaten und warfen den Rebellen vor, diese hätten "dem Ansehen unserer Revolution geschadet".

Philippinischer Präsident erwartet schnelle Freilassung

Zuvor hatte der UN-Sicherheitsrat die sofortige Freilassung der Blauhelmsoldaten gefordert und die Gefangennahme der Beobachter scharf verurteilt. Die UN-Soldaten seien während ihres regulären Einsatzes von etwa 30 Aufständischen gestoppt worden, teilten die UN mit.

Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, die Sicherheit der UN-Mitarbeiter müsse von allen Beteiligten gewährleistet werden. Der philippinische Präsident Benigno Aquino sagte, die drei Offiziere und 18 Soldaten würden gut behandelt. Ihre Freilassung werde bald erwartet.

Israel kündigte an, es werde nicht tatenlos zusehen, falls die Gewalttätigkeiten auf den Golan übergriffen. Ein hochrangiger Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums in Jerusalem zeigte sich aber zuversichtlich, dass die UN die Freilassung erreichen würden und signalisierte damit, dass sein Land nicht in den Fall intervenieren will.

Die Jarmuk-Brigade steht in Verdacht, gefangene syrische Soldaten exekutiert zu haben. Widersprüchlich sind die Botschaften, die der Brigade zugeschrieben werden. In einem Video beschuldigt einer der Milizionäre die Blauhelme, Assads Truppen bei den Kämpfen um den Ort Jamla in der Region unterstützt zu haben. In einem Facebook-Eintrag, der von der Brigade stammen soll, heißt es dagegen, die philippinischen Soldaten seien nicht festgehalten, sondern vor Beschuss geschützt worden. Die syrische Opposition gegen Assad ist zersplittert, ein zentrales Kommando gibt es nicht.

In einem von der Menschenrechts-Beobachtungsstelle veröffentlichten Video sind sechs der Soldaten an unbekanntem Ort zu sehen. Ein Mann, der sich als Offizier vorstellt, erklärt darin, sie seien an einem sicheren Platz.


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