Terrorwarnungen der USA: Übertrieben oder begründete Vorsicht?

Ist die Sicherheitslage wirklich so dramatisch?

Bis Ende der Woche lassen die USA 19 ihrer Botschaften und Konsulate geschlossen - aus Angst vor Terror-Anschlägen. Präsident Obama schließt diplomatische Vertretungen von Afrika über die arabische Welt bis Süd-Asien. Deutschland hat erst einmal nur die Botschaft im Jemen dichtgemacht. Dort soll eine der gefährlichsten "Filialen" des Terror-Netzwerks Al Kaida sitzen. Zwar ist Osama bin Laden längst tot, aber die islamistischen Terroristen haben Zulauf. Offenbar auch wegen der Umwälzungen durch den Arabischen Frühling.

- Anzeige -

Doch ist die Lage wirklich so dramatisch? Experten fragen sich weltweit, ob das ganze Szenario nicht vielleicht auch eine inszenierte Rechtfertigung für das aufgeflogene, gigantische NSA-Bespitzelungs-System sein könnte: "Das ist durchaus denkbar. Die Vereinigten Staaten befinden sich in der Defensive mit ihrer Abhör-Politik. Man kann natürlich auch sagen: Sie können das jetzt als Erfolg verbuchen. Weil wir eben abgehört haben, haben wir jetzt die Informationen über den Terror-Akt", so Udo Steinbach, Nahost-Experte.

Al Kaida seit Monaten auf dem Vormarsch

Fest steht auf jeden Fall, dass Al Kaida seit Monaten auf dem Vormarsch ist. Bei mehreren ganz offenbar koordinierten spektakulären Gefängnisausbrüchen in Pakistan, Irak und Libyen kamen zuletzt hunderte islamistische Terroristen frei.

Rund zwei Jahre nach der Ermordung Osama bin Ladens hat die Gefahr durch Al Kaida also wieder zugenommen. Das Terrornetzwerk aber hat eine andere Struktur. "Die Obama-Administration hat den alten Terror-Kern in Pakistan und Afghanistan geschwächt, aber Al Kaida ist immer mehr zum Netzwerk geworden - mit Gruppen im Norden Afrikas und vor allem im Jemen. Dort sind sie besonders gefährlich", weiß Juan Zarate, Terror-Experte.

Dort sitzt beispielsweise der Drahtzieher des Unterhosenbombers von Detroit, Hassan al-Asiri. Der Terror-Bastler hatte auch 2010 die raffinierten Paketbomben für Frachtflugzeuge entwickelt. Ein Doppelagenten lies letztes Jahr seine neueste Entwicklung auffliegen: eine im Körper implantierbare Flüssig-Bombe: "Das ist ein ganz neuer Typ von Sprengstoff, den unsere Flughafen-Scanner niemals hätten erkennen können", sagt John Pistole, Leiter der US-Transportsicherheit.

Im Jemen rechnen amerikanische Experten am ehesten mit einem Anschlag auf US-Einrichtungen.