Test: Viele Fahrradschlösser lassen sich leicht knacken

Etwa zehn Prozent des Fahrradpreises einrechnen

Sie haben Ihren Drahtesel vor dem Haus oder in der Stadt abgestellt und wenig später fehlt jede Spur davon - auch wenn das Rad abgeschlossen war. Diese Situation kennen wohl die meisten Fahrradfahrer. Nur wenige Fahrradschlösser bieten soliden Schutz. Die Stiftung Warentest hat verschiedene Arten von Schlössern unter die Lupe genommen.

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Stiftung Warentest Fahrradschlösser Test
Nur wenige Fahrradschlösser leisten Dieben zuverlässig Widerstand. © picture-alliance/ dpa, Tagesspiegel Kitty Kleist-Heinri

Untersucht wurden Bügel-, Falt-, Panzer- und Kettenschlösser mit einem alarmierenden Ergebnis: Mit dem passenden Werkzeug lassen sich die meisten Schlösser ohne allzu großen Aufwand innerhalb kürzester Zeit öffnen. Nur fünf der 37 getesteten Schlösser bekamen die Bewertung „gut“. 17 waren sogar „mangelhaft“. Häufig war ein hoher Schadstoffgehalt in den Kunststoffummantelungen der Grund für das schlechte Urteil. Kein Schloss bot hundertprozentige Sicherheit. Dabei wurden Modelle getestet, die im Fachhandel bis zu 120 Euro kosten. Zahlt der Kunde also zu viel Geld für zu wenig Schutz?

Nicht unbedingt, meint Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Vor allem das Bügelschloss, auch U-Bogen genannt, sei aufbruchsicher. "Da kann man relativ sicher sein, dass es nicht am Schloss gelegen hat", sagt er. Allerdings geht hier die Sicherheit zulasten des Gewichts. Ein Bügelschloss ist schwer. Das Abschließen an einem Posten oder Pfahl ist schwierig.

Entscheidend für die Sicherheit sind die Dicke und Härte des Stahls. Daran mangelt es laut Test bei einigen Bügelschlössern. Auch beim Schließmechanismus haben die günstigeren Modelle Nachholbedarf. Grundsätzlich gilt: Ein gutes Bügelschloss hat seinen Preis. Es muss aber nicht unbedingt das teuerste im Laden sein. Experten raten, etwa zehn Prozent des Fahrradpreises für das Schloss auszugeben.

Immer an einem festen Gegenstand anschließen!

Wesentlich kompakter und flexibler als der U-Bogen ist das Faltschloss. Eingeklappt lässt sich die Variante, die einem Zollstock ähnelt, bestens am Rad verstauen. Doch leichter und praktischer ist nicht gleich gut. Dem Test zufolge sind viele Faltschlossmodelle relativ leicht zu knacken.

Das geht bei den klassischen und auf dem Markt besonders beliebten Panzerkabelschlössern noch schneller. Deprimierendes Ergebnis der Warentester: Ein Profi knackt das dünne Drahtseil oft in weniger als 15 Sekunden. Nutzen Sie deshalb ein Kabelschloss nur als einfache Wegfahrsperre. Vorausgesetzt, das Rad steht in Sichtweite. Gleiches gilt auch für Kettenschlösser. Zwar sind sie oft schwer, aber trotzdem leicht zu knacken.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auf gleich zwei verschiedene Schlösser setzen. Denn Diebe sind häufig auf einen Typ spezialisiert. Ein Schloss können sie schnell knacken, aber das andere nicht.

Beachten Sie auch: Nicht nur abschließen ist wichtig, sondern auch anschließen – am besten an einen festen Gegenstand. Schließlich bringt ein sicheres Schloss nur wenig, wenn man es an einem unstabilen Gartenzaun befestigt.


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