Treffen zur Jugendarbeitslosigkeit: Die "verlorene Generation" in Europa

03.07.2013 | 14:46
Jugendarbeitslosigkeit in Europa Millionen junger Europäer geht es ähnlich wie Filipe: In der EU sind 5,5 Millionen Jugendliche und junge Leute unter 25 Jahre ohne Job.

24 Milliarden Euro aus EU-Mitteln

Seit Monaten sucht Filipe einen Job. "Die Lage ist kritisch, sehr kritisch", murmelt der 22-jährige Portugiese und schüttelt verzweifelt den Kopf. Als der frühere Marinetaucher aus dem Lissabonner Vorort Barreiro zuletzt eine Arbeit hatte, ging es ihm kaum besser als jetzt: Bei einer privaten Tauchschule bekam er selbst nach einer mehrmonatigen Einarbeitungszeit entgegen der Absprache keinen Cent. Millionen junger Europäer geht es ähnlich wie Filipe: In der EU sind 5,5 Millionen Jugendliche und junge Leute unter 25 Jahre ohne Job. Von einer "verlorenen Generation" ist schon die Rede.

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Bei einer Konferenz in Berlin kündigten die Arbeits- und Sozialminister der 28 EU-Staaten nun ein entschlossenes Handeln gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit an. Dafür sollen nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums insgesamt 24 Milliarden Euro aus EU-Mitteln bereitstehen. In einer veröffentlichten 17 Seiten umfassenden Erklärung nennen die Minister Beispiele für erfolgreiche Programme zur Integration junger Leute in den Arbeitsmarkt, wie etwa Lohnkostenzuschüsse und eine bessere Verzahnung von schulischer und betrieblicher Ausbildung.

Merkel stiehlt Europas Jugend die Zukunft

Demnach sollen ab sofort 18 Milliarden Euro abrufbar sein, die aus bisherigen Strukturfonds nicht abgeflossen sind. Davon sollen laut der Minister-Erklärung bis zum Jahr 2015 780.000 junge Menschen und 55.000 Firmen profitieren. Vom kommenden Jahr an sollen weitere sechs Milliarden Euro bereitstehen, auf die sich der EU-Gipfel im Rahmen der neuen Finanzplanung 2014 bis 2020 verständigt hatte. Sie dienen zur Finanzierung einer 'Initiative für Jugendbeschäftigung' für Regionen, in denen die Jugendarbeitslosigkeit mehr als 25 Prozent beträgt. Die davon profitierenden Mitgliedstaaten sollen nach der Vereinbarung "bis zum Jahresende einen Plan verabschieden, der die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, auch mittels Umsetzung der 'Jugendgarantie', zum Inhalt hat".

Die vor geraumer Zeit von der EU beschlossene Jugendgarantie sagt jungen Leuten zu, dass sie innerhalb von vier Monaten nach ihrem Schulabschluss oder der Arbeitslosmeldung eine Ausbildung, eine Qualifizierung oder eine Beschäftigung haben sollen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor darauf hingewiesen, dass das Problem "mit Geld allein" nicht in den Griff zu bekommen sei. Dafür bedürfe es "kluger Reformen", sagte die CDU-Chefin der 'Süddeutschen Zeitung'. So sei es "nicht klug, wenn das Arbeitsrecht in manchen Ländern nur für junge Leute flexibilisiert ist, nicht aber für Ältere, die schon lange Arbeit haben". Nötig sei auch mehr Mobilität in Europa.

Die Chefs der nationalen Arbeitsagenturen verabschiedeten zeitgleich in Berlin Empfehlungen für eine effiziente Arbeitsverwaltung und kurzfristige Maßnahmen. Sie warnten aber vor überzogenen Erwartungen an eine rasche Verringerung der Jugendarbeitslosigkeit. Arbeitsmarktpolitik könne "in Zeiten einer Wirtschaftskrise mit schwacher Arbeitskräftenachfrage nur einen kleinen Beitrag zum Arbeitsmarktausgleich leisten".

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel machte Merkel für die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Süden Europas mitverantwortlich. "Sie ist eine Art Dieb, die der Jugend Europas die Zukunft stiehlt", sagte er vor mehreren Hundert jungen Demonstranten am Kanzleramt. Es sei eine "große Schande", dass weit mehr als eine Billion für die Rettung von Banken ausgegeben werde, aber nur ein paar Milliarden Euro für die Verbesserung der Arbeitsmarktchancen. Wenn nun bei Merkels Spitzentreffen die bisher geplanten sechs Milliarden Euro an Hilfen auf rund 20 Milliarden Euro erhöht würden, sei dies Augenwischerei.

Bildquelle: dpa bildfunk